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Highlight: „High Fidelity“: Fünf Lektionen, die uns der Film gelehrt hat

Kritik

„High Fidelity“ als Serie: Digitale Playlists, aber immer noch analoge Herzen

Rob Fleming hieß der Protagonist in Hornbys Roman, Rob Gordon die Hauptfigur in Frears’ Film und nun haben wir es mit Rob (eigentlich Robin) Brooks zu tun: eine Endzwanzigerin, die in New York einen Plattenladen betreibt. Wie einst John Cusack blickt sie zu Beginn der ersten von zehn knapp halbstündigen Folgen in die Kamera und schildert uns ihre Top-5-Herzensbrüche, während der aktuellste gerade von statten geht. Gespielt wird Rob von Zoë Kravitz, deren Mutter, Schauspielerin Lisa Bonet, in der Verfilmung einst eine Liebschaft von Cusack darstellte. Schon mal eine interessante Verbindung zum Film, an dessen Handlungsaufbau sich diese Serie stark orientiert.

Die in der Eröffnungsszene vollzogene Trennung von ihrem Verlobten Mac (Kingsley Ben-Adir) stürzt Rob in einen tiefen, ein Jahr lang währenden Liebeskummer, dessen Ende sie in der ersten Folge bei einem One-Night-Stand mit Clyde (Jake Lacy) besiegeln will. Doch eine zufällige Begegnung mit ihrem Ex-Verlobten stürzt Rob wieder in die Grübelei darüber, ob sie so enden wird wie die einsame, kettenrauchende Nachbarin von gegenüber. Trost und Antworten findet sie nur im Erstellen von Playlists, in Gesprächen über Musik und natürlich ihrem Plattenladen.

Musiksnobs im digitalen Zeitalter

Dieser besagte Plattenladen heißt wie in den Vorlagen Championship Vinyl und ist nun im durchgentrifizierten Stadtteil Brooklyn in New York zu finden. Etwas lichtdurchfluteter und steriler scheint er als im Film, aber mit seiner subtilen Abgeranztheit fügt er sich gut ein in die hippe Umgebung, in der ein Kaffee acht Dollar kostet und die Kunden lieber die Musik-App Shazam bedienen, statt Robs Angestellte nach der Platte zu fragen, die gerade läuft. Wie gut, dass diese es in punkto Musikwissen und -snobismus mit ihren Vorgängern aufnehmen können: Da wäre Cherise (Da’Vine Joy Randolph, großartig und bekannt aus dem Netflix-Film „Dolemite Is My Name“), die eine ebenso witzige und zugleich nervtötende Energie wie einst Jack Black als Barry versprüht. Ihr Kollege ist der ruhige, einfühlsame Simon (David H. Holmes), Robs inzwischen geouteter Ex-Freund.



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