Erdmöbel – Für die nicht wissen wie

Meinungen, hat Erdmöbel-Sänger Markus Berges einmal gesagt, Meinungen seien eh das Billigste und hätten deshalb in Popsongs nichts zu suchen. Das ist natürlich eine Meinung, der man nicht folgen muß. Hin und wieder braucht man ja auch mal Songs gegen Hartz IV oder gegen Gitarrenhändler oder so. Aber dann kommt ein neues Erdmöbel-Album raus, und der ganze Schamott kann uns jetzt bitte mal gestohlen bleiben. „Am Arsch, Welt“, rufen wir, legen das Handtuch „auf den Kieselstrand“, trinken „Gläser Wein aus Plastikbechern und hören den lieben langen Tag luftige Pop-Lieder „made in Anderswo“: Lieder über Bucheinbände „wie rotes Regenschirmetui“. Eidechsen als Halsschmuck und „die Warnblinkanlagen aller Windkraftwerke“ auf Gibraltar. „Lied über gar nichts“ heißt bezeichnenderweise eines davon, ein kleines Manifest, in dem Berges das mit den Meinungen nochmal viel schöner sagt:“.Ich wünsche mir ein Lied /über gar nichts / eins, das fällt und verglüht /in der Finsternis / über gar nichts / ein kaputter Satellit“. Kaputte Satelliten, deren verquere Signale sich nicht eins zu eins decodieren lassen, waren Erdmöbel-Songs ja schon immer, eine Tour durch das Privat-Universum im Kopf des Markus Berges, die im eigenen einen angenehm flirrenden Schwebezustand zwischen Nicht-Schnallen, Irgendwie-aber-doch-Ahnen und Selber-Fertigdenken hinterläßt. Ein sehr angenehmer Zustand. Musikalisch knüpft die Platte, nach dem Akustik-Best-Of Fotoalbum, wieder bei Altes Gasthaus .Love‘ an. Nur daß Für die nicht wissen wie den Erdmöbel’schen Pop-Entwurf mit seinen verwinkelten Melodien, unternehmungslustigen Baßparts und entspannt unglamourösen Bläsersätzen, mit seinen immer nur so angedeuteten Beat-, Jazz- und Easy-Listening-Referenzen diesmal noch viel selbstsicherer auf den Punkt bringt. Und die sich die Vorlagen ihrer Burt-Bacharach- und Henry-Mancini-Cover so vollständig anverwandelt, daß wir sie ab sofort als Erdmöbel-Lieder führen werden. Diese Band weiß nämlich ziemlich genau, wie. Und das, mit Verlaub, ist keine Meinung, sondern eine Tatsache.

www.erdmoebel.de