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Eurovision Song Contest

10 Fakten, die Ihr noch nicht über den ESC 2018 in Lissabon wusstet

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„All Aboard!“ lautet das Motto des diesjährigen Eurovision Songcontest (ESC) in Portugals Hauptstadt Lissabon. Wir erinnern uns: Im vergangenen Jahr hatte der Sänger Salvador Sobral mit seiner schlichten Performance des Songs „Amar Pelos Dois“ den Wettbewerb in Kiew gewonnen. Fast erwartungsvoll schlecht schnitt damals der deutsche Beitrag der Pop-Sängerin Levina ab, die nur den vorletzten Platz mit sechs mageren Pünktchen erreichte.

Das soll in diesem Jahr mit Michael Schulte und seinem Ed-Sheeran-esken Song „You Let Me Walk Alone“ natürlich ganz anders werden. Am 12. Mai findet das Finale des 63. ESC statt, am 8. und 10. Mai finden im Vorfeld die beiden Halbfinalrunden statt. Was es neben dem Motto des Gesangwettbewerbs und dem Titel sowie Interpreten des deutschen Beitrags noch so Wissenswertes-Kurioses gibt, haben wir Euch in dieser Liste mit 10 Fakten, die Ihr noch nicht über den ESC 2018 in Lissabon wusstet, zusammengetragen.

1. Deutschland kostete die Teilnahme 2017 exakt 380.000 Euro

Beim ESC funktioniert das ja so: Wir reden zwar immer davon, dass Deutschland Letzter wird, Schweden gewinnt und Russland dies oder das tut – in Wirklichkeit aber nehmen am ESC keine Sänger-Nationalmannschaften teil, sondern die Rundfunkanstalten, die Mitglied in der European Broadcasting Union (EBU) sind. Über die EBU wird der Songcontest finanziert und zwar mit den Beitragszahlungen der jeweiligen Mitglieder. Für Deutschland ist das die ARD. Nicht jede Rundfunkanstalt gibt transparent bekannt, wie viel sie an die EBU zahlt. Laut ARD zahlte Deutschland für den ESC 2017 in Kiew rund 380.000 Euro, 2015 waren es noch 365.000. Es wird also mehr.

Ob sich das alles rechnet, auch wenn wir immer die hinteren Ränge belegen? Vor allem, wenn es von den Rundfunkgebühren bezahlt wird? Die ARD findet: ja. Neben Großbritannien, Spanien, Italien und Frankreich gehört Deutschland zu den sogenannten Big Five“. Sie sind immer für das ESC-Finale gesetzt, weil sie am meisten einzahlen in den Topf. Teurer als andere Live-TV-Events ist das Spektakel aber nicht, sagt ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber:Der Anteil, den die ARD an den Produktionskosten der EBU trägt, ist sehr überschaubar. Der Gegenwert ist hoch, er besteht aus der Übertragung des ESC-Finales und der beiden Halbfinale – insgesamt rund acht Stunden Fernsehen.“

2. Man kann sich ein personalisiertes Video zu Michael Schultes ESC-Beitrag machen lassen

Den Song hat Ex-„The Voice“-Teilnehmer Schulte (der übrigens 2012 in der Staffel mit Siegerin Ivy Quainoo Dritter wurde) für seinen Vater geschrieben. Und weil diese durchaus schöne und persönliche Geschichte sich auch super gut vermarkten lässt, kann man auf eurovision.de seine ganz persönliche Version zusammen basteln. Oder wie Schulte in der Videobotschaft sagt: „Das Lied handelt von mir und meinem Vater. Sicher hast auch du eine besondere Beziehung zu deinem Vater oder du bist selbst Vater. Nutze das Video für deine persönlichen Bilder. Es geht ganz schnell, mach mit! Ich freue mich auf dein Video.“ Kann man mögen oder nicht.

3. Die deutsche Fachjury für den ESC besteht aus Max Giesinger, Mike Singer, Lotte, Mary Roos und Revolverheld-Manager Sascha Stadler

Selbst Menschen mit einem ausgewiesenen ESC-Spleen müssen an dieser Stelle sehr stark sein: Die deutsche Fachjury, die die musikalischen Beiträge der restlichen Kandidaten bepunktet, besteht aus einem anderen ehemaligen „The Voice“-Teilnehmer und Deutschpoeten (Max Giesinger, Team Xavier Naidoo, ebenfalls 2012, Leidensgenosse von Schulte), sowie einem YouTube-Influencer-Wannabe (Mike Singer), einer Popsängerin (Lotte), einer Schlagersängerin und „Sing meinen Song“-Teilnehmerin (Mary Roos) und dem Manager eines „Sing meinen Song“-Teilnehmers (Sascha Stadler, Revolverheld-Manager).

True Story. Die Statements aller Jury-Mitglieder darüber, wie sehr sie sich über ihre Teilnahme freuen, sind so herzzerreißend, dass wir sie nicht alle zitieren können (wer will, kann sie hier nachlesen). Unser liebstes Zitat aber stammt eindeutig vom ultra-neutralen Max Giesinger: „Es macht einfach Spaß, zuzugucken und die teils absurden, teils musikalisch hochwertigen Beiträge zusammen mit seinen Freunden zu bewerten. Da mein bester Kumpel Michael Schulte dieses Jahr Deutschland vertritt, fieber‘ ich da natürlich gleich doppelt mit.“ Mary Roos hingegen hat echte Credibility in der Jury: Sie nahm bereits zweimal, 1972 (Platz 3) sowie 1984 (13. Platz), selbst am ESC teil.

4. Bei den Buchmachern hat Israel die Nase vorne

ESC
Die Wettquoten für den ESC 2018

Wetten kann man auf alles und jeden. Jedes Jahr aufs Neue gleichsam beliebt: wetten, welches Land beim ESC das Rennen macht. Während dieser Artikel entstand, war der Favorit der Song „Toy“ von der israelischen Sängerin Netta. Die feministische Hymne hat zwar eigenartige Hühnchen-Sounds in sich, vereint aber ansonsten ziemlich viel eigentlich gar nicht so Schlechtes. Es folgt als möglicher Gewinner Rybak für Norwegen. Zu dem kommen wir aber später. Deutschland landet bei den Buchmachern auf Platz 16. Die hatten in der Vergangenheit überraschend oft recht. Lenas Sieg 2010 haben sie auch vorausgesagt.

5. Die Teilnehmerin für San Marino kommt aus Lauingen bei Ulm und studiert internationale Betriebswirtschaft

Okay, ehrlicherweise ist Jenifer Brening nur die eine Hälfte des Beitrags aus San Marino. Die Geschichte darüber, wie die Studentin aus Bayern zum ESC kam, ist purer Zufall. Kurz vor dem Auftritt beim Vorentscheid des kleinen Landes San Marino springt Sängerin Jessika ihr Rapper ab. Spontan springt die Deutsche Jenifer Brening ein, die ebenfalls mit einem eigenen Song beim Vorentscheid antritt. Und tada: Es klappt.

Jennifer Brening ist übrigens auch ein Casting-Show-Kind. Mit 16 nahm sei bei „Deutschland sucht den Superstar“ teil, scheiterte aber in der ersten Runde an Dieter Bohlen. Apropos Dieter Bohlen: Der hat auch eine ESC-Vergangenheit. 1989 komponierte er für Nino de Angelo den Song „Flieger“, mit dem der Schlagersänger in Lausanne antrat – und dort den 14. Platz erreichte.

6. Für Griechenland gab es keinen nationalen Vorentscheid. Der Grund: Nur eine Künstlerin erfüllte alle Kriterien

Eigentlich gab es für den griechischen Vorentscheid, der am 22. Februar stattfinden sollte, fünf Bewerber. Aber einer nach dem anderen schied schon im Vorfeld aus. Mal entsprachen die Lieder nicht den Regularien oder es fehlte eine Kostenübernahme. Am Ende bliebt nur Yianna Terz übrig. Sachen gibt’s.

7. Den weißrussischen Beitrag gab es schon mal als Song

Wie geht das denn, fragt sich der regelkundige ESC-Fan. Denn eigentlich darf ein teilnehmender Titel nicht vor dem 1. September des Vorjahres kommerziell veröffentlicht worden sein. Das trifft nicht unbedingt auf das Stück „Forever“ des weißrussischen Sängers Alekseev zu. Der ehemalige Kandidat von „The Voice of Ukraine“ hat seinen Song nämlich bereits vorher in einer russischen Version auf Konzerten gespielt. Nach Protesten anderer weißrussischer Musiker, die ebenfalls an dem Vorentscheid teilnahmen, musste Alekseev den Titel überarbeiten. In dieser „Neu“-Version darf der Song nun antreten.

8. Russland macht wieder beim ESC mit

Nach einem Jahr Zwangspause aus politischen Gründen, nimmt Russland wieder am Gesangwettbewerb teil. Julia Samoylova wurde die Teilnahme in Kiew 2017 verwehrt, weil die in Osteuropa überaus populäre Sängerin über die von Russland annektierte Krim in die Ukraine eingereist sein soll. Nun versucht die Sängerin, die 2014 die paralympischen Spiele in Sotschi musikalisch eröffnete, in Lissabon ihr Glück. Mit „I Won’t Break“ tritt die auf den Rollstuhl angewiesene Russin an.

Eine solide Popnummer, wäre da nicht der bittere Beigeschmack der Inszenierung: Bei den Proben zum Halbfinale wirkte es fast so, als wolle man den Rollstuhl um jeden Preis verbergen. Wie das zu Inklusion beitragen soll? Ein Rätsel.

9. Monaco, die Slowakei, Andorra, Bosnien-Herzegowina und Luxemburg nehmen dieses Jahr nicht teil

Während Russland also wieder zurück kommt, nehmen manche Länder nicht mehr an dem Wettbewerb teil. Nicht zu den 43 Teilnehmern dieses Jahr gehören aus unbekannten Gründen Monaco und die Slowakei. Aus finanziellen Gründen scheitert es hingegen bei den Ländern Andorra, Bosnien-Herzegowina sowie Luxemburg.

10. Alexander Rybak vertritt zum zweiten Mal Norwegen beim ESC

Wie versprochen, kommen wir nun noch einmal auf den norwegischen Geiger Alexander Rybak zu sprechen. Ja, das putzige Kerlchen mit weißrussischen Wurzeln hat bereits vor neun Jahren beim Songcontest in Moskau gewonnen. Damals mit einer Rekordpunktzahl, die Bestand hatte, bis das Punktesystem 2016 reformiert wurde. Ob er in diesem Jahr mit seinem Metaebenen-Song „That‘s How To Write A Song“ einen neuen Rekord aufstellen kann?

Das erste Halbfinale des ESC 2018 beginnt am Dienstag, 8. Mai, um 21 Uhr deutscher Zeit auf ONE oder im Livestream. Das zweite Halbfinale folgt zur gleichen Zeit auf gleichem Sender am 10. Mai. Das Finale am 12. Mai überträgt das Erste ab 21 Uhr.

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