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Warpaint Heads Up


Rough Trade/Beggars/Indigo

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten für eine Band, die sich für das klassische Format Song entschieden hat, sich musikalisch „im Markt“ zu „positionieren“: entweder durch Songwriting oder durch Atmosphäre. Beide Varianten können scheitern, wenn entweder die Songs nicht gut sind oder wenn die Atmosphäre als Make-up für schlechte Songs aufgetragen wird. Bei Warpaint war das auf bisher einer EP und zwei Alben eine gute Mischung aus Song und Atmosphäre. Wo das eine nicht funktioniert hat, ist das andere eingesprungen und hat in der Summe zu eindrucksvollen Ergebnissen geführt.

Jetzt kommt HEADS UP, Album Nummer drei von Emily Kokal, Theresa Wayman, Jenny Lee Lindberg und Stella Mozgawa, und gleich wird uns vom zuständigen Label die erste Single „New Song“ als die Neuerfindung der Band aus Los Angeles als Disco-Act angedient. Ist toll, haben wir wenigs­tens einen Aufhänger für die Besprechung. Werden sich jetzt alle draufstürzen und schreiben: Warpaint machen jetzt Disco! Aber dieser „New Song“ ist nicht nur kein Disco-Song, sondern auch der große Ausreißer auf einer ansonsten ziemlich homogenen Platte. Es ist auch eines der schwächs­ten Lieder auf dem Album, weil es mit einer Hittigkeit kokettiert, die dieser Band einfach nicht zu Gesicht stehen will.

Auf HEADS UP bleibt vieles, wie es war bei Warpaint: semi-düsterer, Post-80er-Jahre – nennen wir es – Indie-Rock, der durch die ausdrückliche Absenz eines Lead-Instruments ein sphärisches Ambiente erzeugt, eine Art Dream Pop für Fortgeschrittene. Bei Warpaint drängt sich trotz der klassischen Rockband-Besetzung keine Gitarre in den Vordergrund, das Schlagzeug haut nicht alles kaputt, wie das so gerne im Rock gemacht wird; Warpaint-Musik ist liebenswerter Anti-Rock, der unter Live-Bedingungen zum immer noch Testosteron-freien Rock-Rock wird. Dieser psychedelische Post-Punk-Folk-Pop hält bei intensiver Beschäftigung viele Überraschungen bereit. Zum Beispiel „By Your Side“ mit seinen Elektronik-Flächen im Hintergrund und einer Beatbox, die den Rhythmus angibt, oder einer Schlagzeugerin, die so spielt wie eine Beatbox – da ist vom Rock nicht mehr viel übrig.

Kooperation

HEADS UP ist eher die Erforschung von hypnagogischen Sounds und Beats unter den Bedingungen einer Indie-Band. Dazu kommen diverse Spinnereien, wie zum Beispiel „Don’t Let Go“. Der Song ist immer kurz davor, aus dem Ruder zu laufen. Er beginnt wie ein lieblicher Folk-Song, dem eine Überdosis Valium verabreicht wurde, dann kommen dengelnde E-Gitarren-Flächen dazu, dreistimmiger Chorgesang, das Schlagzeug hängt hinterher, dann ein Gitarrensolo, oder besser die Karikatur davon, dann eine dreampoppige Kakophonie mit atonalen Einschüben. Es scheint so, als hätten Warpaint noch einiges zu sagen.


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