Highlight: Die Indie-Klasse von 2005: Was Kaiser Chiefs, The Zutons und Co. heute so machen

Liste

2000-2015: Die 50 besten Alben des neuen Jahrtausends

20. BON IVER – FOR EMMA, FOREVER AGO (2007, wiederveröffentlicht 2008)

20 Bon Iver - For Emma, Forever Ago
20 Bon Iver – For Emma, Forever Ago

Die Liebe ist ein hartes Business. Da müssen zwei sich einig werden, und wenn das klappt – alles wunderbar. Für die Kunst ist es allerdings besser, wenn die Fetzen fliegen. Wie bei FOR EMMA, FOREVER AGO. Das Album, für das sich Justin Vernon für Monate in eine Waldhütte einschloss, ist auf eine Art eine klassische Trennungsplatte: Er macht sich Vorwürfe, ihr auch, er kämpft, verzweifelt, gibt auf, bricht die Erinnerungen übers Knie wie dünne Zweige. Ein Schmerz, wie ihn lange niemand eingefangen hatte. Das Brüchige, der traurige Zorn des Alleingelassenen, in diesem Fall: das Glück des Zuhörers. (Daniel-C. Schmidt)

19. ARCADE FIRE – FUNERAL (2004, in Europa 2005)

19 Arcade Fire - Funeral
19 Arcade Fire – Funeral

Wie schaute man damals wohl drein, als man FUNERAL zum ersten Mal hörte? Bekam man sogar den Mund nicht mehr zu, weil diese vom Himmel gefallenen Francokanadier eine Musik spielten, wie man sie seit Ewigkeiten nicht mehr gehört hatte? Zuletzt vielleicht von den verloren gegangenen Neutral Milk Hotel. Die vier Stücke der „Neighbourhood“-Serie legten die Fährte, bei „Wake Up“ glaubte man, die neue Welthymne zu hören, „Rebellion (Lies)“ kombinierte auf magische Weise New Wave mit Northern Soul. Man las, dass Bowie großer Fan dieser Band ist. Glaubte man sofort. (André Boße)

18. HOT CHIP – THE WARNING (2006)

18 Hot Chip -The Warning
18 Hot Chip -The Warning

Auch so ein Monster-Ding. Auf ihrem zweiten Album destillierten die Londoner Hot Chip aus den Erkenntnissen von 40 Jahren Popgeschichte ein ebenso tanz- wie songfreundliches Wunderwerk. Disparate Stile wie Pop, Disco, House, Gospel, Folk, R’n’B und Elektro-Funk wurden unter der Regie von Alexis Taylor und Joe Goddard zur Hot-Chip-Musik und die Band bald darauf zum allgemeinen, Tribe-übergreifenden Konsens. Kaum ein Album aus der jüngeren Vergangenheit, auf dem die „joy of repetition“ der elektronischen Musik so geschmeidig mit traditionalistischen Pop-Tugenden konnte. So smooth, so schön, so nerdy. (Albert Koch)

17. AMY WINEHOUSE – BACK TO BLACK (2006, in Deutschland 2007)

17 Amy Winehouse - Back To Black
17 Amy Winehouse – Back To Black

Man muss einen Moment innehalten, um sich noch einmal in die Zeit zurückzuversetzen, bevor diese zierliche Londonerin mit dem wilden Haar-Berg von der Yellow Press verschlungen wurde: die Zeit, als ihre Musik so frisch klang, wie lange nichts vor ihr. Songs wie „Rehab“ oder „Tears Dry On Their Own“ waren mit Mark Ronsons hippen Motown-meets-HipHop-Sound von der ersten Sekunde an moderne Klassiker: Alkoholgetränkte, lasterhafte Soul-Geschichten über gebrochene Herzen, Sex und Drogenrausch – gesungen von einer Stimme, die den Schmerz in den Texten aufgesogen zu haben schien wie den letzten Schluck Whiskey in einer rabenschwarzen Nacht. (Annett Scheffel)

16. ARCTIC MONKEYS – WHATEVER PEOPLE SAY I AM, THAT‘S WHAT I‘M NOT (2006)

16 Arctic Monkeys - Whatever People Say I Am That's What I'm Not
16 Arctic Monkeys – Whatever People Say I Am That’s What I’m Not

Bis heute ist kein Debütalbum in der Erscheinungswoche häufiger verkauft worden als diese Platte. Sie machte aus dem Myspace-Phänomen Arctic Monkeys die größte Band des Vereinigten Königreichs. Und schon nach dem Opener „The View From The Afternoon“ fragt man sich zwangsläufig, warum Alex Turner mahnte, man solle dem Hype um seine Band keinen Glauben schenken. Dieses Indie-Rock- Meisterwerk ist mit einer schwindelerregend hohen Hit-Dichte gesegnet („I Bet You Look Good On The Dancefloor“, „When The Sun Goes Down“, „Fake Tales Of San Francisco“) und gilt zu Recht schon als moderner Klassiker. (Dominik Sliskovic)

15. QUEENS OF THE STONE AGE – SONGS FOR THE DEAF (2002)

15 Queens Of The Stone Age - Songs For The Deaf
15 Queens Of The Stone Age – Songs For The Deaf

Der gelernte Stoner-Rocker Josh Homme hatte schon mit den ersten beiden Queens-Alben bewiesen, dass er imstande war, seine eigene cool school of rock zu eröffnen. Aber erst mit dieser wilden (Hard-)Rock-Klassenfahrt machte er das ganz große Fass auf. Neben Stargästen wie Mark Lanegan und Dean Ween fand vor allem Dave Grohl in dieser Schicksalsgemeinschaft zu seiner Bestimmung zurück: Sein hier gebotenes halsbrecherisches Drumming ging in die Geschichte ein. Dass Herr Homme wiederum nicht nur ein mal sexy, mal bedrohlicher, aber jederzeit wild entschlossener Riffmeister ist, sondern auch noch Melodien mit der Anhänglichkeit blutdurstiger Moskitos herbeihexen kann, weiß heute jedes Kind. Aber hier ging das alles erst so richtig los. (Oliver Götz)

14. PORTISHEAD – THIRD (2008)

14 Portishead - Third
14 Portishead – Third

Wirklich niemand hatte erwartet, dass Beth Gibbons, Geoff Barrow und Adrian Utley nach einer Dekade des Schweigens noch einmal zu einer Großtat fähig sind. Doch dann gelang ihnen mit THIRD ein Geniestreich. Barrow kopierte dabei nicht den eigenen Stil. Er trieb stattdessen ein Stück wie „We Carry On“ in einen stoischen Rhythmus und ließ dabei Platz für harte Gitarrenriffs. An anderer Stelle scheinen Krautrock (Can), Elektronik (Silver Apples) und Avantgarde (Pierre Henry) durch. Das Herzstück „Machine Gun“ aber kommt völlig ohne Referenzen aus, aus Störgeräuschen entsteht ein Track, der genau so klingt, wie er heißt. (Sven Niechziol)

13. James Blake – JAMES BLAKE (2011)

13 James Blake
13 James Blake

Sein großes, hell leuchtendes Statement bekam die neue Pop-Innerlichkeit des gerade angebrochenen Jahrzehnts ausgerechnet von einem blassen, britischen Dubstep-Produzenten. Dabei ist dieses Debüt mit den elegischen R’n’B-Balladen und tief wabernden Bässen vor allem ein Lehrstück über Zeit und Raum: Das zentrale Element in seinen zwischen sprödem Techno und warmem Soul-Gesang perfekt austarierten Songs ist die Stille. In den besten Momenten durchmisst Blake die Leere seiner radikal reduzierten und entschleunigten Elektro-Miniaturen mit seiner fragilen Falsettstimme – wie ein Mensch, der mutterseelenallein in einem Maschinenraum zurückgeblieben ist. (Annett Scheffel)

12. BURIAL – UNTRUE (2007)

12 Burial - Untrue
12 Burial – Untrue

Gerade erst hatte sich der Gedanke durchgesetzt, dass die elektronische Musik durch Dubstep vor dem Übergang in eine neue Dimension steht. Doch schon ist jemand da, der das Ganze gleich wieder auf den Kopf stellt. Will Bevan geht nicht nach Formel vor und verlässt sich nicht auf tiefe Basseinschläge als Markenzeichen. Er setzt auf eine Ambient-Atmosphäre, die gar nicht so düster daherkommt, wie sein Künstlername andeutet. Auch das Klöppeln von Beats aus der Zeit des 2Step sorgt für Belebung. Nach UNTRUE hat sich Bevan auf die Veröffentlichung von Singles und EPs beschränkt. Aber auch mit ihnen hat er Genres gesprengt. (Thomas Weiland)

11. The White Stripes – ELEPHANT (2003)

11 The White Stripes - Elephant
11 The White Stripes – Elephant

Mit dem mehrfach platingarnierten ELEPHANT gelang Jack und Meg White das scheinbar Unmögliche. Sie machten rohen, punkigen Blues-Rock zum ersten Mal seit den frühen Rolling Stones wieder hitparadenträchtig. Mehr noch: Indem sie eine funkensprühende musikalische Intensität mit smarten Texten und schlau konzipiertem Image kombinierten, vermochten sie auch dem jüngeren Publikum zu gefallen. Mit ELEPHANT wurde der Blues als Inspirationsquelle wiederentdeckt, dazu das Duo-Format auch für den Rock- Mainstream als dynamisches Bandkonzept neu erschlossen. Selbst Fußballfans waren zufrieden: Sie hatten jetzt „„Seven Nation Army“. (Hanspeter Künzler)

Auf der nächsten Seite stellen wir die Plätze 10-8 vor:


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