Shout Out Louds

Ease My Mind

Columbia/Sony

Die schwedischen Indie-Popper veröffentlichen ihr bestes Album seit zehn Jahren.

Es gibt viele Menschen, denen die Shout Out Louds egal sind. Diese Menschen sind zu bemitleiden, denn es ist doch so: Adam Olenius und seine Freunde veröffentlichten über die letzten zehn, zwölf Jahre einen Strang von konsistent guten Alben, die einige Songs bevorrateten, die zeigten: Dieses emotionale Wasteland zwischen Liebe und Verlust, zwischen Hoffnung und Verzweiflung, das man eigentlich zur Seite legen möchte, hat man die 30 mal überschritten, es ist grenzenlos.

Die Folter endet nie. Songs wie „Tonight I Have To Leave It“ oder „Fall Hard“ waren quasi Teenage Angst, nächste Staffel. Beunruhigend, aber halt auch enorm berührend. Gleichzeitig hatte man den Eindruck, dass die Euphorie, die anfangs auch noch als Arbeitsmittel der Band diente, von Album zu Album weniger wurde, bis sie nur noch müde aus dem Rückspiegel grüßte.

Das ist vielleicht die zentrale Nachricht dieses Albums: Der hauseigene Melo-Pop wird mehr als zuletzt aufgebrochen, Happiness is mindestens an Option, nicht in der einfältigen Hit-Variante, sondern eher perspektivisch gesehen. Ein ordentlicher Weißwein. Paar Zigaretten. Ein Abend im Freien. Dann wird alles wieder gut, irgendwann wird ohnehin alles wieder gut.

Die Vorab­single „Oh Oh“ mit ihrem BMW-Cabrio-Video mag da der beste Beweis sein, aber auch an anderer Stelle entdeckt man spätsommerlich anmutende Freude, etwa in „Paola“, in dem das Gitarrensolo so interessant angefeilt klingt, oder in „White Suzuki“, das seinen Wavepop auf den Balearen stattfinden lässt.

Am deutlichsten wird dieser Paradigmenwechsel in „Ease My Mind“: Am Anfang singt die Tabla, später Bebban Stenborg. „Leave you’re dreams. I’ll give you new ones. Come over.“ Der Aufforderung kommen wir gerne nach, denn es ist September. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben.

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