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Album der Woche

Dendemann  Da nich für! 


Vertigo/Universal  

Wie alt werden im Rapbetrieb? Das ist – natürlich – das große Meta-Thema des dritten Solo-Albums des endlich zurückgekehrten Daniel Ebel. Der hat sehr lange an seiner dritten Dendemann-Platte gefeilt. Und er geht darauf multistrategisch vor, um 2019 nah bei sich nicht neben der Zeit zu stehen.

Als Beatmacher hat er sich mit The Krauts (Marteria, Peter Fox), Kitschkrieg (Haiyti, Trettmann), Dexter (Fatoni, Casper), Torky Tork (Audio88), Reaf (Ssio) und ol’ I.L.L. Will (Eins Zwo) Leute gesichert, die hier oft sehr klassisch mit Sample-Loops arbeiten. Gleichzeitig aber beweisen sie auch besondere Qualitäten darin, Tracks mit hoher atmosphärischer Dichte und nicht so ganz einfach auslesbaren Spannungsbögen zu bauen. Mit ein paar Jazz-Spritzern an den richtigen Stellen erinnert DA NICH FÜR! sogar zweidreimal an Eins Zwo.

Außerdem verzichtet Dendemann auf Jungblut-Einspritzer am Mikrofon. Stattdessen machen mit Casper, Beginner, Mieze (gesampelt) und Beatsteaks-Arnim übelst verdächtige Kumpels aus dem Festival-Backstagezelt mit. Nur der gefeierte Einzelgänger Trettmann passt nicht so ganz ins Bild. Und für dessen Auto-Tune-Einspul-Refrain im vorab veröffentlichten „Littbarski“ durfte sich Dende auch schon böse Oldschooler-Kommentare durchlesen.

Kooperation

Dabei macht dieser Riddim selbst bei hochgefahrenem Schutzschild gute Laune. Und dass sich Sofa-Dende ausgerechnet in diesem Stück mit (s)einem autonomen Partygirl auseinanderzusetzen hat, hier also der Konflikt jung vs. alt im HipHop als Beziehungsgeschichte verhandelt wird, während zwei Mittvierziger versuchen, 2019 das als was Freshes unterzuschieben – das geht doch sogar als Kunstgriff durch, ne?

Politisches Sendungsbewusstsein ohne Parolen, aber mit Slogans

Da ist das Klassentreffen mit den Beginnern, bei dem sie sich gegenseitig ihrer intakten „BGSTRNG“ für Rap versichern, bei Weitem wurmstichiger. Zumal DA NICH FÜR! seine Stärken einfach mehr dort hat, wo der sich selbst einkreisende Protagonist sich so selbstkritisch wie -ironisch wie -sicher mit dem Meta-Thema von oben herumschlägt, sich und seine Motive aus verschiedenen Perspektiven prüft („Ich dende also bin ich“).

In dem großartigen „Wo ich wech bin“ dekliniert Dendemann – fantastisch gereimt – seine randsauerländische Kleinstadtherkunft durch („Dis ist Polo 1 und Megasound, dis ist Polizei am Jägerzaun“), während der Dr.-Dre-fette Track wie ein Dauerintro auf Handbremse die Drehzahl hoch hält.

Und dann ist seit der gegen linksbehauptete Wohlstandsgemütlichkeit anboucenden Vorabsingle „Keine Parolen“ auch klar, dass der Dendemann sein politisches Sendungsbewusstsein aus dem „Neo Magazin“ mit ins Hauptgeschäft übernommen hat. In „Müde“ sagt er noch, dass er eigentlich zu müde ist für den Scheiß.

„Menschine“ arbeitet sich nach den Lehren von Marx und Deichkind an unserem spätkapitalistischen Dreischichten-Betrieb Arbeit/Konsum/Internet-Füttern ab. Das deutliche Haltung gegen Rechts einfordernde „Zeitumstellung“ ist vielleicht sogar ein bisschen zu pädagogisch geraten. Was Slogans am Ende tatsächlich bringen bei der Verteidigung von Freiheit und Menschenwürde, man weiß es nicht – aber der hier ist halt schon gut: „Wenn die Demokratie ihren Segen verflucht, ist dagegen wohl nicht mehr dagegen genug.“

Hier kann man „Da nich für!“ von Dendemann bestellen

Klar, am Ende hat der Typ auch nur Fragen und kaum Antworten. Wenn er welche hätte, wäre er König von Deutschland. So wie Rio Reiser. Der wird hier übrigens genauso gesampelt (der Refrain „Zauberland“ – erzählt jetzt vom Flüchtlings-Schicksal) und zitiert wie Hildegard Knef, Slime, Heinz Erhardt und Die Goldenen Zitronen auf der „Das war unsere BRD“-Seite. Wie Xatar, Bilderbuch und Schwester Ewa auf der anderen Seite, der heutigen, die für eine unumkehrbar bunte, vollendet post-moderne Welt steht.

Wie er diese beiden Seiten auf DA NICH FÜR! zusammenbringt, das macht Dendemann toprelevant über jeden ollen Legendenstatus hinaus.

Dendemanns neues Album „DA NICH FÜR!“ hier im Stream hören:


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