Highlight: Supersonic Rock’n’Roll Stars Live Forever: Wie Oasis mit „DEFINITELY MAYBE“ die Könige des Britpop wurden

Beady Eye Different Gear, Still Speeding


Beady Eye Records VÖ: 25. Februar 2011

Auch wenn es als solches wahrgenommen werden wird: Dies ist kein Soloalbum von Liam Gallagher. Das ist gut so, dadurch halten sich zigfach recycelte Selbstvergewisserungen in Grenzen – so wahr sie wie mit der Zeile „I’m the last of a dying breed“ auch sein mögen. Auch allzu viele Kinderreime, die selbst Lenny Kravitz peinlich wären, bleiben uns erspart. Zehennägel aufrollende Ausnahme: „Our love is gonna be alright/ Forever I will be by your side“. Diese Platte ist nicht die spätestens nach dem vorab veröffentlichten Pianorock-Plem-Plem „Bring The Light“ erwartete Totalkatastrophe. Trotz des Titels, den man maximal einer Neubesetzung von Twisted Sister durchgehen lassen würde. Außer „Bring The Light“ ist keins der Lieder hier so miserabel wie Liams Songs auf den letzten vier Platten von Oasis. Kein „Little James“, kein „The Meaning Of Soul“, kein „Better Man“. Und schon sind wir mittendrin in den Vergleichen zum übermächtigen Vorgängermodell. Obwohl Liam natürlich behaupten muss, Beady Eye wären eine ganz andere Liga als Oasis – so grundverschieden können sich die beiden Bands freilich nicht sein. Auch Beady Eye drehen sich hauptsächlich um die Beatles. Ein Song heißt gar „Beatles And Stones“ (mit der Refrainzeile „I’m gonna stand the test of time like Beatles and Stones“ hoppst Liam erneut Giganten auf die Schulter) – ausgerechnet der klingt aber wie „My Generation“ von The Who. „Kill For A Dream“ endet im Oasis-typischen „Hey Jude“-Na-na-na-Chor, die Leadsingle „The Roller“ bedient sich bei „Instant Karma!“ Alles wie gehabt. Ausdrücklich zu loben sind dagegen der streicherlastige Led-Zeppelin-Riffrocker „Four Letter Word“ und – abgeschmackter Titel hin oder her – der maßgeblich von Andy Bell verfasste Gruß an die Hollies, „The Beat Goes On“. Romantiker mögen Verweise auf Liams Verhältnis zu Noel finden: „Life’s too short to not forgive“ heißt es an einer, „So let it be, give it time/ You go your way and I’ll go mine“ an anderer Stelle. Doch wie spannend ist das geschwisterliche Verhältnis denn überhaupt noch? Jeder britische Festivalsommer braucht schließlich eine Britpop-Reunion – und was soll nach The Verve (2008), Blur (2009), The Libertines (2010) und Pulp (2011) schon noch kommen? Zur Jahrzehntmitte stehen die Gallaghers doch ohnehin wieder auf einer Bühne und singen „Because we need each other/ We believe in one another“ (auch wenn zitierter Song angeblich NICHT die brotherly love dokumentiert, ja ja.

Offizielle Website von Beady Eye.


ÄHNLICHE KRITIKEN

Liam Gallagher :: Why Me? Why Not.

Jetzt mit Profi-Unterstützung: beachtliche Post-Oasis-Songs, grandios gesungen.

Liam Gallagher :: As You Were

Das Gesicht des Britpop hat in den letzten vier Jahren nach eigener Aussage nichts erlebt. Das hört man dem Solodebüt...

Beady Eye :: Bring The Light

Debütsingle der neuen Band von Liam Gallagher.


ÄHNLICHE ARTIKEL

Liam Gallagher wird Bruder Noel zu seiner bevorstehenden Hochzeit einladen

Dass Liam Gallaghers Bruder Noel und dessen Frau tatsächlich bei seiner Hochzeit auftauchen, halte er zwar für unwahrscheinlich, aber man könne ja nie wissen: „Die beiden sind sich schließlich auch sonst für nichts zu schade.“

Tipp: arte zeigt Oasis-Doku „Supersonic“ im Stream (in Mediathek und auf YouTube)

In zweieinhalb Jahren zur größten Band der Welt: Doku über Oasis’ Weg von den Sozialwohnungen auf den Britpop-Thron.

Noel Gallagher hält Oasis-Musical für unvermeidbar

Noel Gallagher selbst würde sich das Musical über seine ehemalige Band Oasis ebenfalls ansehen — wenn auch nur ein einziges Mal.


Foo Fighters wollen eine Petition für ein Oasis-Comeback starten
Weiterlesen