„Kültür für Deutschland“: Eko Fresh und Elif in neuer Doku

von

In den 1960er-Jahren beschließen Deutschland und die Türkei das Anwerber-Abkommen, um türkischstämmige Arbeitnehmer*innen nach Deutschland zu entsenden. Viele bauten sich eine Familie auf und leben hier bis heute. Die Doku „Kültür für Deutschland“ greift die Kinder und Enkelkinder jener „Gastarbeiter“ und ihren Weg in die deutsche Kulturgeschichte auf. Die Doku ist derzeit in der 3Sat-Mediathek auf türkisch und deutsch abrufbar.

Eko Fresh und Elif sind nur zwei der Künstler*innen, die in der 3Sat-Doku ihre Geschichte erzählen, auch Kabarettist Serdar Somuncu, DJ Ipek, Produzent Mousse T. und die Intendantin des Maxim-Gorki-Theaters Shermin Langhoff kommen zu Wort. Sie erzählen von dem Weg ihrer Eltern und Großeltern nach Deutschland, beschreiben ihre eigene Bedeutung des Wortes Heimat, berichten von ihren Konflikten zwischen Tradition und Integration und räumen mit ein paar Klischees auf.

Elif sieht ihre Wurzeln als musikalischen Vorteil

Für Elif sind ihre türkischen Wurzeln genau das, was ihre Musik so besonders und berührend macht, sagt die Sängerin: „Der Grund warum meine Musik so emotional ist, ist, weil ich eben einen türkischen Background habe, und ich liebe das.“

Als türkisches Mädchen habe sie sich aber auch von anderen anhören müssen, wie sie sich zu verhalten habe und war einem ständigen Konflikt mit sich selbst über ihre Herkunft ausgesetzt, erzählt sie: „Für die türkische Community war ich nicht türkisch genug und für die Deutschen war ich nicht deutsch genug. Aber ich bin immer Elif und dann kommt jemand von außen und sagt, du hast dich so zu benehmen und ein türkisches Mädchen darf das nicht und da fing das an, dass ich dachte: Wartet mal. Was darf ich nicht? Wer bin ich jetzt? Wo gehör ich hin?“

Deutschrap-Empowerement

In seinem Song „Köln Kalk Ehrenmord“ erzählt Eko Fresh die Geschichte eines Mädchens, das sich in einen deutschen Jungen verliebt. Der Bruder konnte die Liebe der beiden nicht akzeptieren und brachte den Freund des Mädchens um. Wie Eko Fresh erzählt, war ihm die Tragweite des Textes zu dem Zeitpunkt gar nicht bewusst: „Da wollte ich eigentlich nur eine Geschichte, die im Viertel passiert, erzählen. Ich hab gar nicht die Tragweite gewusst, dass das gesellschaftlich so ein großes Thema ist.“ Später allerdings behandelte er solche Themen bewusster.

„Empowerment, das ist es ja, Ermutigung, das ist mein Ding. Das sind auch die Themen, die mich beschäftigen. Ja es ist auch Rassismus und das wird auch immer wieder vorkommen, der wird ja nicht weggehen, das Thema kommt auch in meiner Musik vor.“

Ermutigung und Empowerment spielen auch auf seinem aktuellen Album ABI eine große Rolle. Weiter ist es nicht zu leugnen dass Frauenfeindlichkeit im Deutschrap immer noch gang und gäbe ist, etwas wogegen der Rapper versucht zu kämpfen: „Gerade in der Hiphop-Branche gibt es eine Spur von Frauenfeindlichkeit, die sich so durch die Texte zieht, wogegen ich ankämpfen möchte – und zeigen möchte, dass das nicht normal ist.“

Auch Sängerin Elif bricht in ihren Songs mit türkischen Traditionen und spricht offen Themen an, die sie bewegen. Auf dem Free ESC performte sie ihren Song „Alles Helal“ mit einem geschminkten blauen Auge um auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen: „Ich möchte nicht, dass andere Leute (Gewalt) erfahren und wollte das sichtbar machen, indem ich mit meinem Song „Alles Helal“ mit einem blauen Auge aufgetreten bin.“

Eko Freshs aktuelles Album ABI konnte sich auf Platz 19 der deutschen Charts positionieren. Elifs aktuelles Album NACHT landete auf Platz 7.


Nach langem Streit: Eminem und Snoop Dogg bringen gemeinsamen Song heraus
Weiterlesen