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Filmjubiläum

25 Jahre nach „Fargo”: So wird der neue Coen-Film „The Tragedy of Macbeth”

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Bei „Fargo” von einem Kultfilm zu sprechen, ist beinahe überflüssig. Denn irgendwie hat sich nahezu jeder Film der legendären Coen-Brüder Joel und Ethan ins kulturelle Gedächtnis eingebrannt. Dazu gehört nicht nur das heute mittlerweile 25 Jahre alte Serienvorbild. Ob nun „The Big Lebowski”, „No Country for Old Men” oder jüngst „The Ballad of Buster Scruggs” für Netflix, die Filmografie der Brüder ist gespickt mit brillanten Storys und markanten Charakteren – von seiner Dudeheit Jeff Bridges bis zu Javier Bardem als kaltblütiger Killer mit dem wohl schlechtesten Haarschnitt aller Zeiten.

Hier geht es zum Trailer von „Fargo”:

Bei den Coens bleibt nahezu alles gewissermaßen in der Familie – auch die insgesamt 13 Oscars, die die Brüder bisher für ihre Filme absahnten. „Fargo” zeichnete die Academy mit jeweils einem Goldjungen für das beste Drehbuch und die beste weibliche Hauptrolle der Frances McDormand als schwangere Polizistin Marge Gunderson aus. Der Film gilt seit jeher als geschickte Mischung von Comedy- und Thriller-Elementen, die gekonnt in einem herzlichen Porträt des mittleren Westens der USA zusammengefasst werden.

„The Tragedy of Macbeth” soll wie deutscher Expressionismus aussehen

Nicht umsonst rangiert „Fargo” auch 25 Jahre nach Release auf Platz 176 der berühmten IMDb-Top 250. Die Frage ist jedoch, mit welchem Film die Brüder als nächstes auf den Ranglisten der Filmfans einschlagen wollen. Nun, so genau weiß das niemand. Denn auf dem nächsten Projekt steht nur der Name eines Coens – nämlich Joel. Der Ältere der beiden wird bei „The Tragedy of Macbeth” nämlich das Drehbuch zum ersten Mal seit 1984 nicht mit seinem jüngeren Bruder Ethan schreiben, sondern sich den Autorencredit mit einem gewissen William Shakespeare, dessen Theaterstück als Grundlage dient, teilen. Und auch sonst wird Ethan – zumindest in offizieller Kapazität – nichts mit der Neuverfilmung des klassischen Stoffes am Hut haben.

Macbeth” dreht sich um den titelgebenden schottischen Armeegeneral Macbeth, der für König Duncan in die Schlacht zieht. Jedoch überzeugen ihn drei Hexen davon, dass er selbst einmal König werde. Um den Prozess zu beschleunigen, bringt Macbeth Duncan kurzerhand um, um vom Thron Schottlands aus seine blutige Schreckensherrschaft zu beginnen, während der er Tag für Tag manischer wird.

Seit zwei Jahren ist mittlerweile klar, dass Joel Coen dieses Projekt auf die Leinwand bringen will. Noch ist es ein Geheimnis, ob er, wie Justin Kurzels „Macbeth” aus dem Jahr 2015 mit Michael Fassbender und Marion Cotillard in den Hauptrollen, relativ nah an der shakespearianischen Vorlage bleiben, oder sich doch etwas weiter aus dem Fenster lehnen wird. Fest steht jedoch, dass „The Tragedy of Macbeth” in schwarz-weiß gedreht und kein total in Realismus verankertes Stück Film werden wird. Details plauderte der für die Filmmusik verantwortliche Carter Burwell („Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”, „Seven Psychopaths”) im Gespräch mit „Indiewire” aus. „Der Film wird komplett im Studio gedreht, um ihn komplett von der Realität losgelöst aussehen zu lassen,” so Burwell. „Es ist eher eine psychologische Realität. Das heißt, es wirkt auch nicht bühnenmäßig. Joel hat es mit dem deutschen expressionistischen Film verglichen.

Denzel Washington besteigt als Macbeth den Thron

Macbeth wird von Denzel Washington verkörpert. Damit wird die ikonische Rolle im Film zum ersten Mal von einem nicht-weißen Schauspieler mit Leben gefüllt. Die schauspielerische Naturgewalt Frances McDormand schlüpft in die Rolle der Lady Macbeth, Brendan Gleeson („Brügge sehen… und sterben?”, „Assassin’s Creed”) nimmt als König Duncan auf dem Thron platz.

Die Dreharbeiten begannen im Februar vergangenen Jahres. Und damit ist auch klar, dass die Geschichte bis zum finalen „Cut!” nicht ganz wie geplant verlaufen ist. Denn nur knapp zwei Monate nach Start war coronabedingte Drehpause angesagt. Doch da war offenbar schon ein Großteil der Szenen abgedreht. Denn die letzten Aufnahmen wurden in der letzten Juliwoche abgearbeitet.

Seitdem heißt es: warten. Ein offizielles Releasedatum gibt es nicht. Vielleicht drängt Joel Coen trotz seiner wohl positiven Erfahrungen mit Netflix auch auf einen Run in den Kinos. Aber das ist im Augenblick gar nicht mal so einfach.

Zur Feier des Tages kann „Fargo” die Wartezeit zwar nicht verkürzen, aber immerhin versüßen. Der Film ist derzeit zum Leihen und Kaufen bei gängigen VoD-Anbietern zu haben.

Die Coen-Brüder am Set von „Hail, Caesar!“; Universal Pictures
Fox Searchlight Pictures/Paramount Pictures/Audience

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