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Sign Libra Sea To Sea


RVNG Intl./Cargo (VÖ: 14.2.)

von

Die Bambusbahn in Kambodscha, der Königshügel von Ambohimanga auf Madagaskar, der Baumsteigerfrosch im Amazonas: Irgendwann in den frühen 90ern etablierte sich im popkulturell breit unterschätzten Genre der TV-Dokumentation für alles, was als unbestimmt fremdartig, aber faszinierend dargestellt werden konnte, ein bestimmter Soundtrack. Ob BBC oder 3Sat: Das Andere ist Synthie, Panflöte und geweißte Polyrhythmik, sphärisch, nervös flatternd, verheißungsvoll.

Sign Libra – Sea of Islands auf YouTube ansehen

Diese Soundwelt ist Basis der bisherigen Arbeiten der lettischen Komponistin Agata Melnikova. Ihr Debüt Close to the Equator spielte den Mikrokosmos Dschungel als campes Klischee von Soundtracks, aber auch mit einer Meisterschaft, die es als Musikstück bemerkenswert machte. Sea to Sea ändert das Szenario, nicht die Herangehensweise. Wieder ist die in den 90ern etablierte exotistische Klangwelt Inspiration ihrer Sounds, diesmal erkunden die verspielten Stücke aber von treibend bis schwerelos die Meere des Mondes, die Mare genannten Tiefebenen der Mondoberfläche, die die frühe Astronomie tatsächlich als Wasserflächen las.

Sign Libra – Sea of Nectar auf YouTube ansehen

Esoterik und Humor, Lust an der Dekonstruktion und kompositorische Filigranität machen Sea to Sea zu einer sympathischen und cleveren Platte, die anstandslos in einer Reihe gedacht werden kann mit anderen Experimenten mit dem Abseits der popkulturellen 90er: Oneohtrix Point Nevers Sample-Konstruktionen aus Werbeclips Replica (2011) etwa oder Betonkust & Palmbomen IIs Reise in die Welt der Center Parcs (2018).

SEA TO SEA im Stream hören:


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