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Konzertkritik

Peter Doherty in Wien: Wenig Lärm um viel

Überraschend pünktlich ist er. Als Peter Doherty um kurz nach 21 Uhr die kleine Bühne des Wiener WUK (das steht für Werksstätten- und Kulturhaus, dementsprechend groß ist auch der „Saal”, in dem regelmäßig Konzerte stattfinden) betritt, noch in Schal und mit Blazer, wird einem klar: Hier möchte jemand zeigen, dass er sein Leben doch irgendwie im Griff hat.

Auf Tour mitgebracht hat Doherty diesmal seine derzeit aktuelle, mittlerweile Drittband: Die Puta Madres (zu deutsch: „verdammte Mütter”). Die bestehen aus dem Gitarristen und Poeten Jack Jones, Dohertys Ex-Freundin Katia DeVidas am Klavier und Keyboard, „Miggles” aka Michael Bontemps am Bass und „Rafa” an den Drums. Am 26. April 2019 erschien ihr selbstbetiteltes Debütalbum, nun sind sie auf Tour.

Doherty nicht ganz in Fahrt, das Publikum sein Spiegel

Auf dem Konzertticket steht dennoch nur er: „Peter Doherty”. Sonst nichts. Klar, dafür sind die Leute auch gekommen, zahlreich, denn das WUK ist ausverkauft. Keine große Leistung, bei seiner überschaubaren Größe, aber auch nicht nichts. „Nicht nichts”, das wird das generelle Motto des Abends.

Das Album mit den Puta Madres wurde innerhalb von ein paar wenigen Tagen in Frankreich aufgenommen. Dementsprechend unausgegoren sind die Songs: Live verschwimmen sie zu einem unkenntlichen Mix. Man kann es genießen, wie sich Song um Song zu einem Klangteppich verwoben über einen legen, während man selbst mit halbgeschlossenen Augen mitschunkelt. Man kann aber genauso gut auf den einen Libertines-Song warten, den Doherty wohl spielen MUSS (in diesem Fall war es „You’re My Waterloo”) – und sich ansonsten ein bisschen langweilen.

Wenig überraschend, die neuen Songs sind eben weniger tanz- und mehr nickbar. Begeisterung stellte sich am ehesten bei Songs aus der höchsteigenen Doherty’schen Wühlkiste, die mittlerweile recht ansehnlich ist, ein: „Kolly Kibber”, „I Don’t Love Anyone” und „The Whole World Is Our Playground” (letzteres übrigens in Wien geschrieben) vom letzten Solo-Album HAMBURG DEMONSTRATIONS, aber auch „Last Of The English Roses”.

Doherty selbst scheint halbwegs gut gelaunt, als jemand die Lyrics von „Merry Go Round” von den Babyshambles mitsingen kann, lächelt er sogar richtig. Auch seine Bandkollegen seien gelobt: Gegen Ende ruft es, als es um die Zugabe geht, nicht nur „Pete” aus der Menge, sondern gar vereinzelt auch „Puta Madres”. Vor allem Gitarrist Jack Jones schien einfach von Grund auf froh, neben Doherty auf der Bühne stehen zu dürfen.

Als die letzte Zugabe („Fuck Forever” von den Babyshambles) verklungen ist, bleibt das Gefühl zurück: Hier hätte man schon ein wenig mehr herausholen können. Mit Songs, für deren Ersinnen sich die Band mehr Zeit lässt, damit hier keine Pete-Doherty-Through-The-Ages-Tribute-Show aufgeführt werden muss, um das Publikum abzuholen.

Beim Rausgehen der Satz von irgendwo weiter hinten in der Menge aus schwitzenden Körpern: „Man hätte den Abend schlechter verbringen können”. Ja, hätte man wirklich.

Die weiteren Termine der Tour von Peter Doherty and the Puta Madres:

  • Dienstag, 21. April: München (Deutschland) –  Backstage Werk
  • Donnerstag, 23. April: Zürich (Schweiz) – X-Tra
  • Freitag, 24. April: Freiburg (Schweiz) – Fri-Son


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