Vor 15 Jahren: Was sonst noch los war

+++ Auch der Musikexpress liegt voll im Stones-Fieber: Im großen Interview steht Keith Richards Rede und Antwort zum neuen Album. Die damaligen ME-Gurus Gülden und Gockel hauen daneben und geben ‚Tattoo You‘ nur geizige zwei bzw. drei Sterne, Rockpalast-Moderator Alan Bangs hingegen greift in die vollen und spendiert sechs. Dienst am Kunden: Der ME liefert eine Schallfolie aus Kunststoff mit neuen Songs von Mitch Ryder und Roger Chapman.

+++ Neuer Weltrekord im Eier-Weitwurf: In einem finnischen Stadion wirft ein „Sportler“ ein rohes Ei 96,90 m weit, ein zweiter fängt es auf. Die beiden Eierköpfe verbessern die alte Bestmarke um fast fünf Meter.

+++ Triumphales Konzert für die Schmusebarden Simon & Garfunkel: Im Central Park sorgen die zwei für das bis dahin größte Live-Ereignis in der Geschichte des grünen Rechtecks inmitten der New Yorker Betonwüste: Sage und schreibe Abräumer: Paul Simon und Art Garfunkel 400.000 Menschen lauschen den soften Gesängen des Duos. Genau zehn Jahre später verbessern die beiden an gleicher Stelle ihren Rekord 600.000 Zuschauer!

+++ Im deutschen Fernsehen sorgt eine neue Serie für Furore: Jeden Dienstag abend hockt die Nation geschlossen vor Durchstarter: Ölbaron der Glotze und er-J.R. Ewing und Gattin götzt sich an den fiesen Intrigen von Dallas-Ekel J.R. und den Seinen.

+++ Der US-Außenminister Alexander Haig startet einen zweitägigen Staatsbesuch in der Bundesrepublik -50.000 demonstrieren in West-Berlin gegen die Visite.

+++ Ein 5,7 x 5,7 x 5,7 cm großer Plastik-Kubus löst ein bis dahin nie gekanntes Tüftelfieber aus: der Rübik-Würfel. Quer durch alle Bildungsschichten der Republik dasselbe Phänomen: nackte Verzweiflung bei endlosen Versuchen, durch Verdrehen der einzelnen Ebenen gleichfarbige Würfelseiten herzustellen. Manch einer wirft das Ding entnervt in den Müll.

+++ Genau dort enden auch die teuren Designermodelle der Haute Couture: Wegwerf-Mode lautet das Motto der Saison. Wer sich traut, drapiert sich zur Party kunstvoll in eine Mülltüte.

+++ Am 18. September läuft in den deutschen Kinos ‚Das Boot‘ vom Stapel. Regisseur Wolfgang Petersen produzierte nach der Buchvorlage von Lothar-Günther Buchheim in den Münchener Bavana-Studios mit einem Etat von 23 Mio. Mark – so viel wurde bis dahin in Deutschland noch nie für einen einzigen Film ausgegeben.

+++ In der Alternativszene liest frau ‚Der Tod des Märchenprinzen‘, geschrieben von der 28jährigerin Svende Merian. Die Jungs, ohnehin seit Jahren damit beschäftigt, ihre archaischen Macho-Verhaltensmuster zugunsten softer Alternativen abzulegen, riskieren ebenfalls einen Bück – das weinerliche Feministinnen-Statement gerät zum Bestseller.

+++ Nach 16 Monaten Pause öffnet die berühmte New Yorker Disco Studio 54 ihre Horten neu: Die alten Besitzer waren wegen Steuervergehen von der Staatsanwaltschaft aus dem Verkehr gezogen worden, die neuen Betreiber wollen den Laden mit Live-Attraktionen wie James Brown und Bow Wow Wow wieder auf Vordermann bringen. +++ Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, amtierender Buropa-meister, tritt im September zweimal an: Am 2.9. wird Polen in Königshütte mit 2:0 besiegt, am 23.9. gibt’s in Bochum ein rauschendes 7:1 gegen die Finnen.

+++ Im Iran wütet das Fallbeil: Allein im September werden im ehemaligen Persien 198 Oppositionelle hingerichtet, ein Großteil davon ohne ordentlichen Prozeß. Grund: Das Brutalo-Regime der regierenden Islamisch-Republikanischen Partei hat Angst vor den innenpolitisch immer stärker werdenden Volksmudshahedin.

+++ In den USA registriert die Zentrale Gesundheitsbehörde die ersten fünf Fälle einer seltenen Lungenerkrankung bei Homosexuellen. Wenig später hat das Kind einen Namen: Zum Ende des Jahres diagnostizieren die Ärzte in der Gay-Metropole San Francisco bei 24 Patienten die Immunschwache AIDS.

+++ Die einheimische Yellow Press erlebt seit dem 29. Juli satte Auflagenzuwächse. Grund: die Traumhochzeit des britischen Thronfolgers Prince Charles mit der gerade 20jährigen Lady Diana Spencer. Noch Wochen nach dem Royal Wedding-Spektakel strahlt das Paar von den Titelseiten. Fast auf den Tag genau 15 Jahre später wird die Ehe geschieden – Charles konnte von ‚Rottweiler‘ Camilla Parker Bowles nicht lassen, und Diana nahm Reitstunden bei einem gewissen James Hewitt.

+++ 1981 wird zum Jahr des großen Durchbruchs für das New Yorker Model ßrace Jones. Mit ihrem Album ‚Nightclubbing‘ glückt der exhibitionistischen Disco-Diva eine exzellente Verbindung von kühler New Wave-Eleganz, altmodischer Chanson-Ästhetik und kochenden Club-Grooves. Dies und ihr ausgeprägter Hang zur Selbstdarstellung machen die gebürtige Jamaikanerin zur uneingeschränkten Kultfigur der Saison. +++ Riesen-Randale in Berlin-West: Der Senat der Stadt läßt am 22. September acht besetzte Häuser räumen. Bei der anschließenden Großdemo kommt es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Der 18jährige Klaus-Jürgen Rattay wird dabei von einem Bus überfahren, mehr als 100 Verletzte werden gezählt.

+++ Die SPD/FDP-Regierung unter Kanzler Schmidt gerät immer stärker unter Druck: Die Arbeitslosenquote hegt zwar bei aus heutiger Sicht harmlosen 5,5 %, steigt aber im Vergleich zu 1980 um 44 %. Drei Poltt-Punks: Das Bruttosozialprodukt sinkt um 0,3 %. Strauß, Kohl und Genscher wetzen schon die Messer.

+++ No Future heißt die Devise bei den meisten Kids im Land: Die Zeitschrift ‚Konkret‘ erfaßt die Stimmung mit einer Fotomontage, die Schmidt, Genscher und Strauß als Punk zeigt – das Poster mit Helmi, Hans-Didi und Franzi geht weg wie warme Semmeln. +++

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