Fleet Foxes Shore


Anti/Indigo (VÖ: 22.9.)

von

Freitagmorgens Alben veröffentlichen kann jeder. Naturbursche Robin Pecknold dagegen setzt für den Erscheinungsmoment der vierten Fleet-Foxes-Platte auf kosmische Kräfte: Am Dienstag, dem 22. September um Punkt 15.31 Uhr standen überall auf der Welt lichter Tag und dunkle Nacht für wenige Sekunden im Gleichgewicht. Äquinoktium nennt man das Phänomen, es tritt zwei Mal im Jahr auf, auf der Schwelle in den Frühling und in den Herbst.

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Klar, dass SHORE die dunkle Jahreszeit einläutet. Denn so lichtdurchflutet viele der Indie-Folk-Songs der Fleet Foxes auch sind: Die Protagonisten dieser Lieder tragen Handschuhe, wärmen sich am Lagerfeuer, tapsen durchs bunte Laub. Mehr noch als CRACKUP ist SHORE eine Solounternehmung von Pecknold. Das Album entstand während einer Odyssee in verschiedenen Städten und Studios; kurz vor dem Corona-Ausbruch war die Musik größtenteils fertig, nur die Texte fehlten. Die Inspiration dazu holte sich der Singer/Songwriter bei langen Autofahrten durch Upstate New York.

Pecknold arbeitet sehr gewissenhaft, mehr noch als seine Fans erwartet er von sich selbst ein neues Meisterwerk. Daher verwundert es, wie SHORE beginnt: Schöne Musik, aber wo bleibt das Besondere? Das stellt sich gegen Ende ein, wenn Pecknold die Koordinaten seines Klanguniversums erweitert. Beeinflussen ließ er sich von der Magie Brian Wilsons und Arthur Russells Idee, Musik aufzunehmen, die klingt, als sei sie unter Wasser entstanden.

Die letzten fünf Songs des Albums sind perfekt: Pecknold hat Harmonien entwickelt, die man sonst auf den Beach-Boys-Platten von 1967 bis 1971 hört. Er lässt Jazz-Pianos und Avantgarde-Bläser einspielen, sampelt die Sprechstimme von Brian Wilson und bittet seinen Kreativfreund Tim Bernandes, für das Lied „Going-To-The- Sun Road“ einen Part in Portugiesisch einzusingen: diese Sprache, dazu Cembalos, Chöre und Bläser – grandiose Alles-wird-gut-Musik!

SHORE im Stream hören:


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