Interview

Beatsteaks‘ Arnim Teutoburg-Weiß über die Beastie Boys: „Sie sind meine Beatles, meine Bibel“

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Wie kam es eigentlich überhaupt dazu, dass ihr die Beastie Boys supporten durftet?

Wir hatten den selben Promoter und die Beasties wollten ihre Vorbands immer abnicken. Also wurde ihnen „Hand In Hand“ und „I Don’t Care As Long As You Sing“ vorgespielt und sie haben uns abgenickt. Schon irgendwie cool.

Die Beatsteaks covern des Öfteren „Sabotage“. In Fankreisen heißt es, wenn ihr den Song am Ende eines Konzerts spielt, habt ihr die Show selbst sehr genossen.

(grinst) Ja, das stimmt. Den Song spielen wir immer nur dann, wenn wir nach unseren zwei Zugaben, die wir üblicherweise spielen, von der Bühne kommen und Thomas sagt: „Ich kann noch“.

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Du hast vorhin in der „Pass The Mic“-Session erzählt, dass die Idee zum Cover aus einem Proberaum-Jam entstand…

Wir wollten eigentlich nur mal checken, ob wir den überhaupt spielen können. Thomas merkte dann recht schnell an, dass der Song nur auf einem Akkord basiert. Eine Rockband geht normalerweise ja lieber über mehrere Akkorde in einem Stück, aber als wir „Sabotage“ das erste Mal spielten, dachten wir uns direkt alle, okay, yeah, das funktioniert, das macht Bock. Es entstanden im Anschluss auch einige Beatsteaks-Songs auf Grundlage dieses „Sabotage“-Jams.

Es gibt immer wieder Kritiker, die behaupten, Beastie Boys sei HipHop für Menschen, die sich nicht für HipHop interessieren. Was hältst du von diesem Vorwurf?

Die Beastie Boys haben ihr Ding natürlich ein Stück weit außerhalb des restlichen HipHop-Universums gemacht – aber alle Großen machen ihr Ding doch abseits der bekannten Schubladen.

In welchen Acts findest du denn heute, im Jahr 2018, noch den Geist der Beastie Boys?

Uh, interessante Frage… Little Simz hat erst neulich einen neuen Song mit so einer mega Bassline veröffentlicht, wo ich nur dachte, „Boah!“ („Offence“, Anm.) (überlegt lange) Oah, das ist echt eine gute Frage. Ich hatte das das letzte Mal eigentlich so richtig bei Kanye Wests „Black Skinhead“ – diese riesigen, von Rick Rubin produzierten Drums. Das war echt derbe. Manchmal sehe ich das auch bei Gitarrenband, etwa bei den Idles, die ich kürzlich live im SO36 gesehen habe. Das ist endlich mal wieder eine Band mit einer Ansage, mit einer Haltung.

Da du Little Simz gerade angesprochen hast: Der Vorwurf, du als Beastie-Boys-Fan interessierst dich nicht für zeitgenössischen HipHop, funktioniert also nicht?

Eigentlich mache ich nichts anderes als Musik hören und mit meiner Familie rumzuhängen – und manchmal Fußball zu gucken.

Welches Album kam denn für dich 2018 nah an dein Nonplusultra Beastie Boys heran?

Jetzt muss ich aber mal eben mein Handy zücken… Was ich momentan richtig mag, ist das neue Album von Jeff Tweedy, WARM. Moment, jetzt muss ich eben meine Liste hier durchschauen… Das ist jetzt echt total interessant, weil ich ab Januar bei radioeins einmal im Monat meine eigene Sendung haben werde und da spiele ich meine aktuelle Lieblingsmusik, das muss ich hier doch irgendwo notiert haben… Also: Jungle fand ich echt gut, MK.Gee fand ich super, das Album heißt PRONOUNCED McGEE, Idles‘ JOY AS AN ACT OF RESISTANCE war sehr gut, Mitski war super. Und was mich Beastie-Boys-mäßig abgeholt hat, war Earl Sweatshirt. Das neue Album von dem, SOME RAP SONGS, habe ich mir letztens angehört, weil mir ein Kumpel das als weirden HipHop empfohlen hatte. Da dachte ich nur „Wow, fett.“ Ich muss aber sagen, ich bin echt jemand, der sehr viel nachholt und rückwärts hört. Vielleicht 20 Prozent von dem, was ich so höre, ist nur aktueller Kram. Ich bin eher so der Typ, der sich denkt, jetzt muss ich endlich mal Can hören, weil jeder darüber spricht.

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Gibt es denn irgendeinen Newcomer, den du uns für 2019 schon einmal ans Herz legen möchtest?

Also, diese AnnenMayKantereit, die schaffen dieses Jahr den Durchbruch, hahaha. Ach, man, da erwischst du mich jetzt. Ich bin kein Early Adopter. Wo ich immer direkt hinhöre ist, wenn Damon Albarn etwas macht.

Wie fandest du denn die neue Platte von The Good, The Bad & The Queen?

Kann ich nicht beurteilen, weil ich die einzelnen Mitglieder der Band schon so unfassbar gut finde. Das wäre nicht fair. Aber um auf deine eigentliche Frage zurückzukommen: Kendrick Lamar, DAMN. Das war die letzte HipHop-Platte, die mich komplett abgeschossen hat. Ich hab ihn auch live auf Tour gesehen. Unfassbar. Der Typ wird für seine Generation das sein, was die Beastie Boys für mich waren.



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