Tune Yards Nikki Nack


4AD/Beggars

Auf der Bühne sind Tune Yards zweifellos ein Ereignis. Wenn Merrill Garbus mit live eingespielten Rhythmus-Loops jongliert, dann funktioniert das nicht immer, besitzt aber stets anarchischen Charme und demaskiert zuweilen auch noch den Fehler im System. Komplizierter aber wird es als Konserve. Vor allem, weil Tune Yards auch auf ihrem dritten Album, Nikki Nack, vor allem eins sind: kompliziert.

Die Genres, die Garbus mitunter in einem einzelnen Stück durchschreitet, reichen von Free Jazz über Punk bis Afrobeat, von Blues über Folk bis HipHop, ihre Einflüsse stammen aus Asien, Afrika und der Karibik. Es sind Songs, die nicht nur vor Ideen zu bersten drohen, sondern mit all ihren Verweisen, Abzweigen und Spielarten manchmal auch tatsächlich platzen. Kaum war eine irische Fiedel zu hören, sind wir auch schon auf einem Baumwollfeld in Mississippi. Aus einem Kinderlied wird eine Drum’n’Bass-Anwandlung mit Musicalmelodie.

Das schon immer ausgefallene Instrumentarium wird noch einmal erweitert um einen Stuhl, einen Sack Reis und die Boula, eine Trommel, die auf Haiti gespielt wird, wohin sich die in Oakland lebende Garbus im Sommer 2013 auf der Suche nach Inspiration begab. Dort wollte die Sängerin sich von „nicht-westlicher Musiktradition“ anfixen lassen. Zudem belegte sie einen viertägigen Intensivkurs für „Folklore- und zeitgenössische Tänze“.

Was als Quelle sicher auch seinen Teil dazu beigetragen hat, dass musikalisch sehr viel auf NIKKI NAcK passiert, mehr noch als auf ihren bisherigen Alben, mehr aber auch, als man bisweilen verkraften kann. Vor allem auf der rhythmischen Ebene, wo mancher unverhoffte Break und die eine oder andere Trommeleinlage prätentiös wirken. Ja, auch NIKKI NAcK ist ein Ereignis, aber auch ein mitunter anstrengender Amoklauf durch die Postmoderne.


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