Suge Knight vs. Dr. Dre: Der Kampf geht in die nächste Runde

Es gibt tatsächlich noch Geschichten, die das Leben besser schreibt als Netflix.

„Besser“ meint in diesem Falle: verwirrender, blutrünstiger, eigenartiger, brutaler und mit mehr Staffeln und Sendezeit. Das beste Beispiel hierfür: der nie enden wollende Zwist zwischen zwei Mogulen des Hip-Hop-Business, der vor mehr als 20 Jahren begann und bis heute schwelt.

Auf der einen Seite: Suge Knight, bürgerlich Marion Hugh Knight Jr., der ehemalige CEO von Death Row Records, dem Label, das mit über 50 Millionen verkauften Tonträgern und einem Umsatz von mehr als 750 Millionen Dollar sowie einem quasi legendären Status nicht nur den Markt der G-Funk-Ära in den 90er Jahren prägte, sondern durch seine omnipräsente Stellung den HipHop in den 90ern maßgeblich mitbestimmte. Dort waren unter anderem Snoop Doggy Dogg, Left-Eye und Tupac Shakur unter Vertrag, letzterer bis zu seinem mysteriösen Tod 1996, bei dem Knight anwesend war und das Auto fuhr, in dem 2Pac erschossen wurde.

Auf der anderen Seite: Dr. Dre, bürgerlich Andre Romelle Young, zweites Gründungsmitglied von Death Row Records,  der das Label 1996 kurz vor Tupac Shakurs Tod verließ und mit Aftermath Entertainment sein eigenes Label gründete. Als Begründung für diese quasi Scheidung wurden die üblichen unüberbrückbaren Differenzen aufgeführt, ganz konkret warf Dr. Dre Suge Knight Unehrlichkeit und Korruption vor – der Anfang eines Jahre andauernden Kleinkrieges, der in seiner Brutalität zwar nie an die Eastcoast- vs. Westcoast-Fehde zwischen den beiden Plattenfirmen Bad Boy Entertainment und Death Row Records heranreichte, aber trotzdem nie ganz versiegte.

Suge Knight: seit Oktober wieder im Gefängnis

Suge Knight, kein unbekannter im Strafvollzug, wurde am 4. Oktober 2018 zu 28 Jahren Haft wegen vorsätzlicher Tötung eines ehemaligen Geschäftsfreundes verurteilt, den er auf einem Parkplatz überfuhr. Wer indes glaubt, damit wäre erst einmal Ruhe eingekehrt, irrt: In seinem einzigen Interview aus dem Gefängnis gibt Suge Knight nun Dr. Dre die Schuld an allen Vorkommnissen. So soll er nicht nur der Strippenzieher hinter einem versuchten Mord an Knight gewesen sein, der 2014 stattfand, sondern auch zusammen mit Universal Music und Apple einen zweiten Versuch unternommen haben, der dazu führte, dass Suge Knight auf einem Parkplatz einen Menschen tötete und einen überfuhr.

Klingt wirr? Wir können davon ausgehen, dass weitere Anschuldigungen und Statements folgen werden, 28 Jahre sind lang. Vielleicht wünscht sich Suge Knight aber auch einfach auf die Insel, auf der, glaubt man der einen oder anderen Verschwörungstheorie und einer niederländischen Bier-Werbung aus dem Jahr 2014, 2Pac in einer WG mit Marilyn Monroe, Elvis und Kurt Cobain vor sich hin lebt, und das gar nicht mal so schlecht. Allerdings nur, wenn Knight nichts mit 2Pacs Tod zu tun hat – sonst gibt es Beef.


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