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The Goon Sax Mirror II


Matador/Beggars/Indigo (VÖ: 9.7.)

von

Als Robert Forster vor acht Jahren bei einem Festival in Deutschland zu Gast war, wurde er von seinem Sohn Louis begleitet. Die beiden gaben ein göttliches Bild ab: unverkennbar Vater und Sohn, beide lang und schlank, schlangenartige Bewegungen, exzellenter Klamottengeschmack. Ob denn Louis auch eine Band betreibe? Ja, The Goon Sax, zusammen mit einer Freundin und einem Freund von der High School, mal sehen.

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Acht Jahre später sehen wir: Wow! MIRROR II ist das dritte Album der Band. Wackelte das erste enthusiastisch auf den Spuren von Vater Roberts Go-Betweens, zeigte das zweite bereits eine eigene Handschrift. MIRROR II ist nun die entscheidende Weiterentwicklung: The Goon Sax spielen einen Indie-Pop, wie man ihn zuvor noch nicht gehört hat. Ihr Erfolgsgeheimnis ist, nicht den ewig gleichen Soundideen des gerne gemütlichen Genres zu vertrauen. Gitarre, Bass, Schlagzeug und allerhand Harmonien – prima, aber zehntausendfach abgedeckt.

Es geht The Goon Sax nicht um Behaglichkeit, sondern um Erschütterungen

The Goon Sax dagegen haben zuletzt entrückte Musik gehört: den Pop-Minimalismus der Young Marble Giants oder die weird sounds des Outlaws Jandek, Robert Wyatt und die Platten der Canterbury-Szene, Krautrock und Electronic Body Music, Postpunk und Industrial. Keiner dieser Einflüsse bestimmt die Songs auf MIRROR II, die Spannung ihrer Anwesenheit ist jedoch jederzeit zu spüren.

Was Stücke wie „Psychic“ oder „Tag“ so besonders macht: Es geht The Goon Sax nicht um Behaglichkeit, sondern um Erschütterungen. Bei „Temples“ holt die Band des Sohnes die des Vaters dann ein: Auf Basis derart verwackelter Harmonien einen Refrain dieser Klasse aufzubauen – das war bis dahin ein Alleinstellungsmerkmal der Go-Betweens.


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