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„Deadpool 2“-Kritik: Ein Film mit einem Bierhelm auf dem Kopf

Als „Deadpool“ 2016 in die Kinos kam und Hauptdarsteller Ryan Reynolds aus der absoluten Versenkung gezogen hat, wurde der Film nicht nur dank solider Action und dem generellen Rückenwind für Superheldenfilme zum Erfolg. Er wurde gerade deswegen zum Erfolg, weil die Figur Deadpool immer wieder die vierte Wand durchbricht (also zum Zuschauer spricht) und alle gängigen Mechanismen der Filme von Marvel („Avengers“), DC und Warner („Justice League“) sowie Fox („X-Men“) durch den Kakao zieht.

Nun kommt „Deadpool 2“ in die Kinos und folgt selbst all diesen Mechanismen, frei nach dem abgedroschenen „Höher, schneller, weiter“-Prinzip. Nur heißt es hier eben eine höhere Anzahl an Comic-Anspielungen, mehr Action, noch mehr Blut. Als der Film in Deutschland der Presse gezeigt wurde, bekamen die anwesenden Kritiker sogar einen peinlichen Brief von „Deadpool höchstpersönlich“, in dem sich der Superheld ernsthaft dafür rechtfertigte, dass überhaupt eine Fortsetzung gedreht wird. Teil 1 hat unglaublich viel Geld eingespielt, alle Argumente im Namen der Fanliebe sind Augenwischerei. Die Rechtfertigung für die Fortsetzung war wahrscheinlich der einzige Ausrutscher in einer ansonsten überragenden Marketing-Kampagne.

Das kontrovers diskutierte Lausbubenstück „Deadpool“ aus 2016 ist ab sofort also kein Unikat mehr, aber wen kümmert das schon? Ryan Reynolds schlüpft wieder in sein Lederkostüm, drückt seinen Sack wieder ins Gesicht des Schurken (Josh Brolin), schneidet Gliedmaßen ab und rechtfertigt die dünne Erzählung seines eigenen Films eben damit, dass „die anderen das ja auch so machen“. „Deadpool 2“ ist ein Superheldenfilm mit einem Bierhelm auf dem Kopf. Einer, der bei Mario Barth herzlich lachen könnte und der es witzig findet, beim Grillabend einfach mal laut zu furzen um die Stimmung aufzulockern. Irgendwie bedrückend, wie viele Leute dafür ins Kino gehen.

Die eigene Handlung zu Tode gelacht

Josh Brolin in „Deadpool 2“

Durch die Dauerbeschallung mit Anspielungen auf andere Filme wird das mit dem Genre vertraute Publikum dann auch so viel lachen, dass es die eigentlichen Schwächen des Films brav übersieht. Zum Beispiel die Tatsache, dass eine aus Teil 1 vertraute Figur direkt zum Anfang stirbt, der emotionale Reiz aus der Szene allerdings schon wenige Minuten später wieder verpufft. Oder dass die Handlung, in der Deadpool einen kleinen, unglaublich schlecht gespielten Jungen von schlimmen Taten abhalten muss, genauso ausgelutscht ist wie einige Witze aus dem ersten Teil, die hier einfach noch einmal variiert werden. So hatte Deadpool im ersten Film zeitweise Mini-Hände, jetzt hat er eben Mini-Füße. Wird am Ende bestimmt von irgendjemandem wieder als Meta-Humor verklärt.

Zwar bemüht sich die Fortsetzung, mehr Handlung im Film zu etablieren als beim Vorgänger. Wenn allerdings jede Szene mit einem Witz enden muss, dann verpuffen theoretisch gute Elemente. So der Verlust einer Figur zum Beispiel, oder die minutenlange Zusammenstellung der „X-Force“, der Eingreiftruppe des Helden. In der Folge hat man im Finale des Films so ziemlich alles vergessen, was im ersten Akt passiert ist. Die Feuerrate ist zu hoch, was nur den Actionszenen, die wirklich gelungen sind, zugute kommt.

Im Finale des Films bringt „Deadpool 2“ übrigens Pädophile mit pädophilen Straftätern durcheinander, um ein paar Lacher mehr zu generieren oder aus schlichter Ignoranz. Die Szene stößt bei längerem Nachdenken – was bei dem allerdings offensichtlich nicht gewünscht ist – etwas sauer auf. Am besten einfach mal drauf achten.

Seine besten Momente hat „Deadpool 2“ wieder, wenn Stars für Gastauftritte vorbeischauen, das Blockbuster-Konzept Hollywoods seziert wird und Innenstädte in Schutt und Asche gelegt werden. Auch Josh Brolin kann als dringend benötige Humorlosigkeit in Person gefallen. Der Rest ist eigentlich austauschbar und uninspiriert, aber wem wird das schon auffallen, wenn pro Minute fünf Witze gerissen werden, von denen mindestens einer tatsächlich immer gut ist.

„Deadpool 2“ startet am 17. Mai 2018 in den deutschen Kinos. 

Fox

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