SHOULD I STAY OR SHOULD I GO? von Marc Baumann und Hakan Tanriverdi


14. Dezember 2015

von

Ein Buch über Popmusik, das nicht von klassischen Musikjournalisten verfasst wurde, kann das funktionieren? Ja, kann es. Beziehungsweise: In diesem Falle funktioniert es sehr gut, weil sich Marc Baumann und Hakan Tanriverdi dem Thema nicht mit checkerhafter Verbissenheit und Faktenhuberei nähern, sondern mit Neugier und gelegentlichem Nachfragen bei Experten. Das bedeutet: Die 92 Fragen, die Musiker ihnen – nein, uns allen – gestellt haben, werden nicht musikhistorisch eingeordnet, nur einige Male blitzt die Entstehungsgeschichte durch. Wir haben es auch nicht mit einem Genre zu tun, die behandelten Songs stammen von so unterschiedlichen Künstlern wie Eric Clapton, Tocotronic und Tom Waits, aber auch bei Wolfgang Petry oder Haddaway hatten die Autoren keine Berührungsängste.

Stattdessen versuchen sich die Autoren an mehr oder weniger ernsthaften Antworten, was wiederum sehr lustig ist, weil Popmusik sich in vielen Fällen dadurch auszeichnet, wunderschöner Quatsch zu sein. Wenn die Arctic Monkeys „Why D’You Only Call Me When You’re High?“ fragen, stellen Baumann und Tanriverdi die Überlegung an, welche Substanzen da wohl im Spiel waren. „Wer etwa LSD nimmt, hat danach Probleme, den Telefonhörer noch als solchen zu erkennen – und nicht als sprechende Schlange wahrzunehmen. Kokain dagegen stärkt das Selbstbewusstsein derart, dass man sich höchstens selber anrufen und anflirten möchte.“ Um Alkohol gehe es also in dem Song, der ohnehin bei nächtlichen Anrufen häufig der Impulsgeber sei, denn – da haben wir dann die tatsächliche Antwort – Alkohol enthemme. Im weiteren Verlauf des Buches wird uns eine sehr genaue Wegbeschreibung mitgegeben für den Fall, dass wir die Strecke San Francisco – San Jose einmal mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen müssen, erfahren wir vom umständlichsten wie vom preisgünstigsten Weg, Leben auf dem Mars nachzuweisen, bekommen von den Special Guests der „Dr. Sommer“-Redaktion erklärt, warum die guten Mädchen immer auf die bösen Jungs stehen, erhalten Einblicke in die Täterstatistik bei Mordfällen und bekommen endlich verraten, wie man es hinkriegt, dass Gott einem wirklich einen Mercedes Benz kauft. Die Antwort ist verblüffend einfach, wird an dieser Stelle aber nicht verraten.


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