Liste

2000-2015: Die 50 besten Alben des neuen Jahrtausends


Wir haben die 50 besten Alben aus den Jahren 2000 bis 2015 ausgewählt und gerankt – wie es sich gehört. Und dann haben unsere Autoren aufgeschrieben, weshalb es genau diese 50 Platten sind – und keine anderen.

40. SIGUR RÓS – () (2002)

40 Sigur Rós - ( )
40 Sigur Rós – ( )

Im Jahr 1999 verzückten die Isländer Sigur Rós mit dem Zeitlupen-Post-Rock ihres zweiten Albums ÁGÆTIS BYRJUN. Drei Jahre später wurden ihre Kompositionen noch sphärischer, noch abstrakter. Ihrer dritten Platte gaben sie den Nicht-Titel ( ), auch die acht Songs darauf blieben (vorerst) unbenannt. Sänger Jónsi jauchzt und schmachtet in einer Kunstsprache namens Hopelandic, die Band malt mit E-Bow und Keyboard prächtige Klanggemälde. Wer sich darauf einlässt, wird von dieser Platte in einen nahezu meditativen Zustand versetzt. (Reiner Reitsamer)

39. AT THE DRIVE-IN – RELATIONSHIP OF COMMAND (2000)

39 At The Drive-In - Relationship Of Command
39 At The Drive-In – Relationship Of Command

Keine zweite Hardcore-Band verband rohe Ausbrüche so mit Pop-Hooks wie die Te-xaner At The Drive-In. RELATIONSHIP OF COMMAND, ihr drittes Album, ist messerscharf komponiert und auf den Punkt gespielt. Die Songs stürmen los wie wilde Hengste. At The Drive-In geben ihnen die Sporen, ziehen die Zügel, lassen die Peitsche knallen. Sänger Cedric Bixler-Zavala kontrolliert das Chaos, singt von Frauen, die in der Wüste Mexikos verscharrt werden („Invalid Litter Dept.“). Das hat die Wucht von Refused, die politische Schlagkraft von Rage Against The Machine. Danach war alles gesagt. Ein Jahr später lösten sich At The Drive-In auf. (Reiner Reitsamer)

38. NICK CAVE & THE BAD SEEDS – PUSH THE SKY AWAY (2013)

38 Nick Cave & The Bad Seeds - Push The Sky Away
38 Nick Cave & The Bad Seeds – Push The Sky Away

Mit dem zweiten Grinderman-Album hatte Cave die ungestüme Seite seiner Muse ausgelebt. Jetzt schwang das Pendel über DIG, LAZARUS, DIG!!! zurück zur lyrischen, lautmalerischen Intensität von ABATTOIR BLUES/THE LYRE OF ORPHEUS. Geprägt wird dieses Album von Warren Ellis’ alchemistischen Experimenten mit Saiten und Pedalen, dazu der filigranen Perkussion von Thomas Wydler. Cave wiederum wechselt souverän zwischen Dissonanz und herbstlicher Melodik, zwischen reinigendem Krach und meditativer Stille, und erzeugt so eine gewaltige Dynamik. Ganz zu schweigen von Texten zwischen Ironie und Inbrunst, wie sie derzeit niemand sonst zuwege bringt. (Hanspeter Künzler)

37. WANDA – AMORE (2014)

37 Wanda - Amore
37 Wanda – Amore

Dass das Debüt dieser Band aus Wien für mehr steht als die Rückkehr des Austropop, wurde schnell klar, als immer mehr Menschen von unglaublichen Szenen aus den Clubs berichteten, die Wanda in Schutt und Seligkeit legen. Oasis-Vergleiche wurden laut. Drauflos spielen, der Sehnsucht einfach die erste Stimme geben, und drei Akkorde, ein Chor, der wortwörtlich nach „Liebe!“ ruft – oder sogar ein Michael-Jackson-Bass, wo es einen Groove braucht: AMORE ist jedes Mittel recht, das den Hörer in seine Schwitzkasten-feste Umarmung nimmt. (Oliver Götz)

36. ARCADE FIRE – THE SUBURBS (2010)

36 Arcade Fire - The Suburbs
36 Arcade Fire – The Suburbs

Mehr Überbau besitzt kein Arcade-Fire-Album. Die Kanadier navigieren auf dieser Platte ihren Bandbus durch die „Little Boxes“ der amerikanischen Vorstadt und damit durch ein zur Zeit der Veröffentlichung in Auflösung befindliches Lebens- und Kapitalkonzept, aber auch durch ihre eigenen Biografien. Das lässt Platz für eine kleine Streitschrift im Titeltrack, für Pathos („Ready To Start“, „We Used To Wait“), für Punk („Month Of May“) und getragenen Rock der R.E.M.-Schule („City With No Children“). Trotzdem wirkt THE SUBURBS so geschlossen wie kein anderes Album der Band, und immer noch entdeckt man neue Parts, die bisher durchgerutscht sind. (Jochen Overbeck)

35. M.I.A. – KALA (2007)

35 M.I.A. - Kala
35 M.I.A. – Kala

Für Traditionalisten mag der nervenaufreibende Sound-Clash der Maya Arulpragasam grell und maßlos klingen. In einer globalisierten Internet-Welt aber, in der die Grenzen zwischen Ländern, Genres, Trash und Hochkultur verschwimmen, ist ihr Worldbeat-Ghetto-Tech ein Kunstgriff: ein Bastard aus Bollywood Disco, Rave Beats und Avantgarde Punk, Dancehall und Agitprop-Raps. Noch schamloser als auf ihrem Debüt stiehlt sich M.I.A. ihre Versatzstücke zusammen. Und so sind die Songs ebenso anarchistisch wie partytauglich – und trafen im Fall des Hits „Paper Planes“ mit ihrer Anything-and-Everything-Vision auf wundersame Weise auch noch den Massengeschmack. (Annett Scheffel)

34. INTERPOL – TURN ON THE BRIGHT LIGHTS (2002)

34 Interpol - Turn On The Bright Lights
34 Interpol – Turn On The Bright Lights

New York City, Anfang des Jahrtausends. Paul Banks, Daniel Kessler, Carlos Dengler und Sam Fogarino haben im Dunkeln ihr erstes gemeinsames Werk vollendet. Sie setzen ihre Sonnenbrillen auf, stellen sich an die Tür des düstersten Verlieses der ganzen Stadt, einer gibt das Kommando: TURN ON THE BRIGHT LIGHTS. Die Tür geht auf, die gleißende Sonne über Manhattan scheint auf die vier Männer. Mit stolzen Schritten gehen sie hinaus in die Stadt, hinaus in die Welt und spielen ihre Lieder: Songs aus der Düsternis, die aber das Licht brauchen, um wirklich zu leben. „The subway is a porno“, singt Banks in „NYC“. Auch darum ist die Sonnenbrille Pflicht. (André Boße)

33. M.I.A – ARULAR (2005)

33 M.I.A. - Arular
33 M.I.A. – Arular

Von Langzeitfreundin Justine Frischmann (Ex-Elastica) bekam sie den Sequencer, mit dem sie die rohen Beats für ihr Debüt aufnahm. Vom Vater, dem tamilischen Aktivisten Arul Pragasam, ließ sie sich zum Albumtitel inspirieren. Die Farb- und Stilexplosion auf dem Cover spiegelte perfekt die Bombe aus Worldbeat, Dance- hall, HipHop, Punkrock und Electroclash wider, die M.I.A. hier platzen ließ. Bis auf die Knochen aufgekratzte Hits wie „Pull Up The People“, „Sunshowers“ und „Galang“ hatten nichts mit damaligen Hörgewohnheiten zu tun, ebneten aber den Weg für Karrieren wie die von Diplo, der hier co-produzierte. (Stephan Rehm)

32. WILD BEASTS – SMOTHER (2011)

32 Wild Beasts - Smother
32 Wild Beasts – Smother

Mit diesem, seinem dritten Album fand das Quartett aus dem englischen Lake District buchstäblich seine Stimme. Zuvor hatten die opernhaften Gesangsauftritte von Hayden Thorpe etwas aufgesetzt gewirkt. Jetzt fügten sich selbst seine wiehernden Falsetto-Momente völlig natürlich in eine schimmernde Klangwelt, die irgendwie locker und organisch daherkam, auch wenn sie zur Hälfte aus elektronischen Sounds bestand und nur so strotzte von Experimenten mit Rhythmen, Harmonien und Texturen. Elegant und ohrwurmig, als wären die frühen Roxy Music in die Neuzeit übersetzt worden. (Hanspeter Künzler)

31. LCD SOUNDSYSTEM – LCD SOUNDSYSTEM (2005)

31 LCD Soundsystem
31 LCD Soundsystem

Daft Punk spielen in seinem Haus, sang James Murphy, das damals einzige Mitglied des LCD Soundsystem, das damals noch ein Studioprojekt war. Das Debütal- bum eines informierten Nerds, der den Pop zum Thema machte und damit ebenso zur Entzauberung der Legenden beitrug, wie dem Kanon des Pop eine weitere hinzuzufügen. LCD SOUNDSYSTEM ist ein moderner Klassiker der Zitatpop-Ära, ein Amalgam aus Acid House, Disco, (Post-)Punk und Psychedelic Pop, über den sich der Schleier der Psychedelia legte. Murphy sang manchmal mit falschem englischem Akzent oder imitierte die Stimme von Mark E. Smith auf einem Album, das Elektronik-uninformierten Indie-Kids ein paar schicke Dancemoves beibrachte. (Albert Koch)

Auf der nächsten Seite stellen wir die Plätze 30-21 vor: