The Soft Pink Truth
CAN SUCH DELIGHTFUL TIMES GO ON FOREVER?
Thrill Jockey/Indigo (VÖ: 30.1.)
Drew Daniel findet vom Pimmel-House zum Kammer-Ambient.
Das Projekt The Soft Pink Truth ist eine Verwandlungsmaschine, und der Name deutet es schon an: maskulin konnotierte Genre wurden mit bestimmt zärtlichem Griff durch den Elektronikwolf gedreht. Auf DO YOU WANT NEW WAVE OR DO YOU WANT THE SOFT PINK TRUTH waren es Punk und Hardcore, auf WHY DO THE HEATHEN RAGE? Black Metal. Alles wurde in den verspielten Händen von Drew Daniel, weich und queer und lustig. Und trotzdem konnte man die Originale, die hier in Housetracks überführt wurden, noch erkennen.
Auf dem neuen Album CAN SUCH DELIGHTFUL TIMES GO ON FOREVER? nimmt sich Daniel, ansonsten eine Hälfte der dadaistischen Konzeptfabrik Matmos, Kammermusik und Streicherschmalz vor. Aber die zuckersüße Oberfläche wird immer wieder gebrochen. „Mere Survival Is Not Enough“ und „And By And By A Cloud Takes It All Away“ verbreiten anfangs noch sehr samtig und zuckrig Wohligkeit. Aber eigentlich ist da schon alles zu viel. Dekonstruktion durch Überaffirmation.
Andere Stücke sind unmittelbar zersetzend. Das zehnminütige „Phrygian Ganimede“ zerdaddelt mit Improtechniken die schöne Oberfläche. „Time Inside The Violet“ wiederum versinkt im Noise. Das Pathos wird auf CAN SUCH DELIGHTFUL TIMES GO ON FOREVER? porös, Kitsch will eat itself sozusagen. Die Antwort auf die Frage, die der Albumtitel stellt, lautet also: Nein.
Diese Review erscheint im Musikexpress 2/2026.



