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Popkolumne, Folge 64

Kulturindustrie, Menstruation, Ballermann und One Love: Paulas Popwoche im Überblick

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Heute Morgen aufgewacht und das ist ja schon mal was. Anschließend wie immer direkt aufs Smartphone geglotzt. Die üblichen Diskussionen, Nachrichten, interessanten Artikel und lustige Kommentare. Und da: Die Facebookerinnerungen.

Heute vor zwei Jahren schrieb ich einen kleinen pathetischen Statusnachruf auf das Ende eines Magazines, das für mich den Weg in die Schreiberei ebnete und auch den lieben Linus Volkmann in mein Leben brachte: Das Intro Magazin gab vor ziemlich genau zwei Jahren Bescheid, dass Schluss ist. „In eigener Sache: Intro verabschiedet sich“, so stand es in Lettern auf der Webseite und ich weiß noch genau, wie es mich traf wie ein hundsgemeiner Liebeskummer. Was sollte nur aus allem werden? Die Musikmagazine fielen zu dieser Zeit wie die Fliegen. Mit dem NME war gerade erst Schluss, die Printausgabe von SPEX war auch bald hinfort und Groove konnte sich auch nicht mehr lange halten. 2018 war ein deutlicher Einschnitt im Musikjournalismus. Da hatte noch niemand mit der verdammten Seuche gerechnet, die zwei Jahre später auch noch unseren Lieblingsclubs und Lieblingskünstler*innen an den Kragen will, die ohnehin bisher schon superprekär rumstrackselten.

„Die alternative Kulturszene wird nicht mehr die sein, die wir kannten“, seufzte mir ein Kulturfreund letztens bei einem gemeinsamen Draußenbier entgegen und ich bekam instant Halskratzen. Ja, das wird alles noch richtig schlimm, was nicht schon schlimm ist, wenn wir die Scherben aufkehren. Die ersten Schließungen von Locations sind bereits passiert und wann viele Menschen wieder an Arbeit oder Publikum kommen, steht in den Sternen. Es wird viele akademische Aufsätze darüber geben, brace yourself. Musikexpress zieht offensichtlich noch durch, hoffentlich noch lange und wie ich hörte, zieht bald die Kultur in die Autokinos um (kenne etwa drei Leute, die ein Auto haben, also Gute Nacht).

Menstruationsliste

Aber Listen retten zumindest jedes journalistische Feld, habe ich gelernt. Ich habe Euch heute sogar ZWEI mitgebracht. Die erste ist zu einem Thema, das viele Frauen viel beschäftigt, vielleicht zur Zeit mehr als sonst: Menstruation. Wenn man systemrelevant ist, weil man trotzdem zur Arbeit muss und der kapitalistische Druck gerade noch höher ist. Wenn man nicht systemrelevant ist, weil man zwar zu Hause bleiben, aber trotzdem arbeiten oder sich kümmern muss. Wenn man wirklich gerade Langeweile hat, weil man sich mal richtig den Rückenschmerzen, Stimmungsschwankungen und dem Schnoddern hingeben kann. Falls man das alles hat. Meine empirischen Studien haben ergeben, dass es so gut wie alle haben. Jedenfalls hatten wir hier in der WG letztens mal eine kleine TicTacToe-Phase und da fiel mir das Menstruationslied von denen wieder ein, dass ich früher nicht ganz verstanden hatte, weil ich noch nicht menstruiert habe. Und dann fielen mir noch weitere ein:


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Radiosender der Woche

Ja, es gibt sie noch, die guten alten Radiosender. Und ich liebe sie. Nachdem ich Radio Sachsen hier beim letzten Mal angepriesen habe, dachte ich, ich schaue mich mal im Westen um. Und da stieß ich aufs Ballermann Radio. „On Air“: Hermes House Band. Davor Andrea Berg, Ikke Hüftgold, Michael Wendler, Vanessa Mai, Norman Langen und Annenmaykantereit. Nachricht des Tages: „‘Unfassbar‘: Jürgen Drews feiert das Leben“. Man muss sich das ganze ohne Anführungsstriche vorstellen, dann lacht man. Sie suchen auch nach Moderatoren, versprochen werden einem „geniale Hörer“. Ab heute Abend startet das „Tanz in den Mai“-Wochenende. Wow. Fuck. Bitte empfehlt mir Radiosender. Keine Indiekultursachen. Ich will die urigen Radiosender, wo die Männer noch durch ihre Schnäuzer moderieren und die Frauen „uns Frauen“ ansprechen. Ich will den Elternbesuch. Danke!

Speaking of local support:

Bin ja wieder zurück in Köln (wieder näher bei meinem Linus!, obwohl der mir immer nicht antwortet, wenn ich ihn frage, wo er denn gerade so ist …) und das gute hiesige Label „Baumusik“ – das sind die, die als man noch rausdurfte, die Subkultur mit Musik fütterten – hat einen neuen Sampler am Start. Inhalt: Electro, Synthwave, Dreampop, House und anderes Geiles, kompiliert von DJ Monibi. Erlöse gehen an „Stand by me Lesbos“. „KEDI 2“ es hier auf Bandcamp.

Wo ich jetzt schon mal so in nachbarschaftlicher Laune bin …

Die Welt ist ja irgendwo auch nur ein Dorf. We‘re all in this together. United. We for one. One world for the kids united. I am he as you are he as you are me. Als diese ganzen Stars letztens „Times Like These“ von den Foo Fighters coverten, war ich wieder voll dabei. Ich liebe diese „ALL STAR ARTISTS FOR PEACE AND LOVE AND EVERYONE WE LOVE THE USA“-Sachen soooo sehr. Reiche Leute, die einem sagen, dass alles ganz einfach ist und ich falle da auch wirklich immer drauf rein! Sie gucken so sehr bedeutsam. Sie haben alle ihre Einsätze und die schütteln sie so aus dem Ärmel. Sie gucken traurig wegen „der aktuellen Lage“. Wenn sie beieinander stehen und bei einem mal was schiefgeht, dann wird so der Rücken gestreichelt und das ist dann super authentisch. Wenn noch ein Hip-Hop-Part kommt, brechen dann alle Dämme.

Meine liebsten Charityorgien (viel Spaß beim YouTuben):

  • Bravo Allstars – Let The Music Heal Your Soul
  • USA for Africa – We Are The World
  • Dionne & Friends – That’s What Friends Are For
  • Artists Stand Up To Cancer – Just Stand Up
  • TV-Allstars (mit No Angels, Bro’Sis und so!) – Do They Know It’s Christmas
  • All Star Tribute – What’s Going On
  • Voices That Care – Voices That Care

Dieses schlägt aber alles:


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Und damit gebe ich zurück ins Studio.

Was bisher geschah? Hier alle Popkolumnentexte im Überblick.

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