Drake zurück: Drei Alben auf einen Schlag
43 Songs, 2,5 Stunden, drei Alben auf einmal: Drake meldet sich nach dem verlorenen Beef mit Kendrick Lamar eindrucksvoll zurück. Alle Infos zum Triple-Drop.
Drei Festplatten. Auf dem Bildschirm: „I made this so that I could make this.“ Drake hat heute nicht ein Album gedroppt, nicht zwei. Er hat gleich drei rausgehauen. „Iceman“, „Habibti“, „Maid Of Honour“ – 43 Songs mit einer Gesamtspielzeit von über 2,5 Stunden. Wer das für überwältigende Großzügigkeit hält, hat die letzten zwei Jahre nicht aufgepasst.
Es ist ein Comeback aus einer Position, die man mit Fug und Recht als beschädigt bezeichnen darf. Der Beef mit Kendrick Lamar 2024 endete nicht mit einem Unentschieden. Lamars Diss-Track „Not Like Us“ gewann mehrere Grammys, Kendrick performte den Track beim Super Bowl Halftime Show. Und Drake stand daneben wie jemand, der in eine Diskussion geraten ist, die er nicht bestellt hat. Musikjournalist Peter A. Berry brachte es gegenüber dem kanadischen Nachrichtensender „CP24“ auf den Punkt: Der Verlust, den Drake gegen Kendrick eingefahren hat, sei wohl der größte, den ein Rapper je in einem öffentlichen Konflikt erlitten hat. Das sitzt.
Die etwas andere Promo
Dass „Iceman“ in diesem Schatten erscheint, ist kein Zufall, sondern der einzig mögliche Kontext. Drake weiß das. Die Promo wusste das. Eine rund 7,5 Meter hohe Eisskulptur mitten in Toronto sollte das Album ankündigen. Das Erscheinungsdatum wurde von Twitch-Streamer Kishka frühzeitig gehackt. Das passt, denn die Welt der Content-Creator ist für Drake kein Marketingkanal mehr – er ist Teil davon: Investor bei „Stake“, das die beliebte Streaming-Plattform „Kick“ besitzt, Stammgast bei „XQC“ und Adin Ross.
Auf dem Album selbst läuft die Aufarbeitung auf mehreren Spuren gleichzeitig. „Ran To Atlanta“ dreht Kendricks Diss-Zeile direkt in den Titel um: „You run to Atlanta when you need a check balance.“ Lines über Fake-Streams, über verlorene Vertraute, über Leute, die beim Pop Out standen und trotzdem seit „Headlines“ mitgemacht haben. Die Featureliste liest sich jedenfalls wie ein klassisches Drake-Roster: Future, 21 Savage, Central Cee, Popcaan, Sexyy Red, PARTYNEXTDOOR, Molly Santana. Dazu Noah „40“ Shebib zurück hinter den Reglern. Wer den Sound der frühen OVO-Jahre vermisst hat, darf sich über eine ganze Armada an neuen Songs freuen. Und bei der schieren Auswahl an Songs dürfte für jeden etwas zu finden sein – von klassischen Hi-Hat-Setzungen bis hin zu verzerrten Gitarren wie auf „Princess“.
Quantität als Argument
Dabei darf man sich gleichzeitig fragen, ob 43 Songs auf einmal, in einer Musiklandschaft, die zunehmend von KI-generiertem Material geflutet wird, noch ein Argument für Kunst sind. Die Frage, die Drake mit diesem Drop aufwirft, ohne sie zu beantworten: Inwiefern hilft es der Kunst, wenn selbst ihre menschlichen Vertreter:innen beginnen, in den Kategorien des Content-Outputs zu denken? Drei Alben gleichzeitig sind eine Ansage – aber auch eine Strategie, die strukturell kaum noch zu unterscheiden ist von dem, wogegen sie implizit antritt.
In 2,5 Stunden kann man einen Flug von Berlin nach London nehmen, zwei Folgen einer HBO-Serie schauen oder einmal komplett durch Ikea irren. Oder man kann sich ab jetzt alle drei Drake-Alben anhören.






