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Meinung

Bauhaus-Debatte: Warum die harsche Kritik an Feine Sahne Fischfilet großartig ist

Es will nicht so recht aufhören: Mitte September postete Feine-Sahne-Fischfilet-Sänger Jan „Monchi“ Gorkow eine Fotocollage, die auf rechten Facebook-Seiten kursiert. Vier Fotos von ihm, darunter unter anderem die Knutschszene aus dem Antilopen-Gang-Video zu „Verliebt“. Das Wording: „Ranzige Sahne Gammelfleisch“. Und der Kommentar: „Schwul , linksradikal, fett, ein Hetzer und drogensüchtig ! pfui !!! darum nur die afd ,damit solchen Leuten das Maul gestopft wird.“ Moral-, Photoshop-, Rechtschreibungs- und Humor-Skills liegen bei dem Posting kurz unterhalb der Grasnarbe – wie immer auf diesen Seiten. Und jetzt diese leidliche Bauhaus-Diskussion, mitunter angestoßen von rechten „Protestlern“ wie dem da.

Auch als ich am Tag nach dem „Wir sind mehr“-Konzert in Chemnitz auf einem großes deutschen Newsportal eine Reportage über den Abend veröffentlichte, dauerte es nach Veröffentlichung keine Minute, bis die ersten geifernden Kommentare mit Rechtsdrall drunter standen – bei einer ungefähren Lesezeit des Artikels von 15 Minuten. Nix Neues leider, Copy & Paste können sie – aber dennoch ist es immer wieder interessant, wie deutlich der jeweilige Spin eines Themas zu erkennen ist.

Neu an der Diskussion war mir jedoch die Konzentration auf Feine Sahne Fischfilet. Gleich der dritte Kommentar eines Users namens „Agonie“ fragte: „WO ist der Unterschied zwischen einer Musikgruppe, wie bspw. Feine Sahne Fischfilet und einer Musikgruppe wie bspw. Stahlgewitter?“ Himmelhilf! Tja, wo anfangen: FSF verkaufen ein paar Tausend Alben mehr, dürfen ihre Alben verkaufen, sind nicht wegen Volksverhetzung vorbestraft, ziehen ein paar Zehntausende mehr auf ihre Konzerte, ihr Sänger schreibt Lieder gegen den NSU und nicht für den NSU (gut, das Lied stammt von einer anderen Band des Stahlgewitter-Sängers Daniel Giese, Kampfname Gigi). Und was wohl am wichtigsten ist: Sie äußern sich trotz ihrer Verortung in der linken Szene zu vielen Themen durchaus lagerübergreifend. Als eines von vielen Beispielen sei da nur dieses Posting genannt:

Der „Agonie“-Kommentar ist natürlich so hanebüchen und behämmert, dass man sich eigentlich nicht mit ihm beschäftigen sollte. Trotzdem feiere ich ihn. Er steht exemplarisch für die plumpen Bestrebungen harter Rechter, die Band wahlweise zu diskreditieren, zu verklagen oder zu bedrohen – und es ist immer wieder eine Freude, zu sehen, mit wie viel Offenheit und/oder Witz Feine Sahne Fischfilet das trotz der realen Gefahr parieren. Wie hier zum Beispiel:



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