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Tony Allen There Is No End


Blue Note/Universal (VÖ: 30.4.)

von

Es ist kein Anfang und natürlich auch kein Ende, eher ein weiterer funkelnder Mosaikstein in einer popweltbewegenden Geschichte. Tony Allen nimmt mit dem französischen Produzenten Vincent Taeger seine Interpretationen von HipHop-Beats auf, das sind Entkernungsarbeiten, spirituelle Rhythmisierungen von Klangideen. Den Grooves bringt er so unvergleichlich die Eleganz des Stolperns bei.

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Geplant ist ein Album mit jungen Rapper*innen, deren Stimmen der große Beatmaker auf dieser Platte Gehör verschaffen möchte. Bevor die Vocals aufgezeichnet werden können, stirbt Allen im April letzten Jahres im Alter von 79 Jahren. Taeger und dessen Produzentenkollege Vincent Taurelle vollenden die Recordings mit den Stimmen aus New York, Chicago, Los Angeles, London, Paris und Melbourne.

Vielleicht ist im Auto- Tune-HipHop-Stück mit Sampa The Great („Stumbling Down“) die Handschrift Allens am wenigsten auszumachen, im Laufe der 14 Tracks aber setzt sich das Federn in der Beatachse des genialen Polyrhythmikers in den unterschiedlichsten Soundlandschaften fest, den dunklen Echoräumen von Jeremiah Jae etwa, den Funkpoplaboren von Danny Brown und Marlowe. Bei Koreatown Oddity tanzt eine Flöte auf Allens Beats. Fantastisch: der Spoken-Word-Track „Cosmosis“ mit dem nigerianischen Dichter Ben Okri und Grime-MC Skepta, hier rührt Allen im Gorillaz-Sound, erinnert an die Zusammenarbeit mit Damon Albarn.

Man möchte in die Grooves springen, Teil dieser Beatmesse werden, den Move der Seligen antreten. Die Ellipsen des Tony Allen kennen kein Ende, sie werden kopiert, in neue Zusammenhänge getragen, wo auch ihre Variationen erfahren werden. Das wäre dann doch wieder ein Anfang.


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