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Eminem Kamikaze


Shady Records

Eminems letztes Album „Revival“ ist noch nicht so lange her. Es erschien im Dezember 2017 und war nicht besonders gut – darin waren sich die meisten Kritiker, aber auch viele Fans einig. Dass der Rapper jetzt einen spontanen Nachfolger rausbringt, hängt damit zusammen: „Kamikaze“ ist ein kleiner Racheakt gegen alle Hater, auf dem sich Eminem mit einem Affenzahn durch 13 Tracks wütet.

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Eminem nimmt sich Kritik zu Herzen

Die Journalisten dürfen gleich im ersten Stück „The Ringer“ seinen Schwanz lutschen, auch Rapper kriegen ihr Fett weg. Auffällig ist dabei jedoch, dass er sich die Kritik zumindest teilweise auch zu Herzen genommen hat: Stargäste wie Ed Sheeran oder Beyoncé sucht man hier jedenfalls vergebens. Auch den bislang obligatorischen Baukasten-Hit mit weiblicher Hook à la „Love The Way You Lie“ hat er sich gespart.

Dafür hat sich ausgerechnet Bon Iver auf „Kamikaze“ verirrt. In „Fall“ singt er eine Hook, von der er offenbar selbst nichts wusste: Sie sei bei einer Session des Produzenten Mike Will Made It entstanden und klingt tatsächlich eher wie ein Fremdkörper, als dass sie das sonst relativ dürftige Beat-Repertoir aufwerten könnte.

Wortgewaltig und humorvoll

Eminem

Das besteht größtenteils aus harten, rohen Instrumentals, die klassisch nach Eminem klingen und gegen den aktuellen Zeitgeist immun scheinen. Auch wenn es sehr direkte Referenzen an bestimmte Flows von Migos und Kendrick Lamar gibt, scheint der inzwischen 45-Jährige Eminem keinen Gefallen am modernen Rap zu finden. Tyler, the Creator, Lil Yachty, Earl Sweatshirt und andere junge Rapper werden gedisst, und das auf teils sehr wortgewaltige und humorvolle Weise. Nur was hat Eminem ihnen entgegenzusetzen außer ein paar verbalen Hieben?

Der Veteran ist zwar nicht in schlechter Form, doch er scheitert trotzdem daran, sein größtes Problem in den Griff zu bekommen: Dass er ständig wie ein Fossil aus einer anderen Ära wirkt, das keinen zeitgemäßen Hip-Hop mehr hinkriegt. Immerhin scheint er sich dessen bewusst zu sein, und das ist bekanntlich der erste Schritt zur Besserung.

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Tim Mosenfelder Getty Images

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