Album der Woche

Jeff Tweedy Warm


dBpm/ADA/Warner 

Geht es nach dem US-Schriftsteller George Saunders, der 2017 für seinen lesenswerten historischen Debütroman „Lincoln In The Bardo“ mit dem Man-Booker-Prize ausgezeichnet wurde, so ist Jeff Tweedy nichts anderes als „Amerikas großer, verquerer Poet des Trosts“. Wuchtige Worte, fürwahr. Und doch hängt Saunders’ vor Verehrung nur so glühender Begleittext zu Tweedys neuer Soloplatte die Latte nicht wirklich zu hoch.

WARM, das ist im Kontext einer Zeit, in der sich nicht nur die USA in einem ausweglos scheinenden Zustand der gesellschaftlichen Spaltung befinden, tatsächlich so etwas wie ein trostspendendes und seelenwärmendes Lagerfeuer. Wo andere den Solo-Pfad eher für stilistische Ausreißer nutzen, verdichtet Tweedy hier lieber jenen smoothen Grundton, den er zuletzt vor zwei Jahren mit seiner Band Wilco auf SCHMILCO anschlug.

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So hört man mit Songs wie dem empathisch-melancholischen Verlorenheitsstück „I Know What It’s Like“ maximal süffigen Country-Folk zwischen vielsaitig angeschlagenen akustischen Gitarren und singender Steel-Guitar, hört gänzlich entschleunigte Americana-Meditationen („How Hard Is It For A Desert To Die“), schunkelige Apokalypse-Beschwörungen aus der Woody-Guthrie-Protestsong-Schule („Let’s Go Rain“) und mit dem verspult ins Fuzz-Gewitter geschickten „The Red Brick“ sogar eine Art psychedelische Countrykraut-Miniatur.

Textlich bleibt Tweedy freilich abstrakt, umkreist ganz unsentimental vermehrt den Tod, macht nach dem Verlust des Vaters seinen Frieden mit ihm. Durch die Blume aber wird er trotzdem ab und an konkret. Denn klar: Wer möchte bei den im süßesten Falsett geflöteten Worten „I’d love to take you down and leave you there“ im Refrain des beschwingt dahinfedernden Folkpop-Kleinods „Some Birds“ nicht an den weiterhin am schrillsten und lautesten zwitschernden Vogel im Weißen Haus denken?  

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