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The Police: Drei Egos, fünf Platten, sieben Jahre

„Tatsächlich stand The Police ganz oben auf meiner Liste potenzieller Bandnamen“, erinnerte sich Stewart Copeland 2014 in einem Radio-Interview mit dem US-Sender NPR, „danach folgten weitere, einer lahmer als der andere. Heavy Artillery, Teeth Attack, London Teeth – irgendwie stand ich auf Zähne, warum auch immer. The Jaws Of Hell, du verstehst?“ Es wird letztlich doch nicht der Höllenschlund, sondern The Police. Gute Entscheidung.

Vorschlag fürs Protokoll: Bevor wir all die mutmaßlich schalen Polizei-Phrasen endgültig hinter uns lassen, widmen wir uns noch schnell den Tatbeteiligten. Etwa Gordon Matthew Thomas Sumner, in der Szene „Sting“ genannt, ehemals Lehrer und semi-professioneller Jazzbassist aus dem nordenglischen Hinterland. Sein Komplize heißt Henry Padovani, ist gebürtiger Korse und zunächst Gitarrist der Band, wird allerdings schon vor deren Debütalbum durch den erfahrenen und deutlich älteren Studiomusiker Andy Summers abgelöst. Nicht zu vergessen: Die Copeland-Gang aus den USA, bestehend aus Stewart, einem ehrgeizigen und weltgewandten Progrock-Schlagzeuger, sowie seinen beiden älteren Brüdern Miles und Ian, die der Band als Freunde und Helfer zur Seite stehen.

Die haben unsere drei Hauptdarsteller im London des Jahres 1977 auch bitter nötig. Stewart Copeland hat zuvor zwei wenig erfolgreiche Alben mit der Prog-Band Curved Air aufgenommen, die sich 1976 nach allerlei Querelen einmal mehr auflöst. In Newcastle lernt er den ambitionierten Bassisten Sting kennen, für dessen mittelmäßig inspirierte Jazz-Rock-Combo Last Exit es auch nicht allzu rosig läuft. Die Musik spielt ohnehin in London, weshalb Sting seine Koffer packt. Henry Padovani wiederum ist beseelt vom Punk, der gerade Britanniens Hauptstadt erschüttert, was sich in der Debütsingle „Fall Out“ niederschlägt, deren B-Seite die Misere allerdings schon im Titel trägt: „Nothing Achieving“.

Punk mag der heiße Scheiß sein, korrespondiert aber nicht unbedingt mit dem künstlerischen Selbstverständnis der Herren Copeland und Sting, die sich tendenziell zu Höherem berufen fühlen und ohnehin mit Padovanis limitierten Fähigkeiten hadern. Mit Mike Howlett, ehemals Mitglied der avantgardistischen Hippie-Kommune Gong, gründen sie das kurzlebige Projekt Strontium 90, das zwar außer ein paar Demotapes nichts Verwertbares abwirft, in dessen Reihen jedoch ein versierter Veteran seinen Dienst tut: Gitarrist Andy Summers, rund zehn Jahre älter als Copeland und Sting, der seine Brötchen seit geraumer Zeit als Tour- und Studiomusiker verdient. Die Konsequenz: Padovani muss gehen, Summers kommt.

Ein Stück vom Kuchen

Zum Narrativ eines Band-Mythos gehören gemeinhin blumige Berichte über Freundschaften, gar Seelenverwandtschaften und gemeinsame Ideale. Was The Police betrifft, sollte man sich keinen allzu romantischen Illusionen hingeben: Größter gemeinsamer Nenner ist damals vermutlich der Frust über den Status quo und das Bedürfnis, ein Stück vom Kuchen abzubekommen, dessen Größe endlich dem eigenen Talent entspricht. Was aber keineswegs verwerflich ist. Nur der Vollständigkeit halber.



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