Spezial-Abo

Johnny Flynn für Darstellung als David Bowie „homophob beschimpft“

von

In einem ausführlichen Interview mit dem „New Musical Express“ (NME) verrät der Schauspieler Johnny Flynn, dass er für seine Darstellung als David Bowie in dem neuen Film „Stardust“ viele negative Nachrichten erhalten hätte, in der er teilweise sogar homophob beschimpft wurde.

So berichtet er in dem Gespräch von dem Shitstorm, den er bei der Trailer-Veröffentlichung des Films auf Social Media erhalten hatte, als offengelegt wurde, dass Flynn in einem Biopic in die Rolle des legendären Musikers schlüpfen würde. „Ich bin nicht groß in den sozialen Medien, aber ich bekam eine Menge heftiger Hasspost und Zeug von Leuten, die sagten: ‚Du hast ihn gespielt, als wäre er unsicher’“, erzählt der 37-jährige Schauspieler. „Und dann homophobe Beschimpfungen: ‚Du spielst ihn ganz fey. Warum trägt er ein Kleid?’“

Dass seine Darstellung von Bowie selbst im Jahr 2020 noch auf homophobe Bemerkungen und Abneigung stößt, sei „seltsam“, so Flynn. „Es ist, als ob sich die Welt nicht verändert hätte. Die Leute regen sich darüber auf, dass Harry Styles ein Kleid trägt. Also bin ich froh, wenn der Film vielleicht eine Aufklärung für die Leute ist, die eine erfundene Version von David, die sie im Kopf haben, aufbricht.“

Er fährt fort: „Das an sich fühlte sich wie eine Rechtfertigung dafür an, es zu tun: Um ein Licht auf einen David zu werfen, den man nicht gesehen hat. Die Leute denken, dass er 1972/1973 als Ziggy, dieser Außerirdische, ankam, aber es gab so viel, was davor passierte und so viel, was dazu gehörte. David musste Ziggy machen, um sich vor sich selbst zu retten.“

In „Stardust“ folgen die Zuschauer*innen David Bowie auf einer Reise durch die USA im Jahr 1971 – kurz bevor er als Ziggy Stardust zu internationaler Bekanntheit findet.

Die ersten Reaktionen auf den Film waren gemischt – vor allem, da sich Bowies Familie zuvor von dem Projekt distanziert hatte und somit keine der Original-Songs darin verwendet werden durften. Auch auf dieses Debakel geht Johnny Flynn im Gespräch mit dem „NME“ ein: „Ich wusste immer, dass es ein umstrittener Film werden würde. Wir haben ihn absichtlich ohne die Rechte an den Songs und ohne die Zusammenarbeit mit seinem Nachlass gemacht, weil wir journalistische Integrität und schriftstellerische Objektivität wollten.“ Er schlussfolgert: „Ich wusste also, dass es die Leute verärgern würde, und es war keine leichte Entscheidung, den Film zu machen – es war wie: ‚Ich werde David Bowie spielen, aber habe ich das Recht, das zu tun?‘ Ich habe es bei jedem Schritt in Frage gestellt.“

„Stardust“ feierte am 16. Oktober 2020 beim „San Diego International Film Festival“ Premiere und wurde am 25. November 2020 veröffentlicht.


TV-Tipp: Musikfilm „David Bowie - Die ersten fünf Jahre“ auf ARTE
Weiterlesen