#DAHEIMDABEIKONZERTE

Mando Diao: Luxus und Anarchie in L.A.


Anlässlich des bevorstehenden #DaheimDabei-Konzerts am 11. Mai 2020 gibt's hier das ME-Interview mit Mando Diao aus dem Jahr 2009 über die Entstehung ihres fünften Albums, das lästige Label-Thema sowie ihre „Mach was du willst“-Mentalität zum Nachlesen.

Aber diesmal wird wieder getourt?

CJ: Ja. ganz altmodisch!

Mats: Wir sind eben eine Live-Band.

Björn: Außerdem hast du momentan auch gar keine andere Chance: Die Plattenverkäufe gehen überall zurück, also musst du touren.

CJ: Wobei wir mittlerweile in einer Position sind, nur dann zu touren, wenn wir es auch wirklich selber wollen.

Ihr habt mal gesagt, der cleverste Schachzug der Beatles sei ihre Entscheidung gewesen, nicht mehr zu touren…

Björn: Ja. aber die waren damals auf einem anderen Level. Seit… OCHRASY haben wir nicht mehr getourt. Wir sind noch nicht ausgebrannt. Jetzt haben wir z.B. wieder total Bock. Unserer Musik tut es gut, wieder unterwegs zu sein.

Aber du, Björn, wolltest ursprünglich doch eigentlich nur touren, bis du 30 Jahre alt bist?

CJ: Wir stufen das mal großzügig auf 40 hoch!

Björn: Ich habe ja noch zwei Jahre bis zu meinem Dreißigsten. Aber im Ernst, solange unser Alter zu unserer Musik und unserem Lifestyle passt, machen wir weiter mit den Konzerten.

Gustaf, wie siehst du als Familienvater einer längeren Tournee entgegen?

Gustaf: Ich war jetzt ein ganzes Jahr zu Hause, und mein Sohn Josef ist ja auch schon zwei Jahre alt. Ich werde erst
besorgt sein, wenn er ein Teenager ist. Wenn der nur die Hälfte von dem Unfug anstellt, mit dem ich die Zeit totgeschlagen habe… da will ich gar nicht dran denken! Aber im Ernst: So wie jetzt, zehn Tage am Stück weg zu sein, das ist schon hart. Aber meine Familie und die Familie meiner Frau Pernilla sind sehr groß und halten stark zusammen. Ich mag diese engen Bande, die zu Blut werden und dann untrennbar sind. Deswegen habe ich geheiratet, selbst eine Familie gegründet, und letztlich bin ich deswegen auch in einer Band.

Auf ebendiese Band warten tags darauf in der Schlange vor dem Troubadour sogar zwei Mädchen aus dem mexikanischen Tijuana. Sie sind mit dem Bus angereist und haben keine Ahnung, wie sie wieder zurückkommen sollen. Mandomania. Das Troubadour in West Hollywood ist einer der renommiertesten Liveclubs der Stadt. Auch wenn ihn in puncto Design, Modernität und Kapazität andere längst abgelöst haben: Wer kann schon mit solchen Geschichten aufwarten?

Am 25. August 1970 holte Neil Diamond hier Elton John auf die Bühne und leitete so dessen ersten Gig in den USA ein. 1974 störten die volltrunkenen John Lennon und Harry Nilsson solange eine Show des Comedyduos Smothers Brothers, bis sie sich auf der Straße wiederfanden. In den letzten Jahren hat sich der Club einen Namen als Förderer europäischer Indiebands gemacht: Radiohead waren schon hier, Franz Ferdinand, Coldplay, Arctic Monkeys.

Björn brüllt den Refrain, als hänge sein Schicksal vom Wohlwollen der gut 250 Gäste ab

Und Mando Diao spielen an diesem 3. November bereits zum vierten Mal hier. Nach zwei mauen Vorbands schlendern die fünf auf die Bühne und beginnen ihr Set ausgerechnet mit dem sperrigsten Song ihrer letzten Platte, „One Blood“: Gustaf sprechsingt die Strophen und Björn brüllt den Refrain, als hänge sein Schicksal vom Wohlwollen der gut 250 Gäste ab. Dem kann er sich spätestens mit dem Zuspruch, den Gustaf für ein Grußwort an Barack Obama kassiert, sicher sein. Mando Diao demonstrieren größtes Vertrauen in ihr neues Songmaterial. „Dance With Somebody“ und „Gloria“ verdrängen vertraute Singalongs wie „Paralyzed“ und „Down In The Past“ von der Setlist.

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Nach knapp anderthalb Stunden kehrt vorerst nur Björn zur Zugabe zurück und erinnert mit einer Unplugged-Version von „Ochrasy“ an seine gelungene Solotour. Doch zum Finale des Stücks marschiert auch der Rest wieder auf und macht klar, dass die Zeit der Alleingänge vorüber ist. Das untermauern die fünf mit einer Rückkehr zu ihren Anfängen, zu dem weiterhin wichtigsten Song ihrer gemeinsamen Zeit, der sie vor gerade mal sechs Jahren berühmt gemacht hatte: „Sheepdog“.

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Mando Diao sind mal wieder eine der besten Livebands des Planeten, und für einen Moment wirken die vielen pausenlos durch die Clubluft geplärrten „Awesome“s nicht mehr wie hohle Satzlückenfüller, sondern werden ihrer Ursprungsbedeutung vollauf gerecht: ehrfurchtgebietend. In Verkennung der Situation vergrault der Soundmann die Fans umgehend nach Abtritt der Band mit zweimaligem Abspielen des gesamten Justice-Albums. An sich nichts Böses. Aber eben falscher Ort, falsche Zeit. Diese falsche Zeit, im größeren Sinne, gilt es am nun anbrechenden Tag zu beenden. Die Leute wären wohl sowieso nicht lange geblieben. Bereits um vier Uhr morgens formieren sich die ersten Schlangen vor den Wahllokalen.

Dieser Artikel erschien erstmals im ME 03/09.

Mando Diao live bei #DaheimDabeiKonzerte: Montag, 11. Mai um 19 Uhr auf musikexpress.de, rollingstone.de und metal-hammer.de


Alle Konzerte auf magenta-musik-360.de und #dabei/MagentaTV sehen.