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Elternverband fordert: Netflix soll „Tote Mädchen lügen nicht“ löschen

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Seit einigen Tagen läuft auf Netflix die zweite Staffel der Serie „Tote Mädchen lügen nicht“, die im Original „13 Reasons Why“ heißt und bereits 2017 für eine öffentliche Debatte gesorgt hat. Damals bemängelten Jugendpsychologen, diverse Elternverbände und Lehrer, dass die Serie Suizid romantisiere und aus diesem Grund gefährlich für Teenager sein könnte.

Warnung: Es folgen Spoiler zur zweiten Staffel von „Tote Mädchen lügen nicht“

In Süddeutschland ging ein Lehrer sogar so weit und behauptete, dass die Serie zwei seiner Schülerinnen direkt zu Selbstmordgedanken verleitete – den Mädchen geschah aber nichts. Netflix reagierte und installierte Warntafeln vor jeder Episode, dazu weisen die Schauspieler selbst die Zuschauer darauf hin, dass man die Serie lieber mit einem Erwachsenen anschaut – um anschließend über die Inhalte zu sprechen. Eine Website zur Serie verweist zudem auf Telefonnummern und weitere Stellen, an denen sich die Zuschauer über das Thema Depression und Selbstmord informieren können.

„Netflix hat eine tickende Bombe geliefert“

Szene aus der zweiten Staffel von „Tote Mädchenlügen nicht“.

In der Serie selbst wird die Jugendliche Hannah in den Selbstmord getrieben. In der ersten Staffel schildert sie in Rückblenden, wie sie sich von ihren Freunden verlassen fühlt und anschließend keinen Halt fand, nachdem sie von einem Mitschüler vergewaltigt wurde. Die Geschichte wird in den neuen Episoden, die nun seit Mai auf Netflix laufen, erneut aufgerollt. Es wird weiter in die Psyche des Mädchens sowie ihrer Mitschüler eingetaucht, in einem Nebenplot droht aber eine neue Katastrophe auf die Schüler der Liberty High zuzukommen.

Ein Mitschüler Hannahs, sein Name ist Tyler, plant einen Amoklauf. Nur in letzter Sekunde kann er davon abgebracht werden und flieht vom Schulgelände. Die harten Themen der Serie, die aber nachweisbar auf dem realen Alltag an US-Schulen basieren (immerhin gab es am Tag der Staffelpremiere einen Amoklauf in Texas), rufen nun die Parents Television Council (PTC) auf den Plan. Die PTC fordert, dass Netflix die Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ komplett aus dem Programm nimmt. Alle Folgen der Show sollen nach dem Willen der Organisation gelöscht werden.

Begeht in der Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ Selbstmord: Hannah

„Netflix has delivered a ticking time bomb to teens and children who watch ’13 Reasons Why’“,  sagt Tim Winter, Präsident des PTC. Die Organisation will junge Zuschauer in den USA vor zu drastischen, moralisch verdorbenen und sexuellen Inhalten im TV beschützen. Und sieht „Tote Mädchen lügen nicht“ offenbar als Gefahr für die Jugend an. „The content and thematic elements of the second season are even worse than we expected. We would have liked to have 13 reasons for hope and redemption following the graphic suicide of the lead female teen character, but rather than providing a path forward, the season only provides cause for despondency“, heißt es weiter in dem Statement Winters. Die Mitglieder des PTC hofften also darauf, dass der grausamen Todesszene von Hannah in der zweiten Staffel eine Botschaft der Hoffnung und Erlösung folgt. Die laut PTC gefährlichen Elemente der Serie wurden aber nur noch schlimmer, meint man beim Council.

Winters PTC-Kollegin Melissa Henson ist der Meinung, dass man als depressiver oder hoffnungsloser Zuschauer keine Möglichkeit hat, die Serie mit einem guten Gefühl zu verlassen. Netflix sei sich laut PTC der Gefahren bewusst, sonst hätte der Streaming-Dienst ja wohl kaum Warnungen vor der Serie ausgesprochen und die Website mit den Telefonnummern und Beratern eingerichtet. Besonders schockiert zeigten sich die Mitglieder der PTC sowie viele Zuschauer von einer Szene aus der letzten Episode der aktuellen Staffel: Ein Junge wird mit einem Besenstiel penetriert und körperlich misshandelt. Auch solche Szenen der Gewaltdarstellung in einer offensichtlich für junge Zuschauer ausgelegten Serie seien für die PTC ein Grund, Netflix zur Abschaffung der Serie aufzuführen. Die Altersempfehlung auf Netflix ist übrigens ab 16 Jahren.

Das gesamte Statement der PTC finden Sie auf der Website der Organisation. 

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Beth Dubber/Netflix

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