JNNRHNDRXX im Porträt: Weltherrschaft aus Spandau
Die Berliner Rapperin will die internationale Karriere, oder ach, am besten gleich Machtübernahme! Zeitgeistthemen hat sie im Programm: Queerness, Blackness und den Kampf gegen das System.
Mann, Frau, Date. Café, Händchenstreicheln, Lächeln. Irgendwann sagt er: „Das muss aber unter uns bleiben. Ich bin ja nicht schwul oder so.“ Sie steht auf und geht. Dann Rolltext: „Wenn du denkst, dass ein Mann, der eine trans* Frau datet, schwul ist, da ihr bei der Geburt das männliche Geschlecht zugeteilt wurde, dann bist du aber auch pädophil, denn deine Partnerin war ja mal ein Kind …“ Die Beats von „INTRO/FVCK OFF“ der Künstlerin JNNRHNDRXX setzen ein.
In ihren Lyrics tut sie das, was sie in ihren Lyrics oft tut: auf Meinungen von Hater:innen scheißen. Und damit hat sie gut zu tun, denn die trans Rapperin beschäftigt sich in ihren Songs mit umkämpften Themen wie Geschlechtsidentität, Rassismus, Patriarchat und mentale Gesundheit.
Von der Dusch-Welttournee zur Machtübernahme
Aber es passt zu JNNRHNDRXX (sprich: Jenner Hendrixx), dass sie sich viel vorgenommen hat. „Ich hab doch nicht umsonst schon meine drei Welttourneen unter der Dusche gemacht, hello?!“, sagt sie im Zoom-Interview und lacht. In einem Pressetext ist von ihrer „längst überfälligen Machtübernahme“ die Rede, und: „JNNRHNDRXX wartet nicht, bis ihr die Thronfolge angeboten wird – sie trägt bereits die Krone.“
Die Newcomerin wird darin außerdem als Schauspielerin, Autorin und Model vorgestellt. Allerdings muss man sich noch gedulden, sie als Schauspielerin zu sehen, und über frühere Projekte möchte sie bis auf eine Komparsenrolle im Interview nicht sprechen.
Von Staaken zum Brandenburger Tor
Die Songwriterin hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht mit Singles wie „Lick it (All Night Long)“, „Canceln“ und „Mad Bitch“, mitsamt DIY-Musikvideos. 2022 erschien die EP „Staaken Trauma“, der Titel ist ein Abgesang auf den Ortsteil von Berlin-Spandau, in dem sie als Teenager aufwuchs. Sie erspielte sich Bühnen unter anderem auf dem CSD, dem Fusion Festival und am Brandenburger Tor.
2023 folgte das Debütalbum mit dem Titel 2019, im Jahr 2024 dann JNNTOPIA (mit einer Art KI-Barbiehaus als Cover). Und was sonst? Drei weitere Alben hat Jenner schon geplant – zumindest in ihrem Kopf, denn der ist unermüdlich.
Sichtbarkeit ohne Sprachrohr-Funktion
Auf Instagram postete die Künstlerin jüngst eine Art Tagebucheintrag über ihr Ringen mit ADHS. Da bei ihr auch Autismus diagnostiziert wurde, ist in ihr ein tagtägliches Tauziehen zwischen widersprüchlichen Kräften. Es ist ihr wichtig, mit ihrer Musik Sichtbarkeit für all diese Themen zu schaffen. „Die Leute sollen sich nicht erklären oder entschuldigen für das, was sie sind“, betont sie. Gleichzeitig möchte sie aber nicht als Sprachrohr herhalten: „Ich stehe für keine Community, nicht für die queere oder die Schwarze Community. Ich bin Jenner und ich spreche nur für mich selbst. Bin ich die Bundeskanzlerin for all Black people oder was?!“
Das neue Album EXOUSIA
Wobei Bundeskanzlerin schon wieder zum Machtanspruch passen würde. Zumindest in ihrer aktuellen Single „Dernière Danse“ fordert sie zu Reggaeton-Geschepper und Auto-Tune-Ahs das System zu einem letzten Tanz auf, bevor es hoffentlich gestürzt wird – oder sie einfach ihr eigenes aufbaut. „Europe has a problem“, konstatiert JNNRHNDRXX, „und ich bin die Antwort“, fügt sie hinzu. Der Song ist ein Vorbote ihres kommenden Albums EXOUSIA, das im Frühjahr 2026 erscheinen soll.
Was es mit der BVG-App auf sich hat
Neben Weltpolitik und Weltherrschaftsambitionen kommt es fast zu kurz, dass Jenner übrigens auch Zug-Nerd ist und alle Fahrpläne des Nahverkehrs auswendig weiß. „Meine friends nennen mich die BVG-App“, sagt sie und lacht. Kommt eines Tages mal ein BVG-Song? „Das wird dann aber ein Diss-Track!“ Konsequent.







