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Goat Girl On All Fours


Rough Trade/Beggars/Indigo (VÖ: 29.1.)

von

Diese Platte ist ein ganz großes Ereignis. Wären das Jahr und das Jahrzehnt nicht noch so jung und zudem die Diskografie der vier Britinnen Anfang 20, die hier erst ihr zweites Album vorlegen, so kurz – man wäre versucht, ihnen fünfeinhalb Sternlein zu geben. Aber: Es muss ja noch Luft nach oben bleiben für das, was noch kommen könnte und bitte auch möge.

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Das seltene Kunststück, das den vieren schon jetzt gelingt, ist jedenfalls nicht viel weniger als die Quadratur des Kreises, nämlich: Exzess, der nicht zum nervtötenden Overkill hinüberkippt. Um auf dem schmalen Grat zwischen viel und viel zu viel zu balancieren, dürften sich Sängerin Lottie Cream und Gitarristin L.E.D. was abgehört haben vom Zartbrachialen à la Sleater-Kinney, vom Psychedelischhypnotischen à la Stereolab und vor allem von Chrissie Hynde, die bei den Pretenders so göttlich dem Gitarrenkrach eine liebliche, aber nie süßliche Melodik im Gesang gönnt.

Trotzdem sind Goat Girl nicht Vintage, sondern ganz im Hier und Jetzt, ihre ersten Gigs hatten sie, exakt am Tag nach dem Brexit-Referendum 2016 gegründet, in der Windmill im Südlondoner Stadtteil Brixton, just dem Laden, aus dem auch die sehr gehypten Rocker von Shame und von HMLTD kommen.

Mutmaßlich die neuen Fab Four der Insel

Textlich bewegen sich Goat Girl zwischen Kritik an brusttrommelnden und pissetrinkenden (sic!) Plagegeistern (meinen die etwa Männer?) und dem Bekenntnis, trotz Ängsten nicht auf Psychopillen zu setzen, flankiert von Tanzboden-Synthies, dramatischer Kirchenorgel, eingängiger Melodiegitarre und entspannt erdendem Schlagzeug.

Produziert hat, wie schon beim Debüt, Dan Carey, der auch Black Midi so perfekt Platz freiräumt für gigantische Instrumentalparts und überraschende Tonartwechsel. Mit ON ALL FOURS beanspruchen Goat Girl mutmaßlich, die neuen Fab Four der Insel zu werden. Und das sehr zu Recht.

„ON ALL FOURS“ im Stream hören:


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