Soul Comeback


Weil es auch ohne Amy geht

16. Oktober

Ein rabenschwarzer Tag für die Manband Take That, die sich grade dran macht, zur größten Popgruppe zu werden, die Europa je gesehen hat. Die Sensation ist verkündet: Robbie wird zur Band zurückkehren. Als Beweis veröffentlicht er die von kaufkräftigen Ü30-Fans seit Jahren ersehnte Aussöhnung mit Gary Barlow in Single-Form: „Shame“ heißt die scheinbar sichere Nummer eins. Dann passiert das Unerwartbare: Das zeitgleich erscheinende „Fuck You“ von Cee Lo Green bremst die Reunion-Single im Rennen um die Nummer eins der UK-Charts aus und demonstriert eindrucksvoll die Bedeutung von handgemachtem Oldschool-Soul für das Jahr 2010.

Aloe Blacc war es, der die deutlichsten Worte zum Thema fand: Er sei, so teilte er im Interview zu seinem Album Good Things mit, an den modernen Produktionsmethoden im zeitgenössischen US-Pop, schlichtweg „nicht interessiert“. Modern seien die schließlich längst nicht mehr, sondern Teil eines über die Jahre installierten Gleichklangs, der vor allem damit zu tun habe, dass auf jedem Album dieselben Produzenten und dieselben Feature-Gäste vertreten seien. Wer die letzten Alben etablierter Acts wie Usher, Ne-Yo und Nelly gehört hat, wird verstehen, was er meint. Die Zahl der Künstler, die sich genau jenem Gleichklang widersetzt, wird indes größer. Nun ist das nicht unbedingt etwas Neues – vor allem in Großbritannien wuchs mit Adele, Amy Winehouse und Duffy in den letzten Jahren eine Riege an Interpret(inn)en heran, die sich geschickt beim Sound alter Soul-Labels wie Motown und Stax bediente. 2010 waren es jedoch vor allem Rap- und R&B-Künstler, die ihrer Produktion all jenen technischen Tand entzogen, der zuletzt für Langeweile sorgte. Neben Aloe Blacc, der vor allem in den Katalogen von Curtis Mayfield, Marvin Gaye und Bill Withers nachschlug, zum Beispiel John Legend. Der spielte gemeinsam mit den Roots Wake Up ein, ein Album, auf dem er sich mit einigen ausgewählten Gästen wie Common ausführlich dem politischen Soulsong der 60er- und 70er-Jahre widmete. Sogar N.E.R.D. versuchten es auf ihrem ansonsten stumpfen Nothing ebenfalls mit ein paar Soul-Nummern.

Und dann eben Cee Lo Green mit dem dicksten Hit der Herbstsaison. Witzig: Ausgerechnet „Fuck You“, diese Vintage-Hymne auf – oder besser – gegen den Typen, der den dickeren Wagen fährt und deshalb die Braut abgreift, schrieb und produzierte Produzentenyoungster Bruno Mars, der bei seinen Arbeiten für Ke$ha, B.O.B. und Travie McCoy die Finger selten von Auto-Tune und Co. lassen konnte.