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5 Acts, die beweisen: Pop-Punk ist zurück!

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Pop-Punk war schon immer das Grauen und der heiße Scheiß zugleich. Seien es Offspring, Weezer und Green Day in den 90ern oder Blink-182, Avril Lavigne, Good Charlotte, Paramore und Sum 41 in den Nullerjahren – immer wurden sie von jungen Menschen geliebt und gleichzeitig von vermeintlichen Rock-, Grunge- und Punk-Puristen mit großer Leidenschaft gehasst.

Seitdem die junge Künstlerin WILLOW, Tochter von Will und Jada Pinkett Smith, kürzlich ein (ast-) reines Pop- Punk-Album rausbrachte und Machine Gun Kelly mit „Tickets To My Downfall“ 2020 die US-Charts stürmte, muss man sagen: Pop-Punk ist zurück und riecht nicht mal muffig. Eher im Gegenteil: Bei TikTok entdecken junge Kids die alten Helden wie Blink-182 und Co. und  finden zugleich sehr junge Musikerinnen und Musiker, die diesen Stil mit der nötigen Diversität und Frische aufpäppeln. Hier kommen fünf Acts, die uns wieder Bock auf das Genre machen …

WILLOW – „G R O W“

Sie ist gerade mal 20 Jahre alt, aber hat in ihrem musikalischen Oeuvre schon einige Stile durch. Als Kinderstar gestartet, spielte Willow Smith später Indie, modernen R’n’B und jetzt eben: Pop-Punk. Ihr neues Album „lately I feel EVERYTHING“ ist zwar nur etwas über 25 Minuten lang, macht aber einen Heidenspaß. Dafür holte sie sich (wie übrigens auch Machine Gun Kelly) einen alten Pop-Punk-Helden an Bord: Travis Barker, Drummer von Blink-182 und gerade so etwas wie das coole Maskottchen des Nuller-Jahre-Hypes. WILLOW weiß also sehr genau, in welche Tradition sie sich da stellt und sorgt mit dem Song „G R O W“ dann für die Traumkombination: WILLOW mit Barker …. uuuuuuund: Avril Lavigne! Muss man hören, um es zu glauben:

Sløtface – „Magazine“

Schon ein paar Jahre alt, aber für uns einer der Acts, die uns wieder mit dem Gerne versöhnt haben. Deshalb darf die norwegische Band um Sängerin Haley Shea hier nicht fehlen. Immerhin haben Sløtface mit tollen Gigs auf dem Eurosonic und dem Reeperbahn Festival Vorarbeit geleistet, und bewiesen, dass man dem testosterongeschwängerten, bisweilen toxischen Pop-Punk der Vergangenheit problemlos junge Wut und feministische Texte beimischen kann.

Pinkshift – „i’m gonna tell my therapist on you“

Diese Band aus Baltimore um Sängerin Ashrita Kumar (hier gibt’s ein tolles Video-Interview mit ihr) ist ein weiterer Schlag gegen die spießigen, weißen Wurzeln des Punk-Pops. Ashrita wurde von vielen der oben genannten Bands aus den 90ern und den Nuller-Jahren geprägt und bringt mit ihren Bandkollegen von Pinkshift Teenage Angst, Bock, Mental Health Issues und Wut in perfekter Balance zusammen.

Meet Me @ The Altar – „Garden“

Das @-Zeichen im Titel kommt nicht von ungefähr: Edith Johnson, Téa Campbell und Ada Juarez lernten sich im Internet kennen und machten ab 2015 zunächst fast nur dort Musik. Mittlerweile ist die amerikanische Band, die oft mit Paramore verglichen wurde, auf gutem Kurs und im Kreis ihrer Vorbilder: Sie wurden von Fueled By Ramen gesignt – jenem Label, das schon viele Alben von Paramore, Fun. und Fall Out Boy veröffentlichte. Und das übrigens von einem Mitglied der Band Less Than Jake gegründet wurde, die so was wie Pop-Punk plus Ska machten. Auch Meet Me @ The Altar sind ein sehr mitreißender und lebhafter Beweis, dass dieses Genre diverser und spannender geworden ist.

Machine Gun Kelly feat. Halsey – „forget me too“

Er darf natürlich nicht fehlen, denn sein Album „Tickets To My Downfall“ aus dem letzten Jahr, das er ebenfalls mit Travis Barker einspielte, ist wohl die bisher kommerziell erfolgreichste Pop-Punk-Platte dieser neuen Welle (wenn man zu dem Wort denn schon greifen möchte). Wie erstaunlich diese neue Ausrichtung war, merkt man erst, wenn man noch mal den Vorgänger „Hotel Diablo“ von 2019 hört, wo Machine Gun Kelly noch lupenreinen Rap machte. Bei diesem Song hat er sich außerdem noch eine weitere Künstlerin an Bord geholt, die immer schon in jedem Musikstil überzeugte, den sie gerade im Sinn hatte: Halsey. Das Video dazu sieht übrigens aus, als wären die beiden mal eben in die Nuller gereist, um am Set eines Paramore- und eines Sum 41-Videos diese Szenen aufzunehmen.

Bonus-Track, der zeigt, wie man es nicht machen sollte: HE/RO (ehemals: Die Lochis)

Und zum Schluss noch ein eher abschreckendes Beispiel, das wir euch nicht vorenthalten möchten. Die ehemals fürchterlich erfolgreichen YouTuber Die Lochis mögen ja ganz sweete Kerle sein, aber ihr neues Projekt HE/RO ist wirklich der Tod der Rockmusik, der Sargnagel des Pop-Punks, die Anti-These für alles, was mit einer verzerrten Gitarre erreicht werden konnte. Das fängt beim Bandnamen an und hört beim letzten Akkord dieses Liedes auf:


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