Die Bosse des K-Pop (2): Park Jin-young und JYP Entertainment

Das K-Pop-Geschäft ist mindestens so faszinierend wie die Musik, die es hervorbringt. Im Grunde sind es vier große Produktionsfirmen, die Koreas Popmaschinerie dominieren. Alle vier werden von Männern geführt, die seit Jahren im K-Pop-Game aktiv sind: als Idols, Produzenten, Songwriter, Manager und Geschäftsleute. Diese wollen wir euch in der Artikelreihe „Die Bosse des K-Pop“ nach und nach vorstellen (hier geht’s zur ersten Folge).

In diesem Artikel soll es um JYP Entertainment gehen. Der Firmenname wird von J. Y. Park abgeleitet – was der Bühnenname des Sängers, Songwriters, Produzenten, Labelbosses, Entertainers, TV-Juroren und Managers Park Jin-young ist. Er ist einer der schillerndsten Figuren in der Riege der extrem geschäftstüchtigen K-Pop-Bosse. Park sitzt oft in diversen TV-Talentformaten und haut in schöner Regelmäßigkeit Singles und Videos raus, in denen er sich selbst nicht so ernst nimmt. So amüsiert man sich immer wieder gerne über ihn – und muss doch zugeben, dass er mit seinen fast 50 Jahren immer noch sehr gut in Form ist. Ein schönes Beispiel zum Einstieg ist dieses Duett mit dem von ihm geförderten Künstler Rain, bei dem beide um eine junge Frau buhlen. Die ihnen (Spoiler) in letzter Minute von Superstar Psy ausgespannt wird.

Vom Solostar zum Geschäftsmann

Park wurde 1971 geboren, verbrachte drei Jahre seiner Kindheit in New York, studierte in Seoul Geologie und begann zu dieser Zeit seine Karriere als K-Pop-Idol. Sein Solo-Debüt war der Track „Don’t Leave Me“ aus dem Jahr 1994. Nur wenige Jahre nach seinem Debütalbum BLUE gründete Park sein Firma JYP Entertainment, die zuerst noch recht sperrig Tae-Hong Planning Corp hieß, bevor er sich 2001 für den Namen JYP entschied. Park war schon damals weit mehr als bloß K-Pop-Sänger: Er produzierte, managte und schrieb Songs für andere internationale Künstler.

Plötzlich Produzent von Will Smith

2004 arbeitete Park eine Weile in Amerika und produzierte zum Beispiel den Track „I Wish I Made It“ auf dem vierten Album von Will Smiths „Lost and Found“. Trotzdem blieb Südkorea Parks erste Baustelle – und in den frühen Nullerjahren hatte er gleich mehrere künstlerische und kommerzielle Volltreffer. Rain zum Beispiel, den ihr im Video weiter oben gesehen habt, wurde 2000 als Trainee gesignt und in den folgenden Jahren zu einem der erfolgreichsten K-Pop-Solostars. Mit der Girlgroup Wonder Girls und dem Song „Nobody“ wurde Park schließlich einer der ersten koreanischen Songwriter, die es in die Top 100 der US-Billboard-Charts brachten. Das Video dazu ist ein klassischer Park-Stunt. Er gibt den großen Zampano einer Show, bei der die Wonder Girls im Background singen, schließt sich dann aus Versehen aufs Klo ein – und so treten die Wonder Girls ins Rampenlicht. Park lässt ihnen also den Vortritt, drängelt sich aber recht zeitintensiv ins Video.

Die JYP-Acts: Twice, Stray Kids, Itzy

JYP brachte in den vergangenen Jahren viele sehr erfolgreiche K-Pop-Acts auf den Weg, von denen einige weit über Korea hinaus wirken. Die Girlgroup Twice zum Beispiel, die mit ihrem recht zuckersüßen Pop Dauergäste in den höheren K-Pop-Chartssphären sind. Etwas mehr Biss haben Itzy, die musikalisch eher Blackpink nahestehen. Dieser Tage steht bei JYP gerade das neue Album der Stray Kids NOEASY im Fokus. Die Band zählt neben BTS zu den spannendsten Boygroups im K-Pop – vor allem, weil sie auf Härte und Energie setzen und fantastische Rapper und Tänzer an Bord haben. Was man der aktuellen Single anmerkt:

„Ich möchte, dass die Menschen, die bei uns bleiben, in erster Linie unsere Werte teilen.“

In einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin „Forbes“ aus dem letzten Jahr pflegt Park ebenfalls das Bild des netten Chefs. Dort sagt er: „Ich wollte schon immer eine erfolgreiche Firma aufbauen – aber es sollte im Rahmen bleiben. Nichts ist wichtiger als meine Freunde.“ Dazu zählt er ausdrücklich seine ersten Acts Wonder Girls und Rain, von denen einige später die Produktionsfirma wechselten. „Ich wollte in erster Linie, dass sie glücklich sind und dass ich ihnen noch etwas beibringen kann, bevor sie irgendwann weiterziehen.“

Dass JYP seine Künstlerinnen und Künstler oft erstaunlich geräuschfrei gehen lässt, ist übrigens ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal in einer Branche, die dafür bekannt ist, auf lange und harte Verträge zu setzen. Im „Forbes“-Interview sagt Park dazu: „Wir sind dafür bekannt, dass wir unsere Acts ziehen lassen, wenn sie es wollen.“ Er wolle lieber den Fokus darauf legen, dass sich seine Artists auch wirklich wohl fühlen. „Für mich ist die Frage wichtig: Was ist eine Firma? Eine Firma ist eine Gruppe von Menschen, die aufgrund bestimmter Interessen miteinander verbunden sind. Wenn dieses Interesse rein finanzieller Natur ist, geht das völlig klar, aber dann heißt das eben auch, dass man die Firma wechseln wird, wenn jemand mehr Geld bietet. Das möchte ich nicht. Ich möchte, dass die Menschen, die bei uns bleiben, in erster Linie unsere Werte teilen.“ Deshalb bringe es nichts, sie gegen ihren Willen in den Verträgen zu halten. Aber: „Wir haben das langfristigste Ausbildungssystem unter den Produktionsfirmen. Wer bei uns arbeitet, versteht unsere Werte und das, wofür wir stehen. Wenn ein Angestellter oder ein Idol eine Grenze überschreitet, verletzt das diese Werte und er oder sie muss gehen.“

Da kommt dann mal der Businessmann durch, der Park auch sein kann. Aber das Showgeschäft ist ihm mindestens genauso wichtig. So kann es durchaus immer mal wieder passieren, dass Park mit einer seiner Bands in einer Variety-Show sitzt. Zum Beispiel mit einigen Damen von Twice:

Manchmal veröffentlicht Park auch halb inszenierte Gespräche mit seinen Artists auf dem offiziellen YouTube-Channel. Zum Beispiel mit der Produzenten-Unit der Stray Kids, 3RACHA, die aus Bang Chan, Changbin und Han besteht.

Bei aller Nettigkeit: die Hierarchie bleibt spürbar

Bei all diesen Auftritten, so charmant sie auch sein mögen, wird jedoch stets die Hierarchie deutlich, die K-Pop und die südkoreanische Arbeitskultur auszeichnet. Obwohl all diese Idols auf der Bühne extrem selbstbewusst auftreten und Park den „netten Chef“ gibt, spürt man in jeder Minute, wer hier das Sagen hat. Und JYP kann auch hart durchgreifen, wenn es sein muss. Zum Beispiel als es um die Mobbing-Vorwürfe eines Stray Kids-Mitglieds ging, das dann eine Weile wie ein ungezogener Schuljunge aus dem Spiel genommen wurde. Trotzdem ließ Park es seiner Band durchgehen, dass sie ihn im Live-TV dezent verarschten. Als die Stray Kids zur Zeit der Kontroverse bei der TV-Show „Kingdom“ antraten, hielten sie bei einem spektakulären Auftritt mit „Deadpool“-Thema in Minute 3.50 ein Schild in die Kamera, auf dem stand: „Park Jin-young ist doof“.

Mit „Brother Louie“ in die Charts

Parks Privatleben ist in Südkorea Teil der Tabloid-Berichterstattung. Vor allem, als er sich 2009 nach zehn Jahren Ehe von seiner Frau scheiden ließ und sich für eine Weile in das Party- und Dating-Leben warf. Im „Forbes“-Interview sagt Park, das habe er gemacht, um die „Leere in seinem Herzen“ zu füllen. Aber: „Ich habe nie etwas Illegales gemacht.“ Was man ihm nun erstmal glauben muss. Bis 2013 währte diese wilde Phase seines Lebens – dann heiratete Park eine neun Jahre jüngere Frau, mit der er inzwischen eine Tochter hat. Die Identität seiner Partnerin konnte er bis heute aus der Öffentlichkeit heraushalten. In seiner wilden Partyphase suchte sich Park übrigens auch ein neues spirituelles Zuhause. Wie er in seiner Biografie „Live for What?“ schreibt, studierte er die großen Weltreligionen und fand neuen Halt im christlichen Glauben. Er konvertierte und widmet sich nun angeblich mindestens einmal die Woche dem Studium der Bibel.

„JYP is like that one really talented but embarrassing uncle everyone has“

Momentan läuft es auf allen Baustellen gut für Park Jin-young aka J. Y. Park. Erst im letzten Jahr veröffentlichte er seine bis dato erfolgreichste Single. Ausgerechnet ein Song, der auf „Brother Louie“ von Dieter Bohlens Modern Talking basiert – weil das Parks liebster Popsong aller Zeiten sei. Nun ja. Das Duett mit der Sängerin Sunmi wurde trotzdem ein Hit – was sicher auch an dem cheesy Quatschvideo liegt. Der am meisten gelikte YouTube-Kommentar unter dem Clip hat dann auch gleich die beste Erklärung für Parks außergewöhnliches Standing: „JYP is like that one really talented but embarrassing uncle everyone has“. Das trifft die Sache.

Und wo wir hier gerade schon beim peinlichen Onkel sind. Bei diesem Video rollen sich auch bei uns die Fußnägel hoch. Nun kann man zwar sagen, 2015 ist eine Weile her ist, aber na ja …

Aktuell kann man Park Jin-young übrigens wieder regelmäßig im koreanischen Fernsehen erleben. Bei der Show „#LOUD“ wurden Trainees von JYP gegen die Konkurrenz von P Nation gecastet – dem Label von Psy, das in der K-Pop-Branche einen sehr eigenen Weg geht. Darin sieht man den Kamera-geschulten, smarten Park Jin-young, der auch zu Konkurrenten ein sportliches und freundliches Verhältnis pflegt.

Wenn ihr mehr über die Bosse im K-Pop-Game erfahren wollt. Hier gibt es die weiteren Folgen:


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