„Zusammen“ und Co.: Das sind die WM-Songs 2018 von ARD, ZDF, Coca Cola und der FIFA

Das Warten ist vorbei, die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland läuft seit einigen Tagen. Und mit Tuernier kommen auch wieder die Radio- und TV-Ohrwürmer, die ein solch großes Turnier traditionell mit sich bringt. Immer, wenn die Fernsehanstalten in die Halbzeitpause wechseln oder die Übertragung beginnt, werden die immergleichen motivierenden und vermeintlich emotionalen Songs eingespielt, dazu hat die FIFA einen offiziellen Song ausgewählt, der das Turnier bewirbt und für Stimmung sorgen soll.

Hier sind die Lieder, an denen man in den kommenden Wochen nur schwer vorbeikommt:

Das Erste: „Zusammen“ von Fanta 4 feat. Clueso

„Wir sind zusammen groß, wir sind zusammen eins, komm lass’n bisschen noch zusammen bleiben“, wird es schon vor dem ersten Anpfiff mehrfach aus dem Fernseher plärren. Das Erste hat sich die Comeback-Single der Fanta 4 geschnappt, der Refrain soll wohl Gemeinschaft stiften. Vernünftiger Plan, gefühlt steht Deutschland noch nicht komplett hinter der aktuellen Nationalmannschaft. Seit dem Sieg gegen Schweden scheint dies glücklicherweise anders zu sein, feiern bis zum Morgengrauen war nach dem 2:1 von Toni Kross bei vielen Fans der Mannschaft angesagt. Schade, dass die Stimmung nicht angehalten hat.

ZDF: „The Bravest“ von Sir Rosevelt

Das ZDF zeigt sich ganz international und hat einen Song der Band Sir Rosevelt aus Nashville für die Untermalung emotionaler Szenen gewählt. „The Bravest“ klingt zwar ein bisschen, als hätte der Song es knapp nicht mehr auf das letzte Album von Imagine Dragons geschafft. Der Refrain passt aber zum Thema: „You can be the greatest, you can be the bravest, you can be the champion“ und so weiter. Beim Zusammenschnitt von Torjubel und dramatischen Momenten erweist sich die Hymne bisher als äußerst tauglich.

FIFA: „Live it Up“ von Nicky Jam, Will Smith und Era Istrefi

Früher war im Fußball alles besser, auch die offiziellen Turnier-Hymnen. Wir erinnern uns an Ricky Martins „Cup of Life“ oder Herbert Grönemeyers „Zeit, dass sich was dreht“ zum Sommermärchen 2006. Danach ging es bergab: „Waka Waka“ wurde 2010 vom Coke-Song „Wavin‘ Flag“ ausgestochen, „We Are One“ von Pitbull und Jennifer Lopez war 2014 ein Totalausfall.

Auch 2018 setzt die FIFA auf Vergessenswertes. Mit Nicky Jam, Will Smith und Era Istrefi wurden zwar gleich drei Musiker engagiert, der Song „Live It Up“ wird die Zeit aber auch nicht überdauern. Zu belanglos sind die Lyrics und der Beat, das Video zeigt dazu ein tanzendes, diverses Russland, das man so wahrscheinlich nicht zwischen den Platten Moskaus entdecken wird – ein Fest für Zyniker zumindest. Bei der Abschlussfeier vor dem WM-Finale am 15. Juli wird das Trio den Song im Stadion von Moskau performen.

Coca Cola: „Colors“ von Jason Derulo

Der Getränkegigant ist einer der Hauptsponsoren des Turniers und stellt oft einen Alternativsong zur FIFA-Hymne vor. 2010 landete der Konzern mit K’naans „Wavin‘ Flag“ einen Megahit, der Shakiras „Waka Waka“ in den Schatten stellen konnte. 2018 geht nun Jason Derulo mit „Colors“ ins Rennen. Buntes Musikvideo mit vielen Flaggen, WM-kompatibler „Lalala“-Refrain und eine lebensbejahende Grundstimmung hat der Song auf jeden Fall, der Inhalt brennt sich aber nicht ein. Bis auf den Coke-Werbespruch „Taste the Feeling“, den Derulo in den Song einbaut, was unterm Strich einfach nur schäbig ist.

Ist Euch egal? Für all die, die Fußball so gar nicht interessiert, hat Klaas Heufer-Umlauf mit Gloria eine Art Anti-Hymne geschrieben. Abseits der Mainstream-Hymnen voller Motivation und großer Gefühle gibt es selbstverständlich viele Trittbrettfahrer, die mit eigenen WM-Songs ein wenig Ruhm während des Turniers abgreifen wollen. Besonders schlimm: Die „Dschinghis Khan“-Reunion, die Schlager-Produzent Ralph Siegel auf die Beine gestellt hat. Passend zum Austragungsort Moskau hat er noch den Sänger Jay Khan (wie passend!) ins Boot geholt und die Gruppe den 70er-Hit „Moskau“ erneut singen lassen. Mit zweifelhaftem Resultat und überraschend wenig Ohrwurmgefahr, manche Dinge sollte man einfach ruhen lassen:


„Babylon Berlin“-Soundtrack: Hört hier den Titelsong „Zu Asche, zu Staub“
Weiterlesen