The Howling Hex – All-Night Fox

Neil Michael Hagerty hat eine klare Vorstellung von Geschichte. Eine Urknalltheorie: Am Anfang war der Rock’n‘ Roll, da gab es Chuck Berry und ein paar Lichtgestalten, die Platten machten. Danach kamen Abstraktion und Stilisierung. Punkt. Es fällt schwer, seine Band Royal Trux (1988-2001) nicht in diesen zweiten Strang einzuordnen, aber Royal Trux waren eine Zeitlang aufregend, weil sie deutlich anders tickten als das Gros der Revivalisten und selbsternannten Rock-Erneurer. Inzwischen schreibt Hagerty Tagebuch auf der Homepage seiner neuen Band – für sich und eine Fanbase, die Royal Trux für das Größte seit der Erfindung eben jenes Rock’n’Roll hält. Nach Hagertys Soloalbum von 2001, das ein Fenster in die Singer/Songwriter-Liga öffnete, steht der Mann hörbar wieder unter Hochspannung. Eine neue Band istwie ein neues Leben, wir hören völlig losgelösten Funky Shit, das Hetzen der Höllenhunde, flankiert von drei Stimmen, Rhythm’n’Blues-Sessions, die Endlos-Runden drehen in todschicken Reverb-Designs und so etwas wie Refrain gar nicht erst aufkommen lassen. Das ist elegant. Mit anderen Worten: Die Musik, die Hagertys alter Busenfreund Jon Spencer aus Pussy-Galore-Tagen heute spielte, wenn er noch ernsthaft was wollen würde. Wünschen wir dem rastlosen Hagerty, daß er endlich Frieden mit The Howling Hex findet und sich noch viele Jahre mit Kompetenz seiner Aufgabe widmen kann – der Glamourisierung des Bluesrock. Hexen werden bekanntlich 127 Jahre alt und älter. 127 ist kein Lebensalter für kleine Hexen. Das weiß jedes Kind seit Ottfried Preußler.

www.howlinghex.com