Diese 5 Alben spalteten Fans: Die umstrittensten Werke der Musikgeschichte
Von Genesis bis OutKast: Diese 5 Alben brachen radikal mit dem Erfolg ihrer Vorgänger und spalteten Fans und Kritiker:innen gleichermaßen.
Wir stellen fünf Alben vor, die es der Welt nicht leicht gemacht haben.
John Lennon and Yoko Ono – UNFINISHED MUSIC NO. 1: TWO VIRGINS (1968)
Zwei der bekanntesten Menschen der Welt nackt. Das ist Statement und Revolution. Dazu handelt es sich um John Lennons erste Soloplatte, ist allein deswegen von großem historischen Wert. Und dennoch: Hört man zu, riskiert man buchstäblich ein Ohr. Was Yoko Ono und Lennon da im Heimstudio des Letzteren in einer Nacht festhielten, während seine Frau Cynthia im Griechenlandurlaub weilte, ist eine ermüdende Collage aus Dialogfetzen, Tapeloops, verstörenden Effekten und Geheul. Wer sich das nicht antun, dennoch aber nicht unwissend sterben möchte, genießt bitte einfach das zwei Jahre später erschienene Meisterwerk JOHN LENNON/PLASTIC ONO BAND und stellt sich das exakte Gegenteil vor.
Lou Reed – METAL MACHINE MUSIC (1975)
Mit dem Vorgänger SALLY CAN’T DANCE hatte Lou Reed endlich den so lang ersehnten kommerziellen Erfolg, der ihm mit The Velvet Underground verwehrt geblieben war. Doch die Kritiken fielen erstmals verheerend aus. Reed trat die Flucht nach vorne an und veröffentlichte eins der am schwersten konsumierbaren Alben aller Zeiten: Er singt keine Melodien, er singt kein 1, 2, 3, 4. Er singt gar nicht. Statt Rhythmen gibt es auf den gleichen Ton gestimmte E-Gitarren, die, aufeinander losgelassen, sich ein Duell an Verzerrungen und Rückkopplungen liefern, das niemand gewinnen kann, schon gar nicht das Publikum. Der Sound eines Tinnitus. Ehrenlose Erwähnung in dieser Liste: Reeds Zusammenarbeit mit Metallica von 2011: LULU.
Genesis – CALLING ALL STATIONS (1997)
Sechs Jahre nachdem die ehemaligen Artrocker mit „I Can’t Dance“ von Classic Rock untermalte Levi’s-Werbeclips parodierten, hatten sie den Nachfolger des ausgeschiedenen Phil Collins am Mikrofon ausgerechnet aus einer Levi’s-Reklame rekrutiert. Der uncharismatische Ray Wilson blickte auf eine Blitzkarriere bei der eilig für den Jeanshersteller gecasteten Band Stiltskin zurück und stellte sich mit einer der schlimmsten Zeilen der Rockgeschichte als dritter Sänger der Band vor: „You say that I put chains on you / But I don’t think that’s really true“, hieß es in der Leadsingle „Congo“. Der Titel des Nachfolgers „Ship-Wrecked“ passte zur US-Tour, die aus mangelndem Publikumsinteresse abgesagt wurde.
Atari Teenage Riot – LIVE AT BRIXTON ACADEMY 1999 (1999)
Zugegeben, mit Tracks wie „Hetzjagd auf Nazis“ und „Deutschland (Has Gotta Die!)“, auf denen ultrabrutaler Gabber Amen-Breaks wie einen Morgenstern schwingend gegen Biggest Beats antritt, haben die Berliner nicht gerade auf die Charts geschielt. Und dennoch: Neben der auralen Vergewaltigung „Black Sabbath“ aus MISS BLACK AMERICA, einem 1998er-Soloalbum von Mastermind Alec Empire, ist dieser Livemitschnitt das radikalste künstlerische Statement der Gruppe. Extreme Noise Terror par excellence, fernab jeglicher Ordnung und Struktur. Die nach dieser intensiven Reizüberflutung als Headliner auftretenden Nine Inch Nails müssen dagegen wie die Flippers gewirkt haben.
OutKast – IDLEWILD (2006)
Eigentlich waren die Wege doch so schön geebnet: Nach vier Ideenfeuerwerken auf Albumlänge emanzipierten sich Big Boi und André 3000 vom gemeinsamen Projekt OutKast und veröffentlichten 2003 statt einer fünften Platte zwei Soloalben im Doppelpack: das meisterliche SPEAKERBOXXX/THE LOVE BELOW. André 3000 war auf dem besten Weg, der nächste Prince zu werden – doch dann? Dann taten sich die beiden doch wieder zusammen, drehten ein immerhin eigenwilliges HipHop-Musical und begleiteten dies mit dem gleichnamigen Soundtrackalbum IDLEWILD. Beides saft- und kraftlose Werke, die immerhin kaum jemand mitbekommen hat. Während Big Boi eine überschaubar erfolgreiche Solokarriere unterhält, ist André 3000 weitgehend aus dem Scheinwerferlicht verschwunden, das weiterhin die Bühne erhellt und auf seine Rückkehr wartet.







