Nach Olli Schulz und Helge Schneider: 5 erstaunliche Gründe für Konzertabsagen

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1. „Politisch extreme Positionen“ (Feine Sahne Fischfilet)

Ein Fall aus der jüngsten Vergangenheit, der auch bei uns für Aufregung sorgte. Im Oktober 2018 untersagte die Stiftung Bauhaus in Dessau auf den letzten Metern die Aufzeichnung eines Konzerts von Feine Sahne Fischfilet in der Reihe zdf@bauhaus. Begründet wurde das mit diesem Statement: „Politisch extreme Positionen, ob von rechts, links oder andere, finden am Bauhaus Dessau keine Plattform, da diese die demokratische Gesellschaft – auf der auch das historische Bauhaus beruht – spalten und damit gefährden.“ Diese Einschätzung kam aber erst, nachdem rechte Gruppen aus der Umgebung massiv mobilisierten und das Bauhaus die haltlosen und halbwahren Atteste der „politisch extremen Positionen“ unhinterfragt glaubten. Am Ende hätte es keine bessere PR geben können. Die Show fand schließlich in einer anderen Location statt und wurde ein noch viel größerer Erfolg.

2. „Häuserkauf“, „Halsschmerzen“ und „Prügeleien“ (Liam Gallagher)

1996 hätte DAS Jahr für Oasis sein können. Mit ihrem Überalbum „(What’s The Story) Morning Glory“ aus dem Herbst des Vorjahres im Gepäck stand die große Welteroberung auf dem Programm. Aber dann wurde Liam Gallagher, nun ja, unbeständig. Erst sagte er Minuten vor dem ersten Song ein „MTV Unplugged“ in der Royal Festival Hall wegen „Halsschmerzen“ ab, dann versetzte er seinen Bruder Noel und den Rest der Band beim Start der US-Tour. 2011 verriet Noel der „New York Times“ dann den wahren Grund: Liam habe einen Anruf von seiner Frau bekommen, dass die beiden unbedingt ein Haus kaufen müssten. Woraufhin Liam sich verpisste. Und die Band alle Daten in Neuseeland und die meisten in den Staaten canceln musste. Legendär war natürlich auch die Keilerei im Nachtlub des „Bayerischen Hofs“ in München 2002, wo sich die gesamte Band prügelte und Liam zwei Zähne ausgeschlagen wurden. Der Rest der Deutschlandtour musste daraufhin abgesagt werden. Später machte Liam der Münchener Polizei Vorwürfe, was zu diesem schrulligen Beitrag im Lokalfernsehen führte:

3. „Sturz vom Kokosnuss-Baum“ (Keith Richards von den Rolling Stones)

„Wo ist die Kokosnuss? Wer hat die Kokosnuss geklaut?“ Fragen, die jedes singende Kind kennt. 2006 sorgte eine Kokosnuss für die Absage einer heiß erwarteten Europa-Tournee der Rolling Stones. Wobei Keith Richards eher sehr unglücklich vom Kokosnuss-Baum auf den Fidschi-Inseln fiel, bevor er sie überhaupt klauen konnte. Richards musste am Gehirn operiert und die gesamte Europatournee verschoben werden. Zum Glück überlebt er Sturz und OP ohne schlimme Folgen und musste sich nur eine Weile mit dem undankbaren Spitznamen „Ritter der Kokosnuss“ rumplagen. Später stellte Richards auch noch einmal klar: „Nur weil der Unfall auf Fidschi passiert ist, dachte jeder, es sei eine Kokosnuss gewesen. Die Wahrheit ist: Ich lag einfach auf einem Ast und bin heruntergeplumpst.“ Für seine 735-Seiten-Biografie, die er danach schrieb, habe der Unfall eventuell sogar Gutes gehabt, scherzte Richards: „Vielleicht hat der Schlag auf den Kopf geholfen, mich an so vieles zu erinnern.“

4. Taubenscheiße (Kings of Leon)

Es gibt viele Menschen, die die Kings of Leon lieben und einige Tauben die auf sie, pardon, scheißen. 2010 unterbrach und beendete die Followill Family Band eine Show in St Louis, Missouri nach drei Songs, weil unter dem Bühnendach „wohnende“ Tauben sie permanent beschissen. Drummer Nathan Followill sagte den Fans danach via Twitter, die Tauben hätten dabei sogar den offenen Mund des Bassers Jared getroffen. Das hätte das Fass zum Überlaufen gebracht. Aber, so Nathan auf Twitter: Man solle seinen Frust nicht an Jared auslassen. „Das ist die Schuld der Veranstalter. Es gibt zwar Menschen, die gerne angeschissen werden, aber wir zählen da nicht zu.“ Trotzdem sorgte der Vorfall für Spott unter den Kings of Leon Hatern. Der britische „The Telegraph“ nannte den Schiss: „die treffendste Konzertkritik in der Musikgeschichte.“

5. „Corona“

Noch ist die Pandemie nicht vorbei und das Wort täglich präsent. Aber man weiß schon jetzt, dass dieser Grund für Konzertabsagen und -verschiebungen in die Geschichte eingehen wird. Zwar las man das Wort „Corona“ in den letzten Jahren schon manchmal auf Festivalplakaten, da aber nur bei den Präsentatoren-Logos. Seit dem Frühjahr letzten Jahres hat das C-Wort auf der ganzen Welt abertausende Konzerte auf dem Gewissen, weil es wie dafür gemacht scheint, das Live-Erlebnis zum Lebensrisiko zu machen. Deshalb hat dieser Absagen-Grund wohl auf die nächsten hundert Jahre den höchsten „Bodycount“ an Konzerten, die wegen ihm nicht stattfinden konnten.


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