Sommerabschied: Diese Alben bringen Euch durch den goldenen Herbst

Willkommen im dunkelgoldenen Herbst. Es mag Leute geben, die hören Alben immer und überall, unabhängig von jeglichen Umwelteinflüssen und Stimmungslagen. Bei manchen Alben geht das aber einfach nicht. Folgende fünf gehören eindeutig dazu und in den Herbst. Wenn die Blätter wieder sterben und alles kalt wird, wir plötzlich wieder an Jacke und Schal denken müssen und uns die erste Grippe einfangen, weil uns das alles ja doch ein bisschen überfordert. Mit diesen fünf Alben könnt Ihr Euch so richtig schön in Melancholie, der beginnenden Dunkelheit, sanftem Regen und der ein oder anderen Schlammpfütze suhlen.

Beak> – >>>

Atmosphärische Soundteppiche werden nur gelegentlich mit Gitarre und Electronica angereichert und ausgeweitet. Die wirken erst eintönig, später hypnotisierend. Und dann erst fällt dem beharrlichen Hörer auf, was für komplexe Gebilde das geniale Trio hinter der Studio-Scheibe da kreiert und durchdacht hat. Aus hartnäckigen Wiederholungen werden langsam vielschichtige Songs, aus bloßem Rauschen entspringt dann doch irgendwo eine Bassline. Dabei haben die drei Köpfe von Beak> ihre Konzeptlosigkeit verloren und gegen einen Plan eingetauscht, der aufgeht. Besonders beim Lauschen auf einer rumpelnden Busfahrt einmal quer durch den dunstigen Wald oder Park oder wo auch immer es gerade nebelt. „When We Fall“ holt Euch dann aber mit Streichern und romantischen 60s-Klängen wieder getrost auf den Boden zurück in Eure eigene Welt. Falls Ihr abgedriftet seid.

Mark Lanegan & Duke Garwood – With Animals

Irrlichter wabern am Horizont des neuen Albums des Ex-Frontmanns der Screaming Trees und des minimalistischen Gitarristen Duke Garwood, der gerne experimentiert. Dem Raunen Lanegans liegen ruhige Bässe zugrunde. Trockene Drums legen sich hin, um gleich wieder aufzustehen und das scheinbar endlose Kreisen der E-Gitarre schwärmt um alles herum. Eine intensive Platte, die einen mitten rein in Lanegans Geschichten reißt. Und die sind düster. Einsamkeit zum Hören.

Mount Eerie – A Crow Looked At Me

Der Mann hinter Mount Eerie erlitt den Tod seiner Frau und kanalisierte seinen Schmerz in einem Album. Als ich es zum ersten Mal gehört habe, musste ich weinen. Vielleicht bin ich zartbesaitet. Auf jeden Fall sind die Texte, die Tagebucheinträgen gleichen und die Tage und Gedanken nach dem schmerzhaften Verlust beschreiben, unglaublich traurig. Die Musik wurde schließlich auf den Instrumenten der Verstorbenen komponiert. In dem Zimmer, in dem sie an Krebs starb, schrieb Phil Elverum „A Crow Looked At Me“. Die Stille, die dort geherrscht haben muss, ist hörbar in der Musik.

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Kathryn Joseph – Bones You Have Thrown Me And Blood I’ve Spilled

Kathryn Joseph kreiert gespenstische Melodien an ihrem knarrenden Klavier. Wunderschön natürlich ist die Aufnahme, natürlich wirkt die Frau auf dem Hocker. Ihre Stimme wirkt krächzend, leicht angebrochen. Gleichzeitig scheint die Musik immer wieder aufzustehen und nicht zu versinken in der Traurigkeit. Denn die gibt es zu genüge auf dem Album der Schottin. Die Schwere erhält aber wieder etwas Leichtigkeit durch den Schwung, den ihre Finger auf den Tasten und Josephs betörende Stimme erschaffen. Einfach so, aus der Kälte des Herbst heraus.

Out Lines – Conflats

Kathryn Joseph machte nebenbei gemeinsame Sache mit Markus Mackay und James Graham, dem Kopf der schottischen Indie-Rock-Band The Twilight Sad. Joseph und Graham singen – dass er Schotte ist, versteckt er nicht. Im Gegenteil: Sein Akzent verleiht dem Album CONFLATS Nähe und Persönlichkeit. Irgendwie wirken die Melodien so, als befände man sich ganz an der Spitze eines Bergs mitten in einer weiten, frostigen Landschaft. Ungewöhnlich ist das nasale Ziehen des Akkordeons und das Rumpeln der stampfenden Percussion, die zu Erkennen geben, dass der Aufstieg lang und beschwerlich war. Aber angekommen sind Out Lines trotzdem.

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Weitere Alben, die diesen Herbst erschienen sind oder erscheinen werden, findet Ihr in unserer Übersicht der neuen Alben 2018.

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