Popkolumne „Nummer Eins“

Warum „Ain’t Nobody“ auch in Felix Jaehns Version feat. Jasmine Thompson ein Hit wurde

Das musikalische Wirkprinzip von Felix Jaehn lautet: Er macht elektronische Musik für Leute, die sich nicht für elektronische Musik interessieren. Das wollen wir hier jetzt gar nicht weiter vertiefen, denn interessant an seiner zweiten Nummer eins ist etwas anderes, etwas Größeres, nämlich die Selbstverständlichkeit, mit der sich manche Songs halten.

Nummer Eins: Die Pop-Kolumne von Jochen Overbeck
Unser Popkolumnist und Redakteur Jochen Overbeck

„Ain’t Nobody“, im Original 1983 von Rufus, der Funk-Band um die stimmgewaltige Chaka Khan, in letzter Sekunde auf das Live-Album SToMPIN’ AT THE SAVOY geschmuggelt, ist unzählige Male gecovert worden. Zum Beispiel 1994 von Jaki Graham als Dance-Version, 1996 von LL Cool J für den „Beavis & Butt-Head“-Soundtrack, zudem von George Michael, Mary J. Blige, der Hermes House Band und Knorkator.

Die Qualität der Stücke schwankt ebenso wie ihre Geschwindigkeit, eines haben sie gemeinsam: Man kann sich ihnen nicht entziehen. Bis zu dieser Einschätzung dauerte es freilich etwas: Als David J. „Hawk“ Wolinski, seinerzeit Bassist bei Rufus, den von ihm geschriebenen Song zum ersten Mal den Herrschaften der Plattenfirma vorspielte – das sei doch eine mögliche Single, sagte er -, lehnten die ihn ab. Wolinski kündigte an, das Stück dann eben an Quincy Jones weiterzureichen, der das sicher gerne mit Michael Jackson einspielen würde. Für THRILLER. Das wollte man dann doch nicht, „Ain’t Nobody“ wurde zur Single.

Interessant ist: Jaehn bedient sich an einer recht unbekannten Version des Songs: Jasmine Thompson, eine 14-Jährige aus London, lud ihre Interpretation auf YouTube hoch, ein Werbespot für die Supermarktkette Sainsbury’s machte den Track zum – nun ja, nicht Superhit, aber Platz 32 der britischen Charts war drin. Jetzt ist sie also in Deutschland Nummer eins. Mit einem Song, der doppelt so alt ist wie sie. Das hört man ihm keine Sekunde lang an, auch und erst recht nicht im Original, das clever zwischen Disco, Funk und Soul mäandert. Wir gönnen „Hawk“ jeden Tantiemencent, aber so was von.

 

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