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Mando Diao: Luxus und Anarchie in L.A.

Ihr viertes Album war ein Befreiungsschlag: Mit bittersüßen Geigen anstelle ungeschliffener Gitarren, mit herausfordernden Balladen anstelle zugänglicher Popsongs gaben MANDO DIAO ihrer alten Plattenfirma genau das, was diese nicht hören – und verkaufen wollte. Nun dürften sich ihre ehemaligen Arbeitgeber noch ein Stück mehr ärgern. Denn auf ihrer fünften Platte fordern die Schweden unwiderstehlicher als je zuvor zum Tanz auf.

L.A. ist riesig. Mando Diao sind das auch. In ihrer Heimat Schweden, in Frankreich, in Japan und insbesondere in Deutschland. „Bei euch müssten wir uns falsche Bärte ankleben und Taliban-Turbane aufsetzen, um nicht auf offener Straße angesprochen zu werden“, illustriert Sänger Gustaf Noren den Bekanntheitsgrad seiner Band. In L.A. kennt keine Sau die Schweden. Hier legen sie letzte Hand an ihr fünftes Album GIVE ME FIRE. Hinter ihnen liegt bereits ein kreatives Halbjahr, in dem sie die neuen Stücke geschrieben (das Songwriting ist nach wie vor der Job von Noren und Co-Bandleader Björn Dixgärd) und in ihrem Studio in Trangs und im Süden Stockholms mehrheitlich aufgenommen haben.

Am Produzententisch saß dabei neben der Band auch Christian „Salla“ Salazar, der sich in den 90ern als Mitglieder der schwedischen HipHop-Crew Latin Kings einen äußerst guten Namen gemacht hat. Die Arbeit im Vorstadtstudio „hat uns alle sehr an unseren Heimatort Borlänge erinnert: kalt, melancholisch und doch voller Herz“, sagt die Band. Und dann die Kehrtwende nach Kalifornien, wo es auch jetzt im November noch sonnige 25 Grad Celsius hat.

In Mando Diaos Studio wird nicht gelüftet

Es sind die letzten Tage vor der weltverändernden Präsidentschaftswahl. Der Wind of Change durchweht Amerika. Doch in Mando Diaos Studio wird nicht gelüftet. Dort bleibt alles beim Alten. Die Band macht weiterhin, was sie schon immer am besten konnte: sich und das Leben genießen. Die Adresse lautet Fairfax Studio, Tugunga Avenue. Artig aufgereiht heißen einen zunächst Björn, dann Gustaf, Bassist Carl-Johan Fogelklou, Schlagzeuger Samuel Giers und Mats Björke willkommen. Man macht es sich auf einem der vielen ausliegenden Perserteppiche gemütlich, und schon schiebt ein Studiotechniker eine CD mit Rohmixen der neuen Mando-Songs in seinen Laptop.

„Blue Lining, White Trenchcoat“, der erste, rockt wie die wüstesten Nummern auf BRING EM IN. Gustafs Stimme überschlägt sich mehrmals, wenn er Zeilen wie „I’m going down with a song“ und „I lost my love in a hurricane / I got no choice but to go insane“ singt. Dann kommt die Single: „Dance With Ciarice“, die später in „Dance With Somebody“ umbenannt wird und bei Redaktionsschluss kurz vor der Nr.-1-Platzierung in den deutschen Verkaufscharts steht, erinnert mit seinem Discobeat unweigerlich an Franz Ferdinand, was die Band alles andere als beleidigt. Gustaf: „Von dieser ganzen Szene an Retrobands dieses Jahrzehnts fühlen wir uns eigentlich nur Franz Ferdinand verbunden. In einem Familienstammbaum wäre ich gerne auf demselben Ast wie Franz Ferdinand.“

Die klavierlastige Barmusik von „High Heels“ hätte auch gut auf die neue Oasis gepasst. „Mean Street“, das Stück, das vom Management zuvor schon als Diana-Ross-Song angekündigt wurde, klingt tatsächlich so: Motown-Bassläufe, Motown-Schlagzeug, eine Revuenummer. „Gloria“ ist sonnenscheinvoller Schwedenbritpop und fasst das bisherige Gesamtwerk Mando Diao ideal zusammen: Stakkato-Gitarren, sinfonische Streicher, harmonische Zweigesänge.



Myrkur: Hier noch einmal das Performance-Video von #DaheimDabeiKonzerte sehen
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