Spezial-Abo
🔥8 Cover-Songs, die wir besser kennen als ihr Original

HMLTD West Of Eden


Lucky Number Music/Rough Trade (VÖ: 7.2.)

Rock ist tot – zwar nicht kommerziell gesehen, schließlich sind es nach wie vor Rockbands, die die Stadien füllen. Aber künstlerisch hat sich das Genre erledigt. Weil es faul geworden ist, sich selbst so lange wiedergekäut hat, bis es nun als miefender Fladen auf der Festivalwiese liegt. Kann aus diesem Haufen je wieder The New Shit entstehen?

„WEST OF EDEN“ bei Amazon.de kaufen

Die in – wo sonst? – Südlondon ansässigen HMLTD – drei Franzosen, zwei Briten und ein Grieche – versuchen das seit fünf Jahren. In dieser Zeit haben sie zehn Singles veröffentlicht, von denen es die Hälfte nun auf ihr Debütalbum geschafft hat. WEST OF EDEN ist eine Konzeptplatte über den selbstverschuldeten Verfall des Westens und klingt wie ein vogelwildes Mixtape aus dem Besten der 70er (Bowie, Sex Pistols, Roxy Music, Bauhaus), 80er (Adam And The Ants, Frankie Goes To Holly­wood), 90er (Nine Inch Nails, Atari Teenage Riot), der 00er (Fischerspooner, Skrillex) und von heute (Death Grips, Fat White Family).

Das ist absolut so gewollt: Laut Sänger Henry Spychalski (eigentlich Chisholm – wie Mel C!) erklärt den Niedergang von Gitarrenmusik mit deren Unfähigkeit, mit der Zeit zu gehen. „Heutzutage streamst du einen Song zur Hälfte und spielst dann einen anderen“, sagt er. Deswegen sei es wichtig, dass sich die Musik seiner Band ständig verändere, damit man erst gar nicht in Versuchung gerät, etwas anderes anzuklicken.

Für die Stadien so unabdingbare Singalongs produziert ein solcher Ansatz freilich nicht. Aber möglicherweise sind es diese sich stark an diverser LGBTQ-Ästhetik orientierenden Nu-New-Romantics – alle sechs Bandmitglieder sind übrigens hetero and that’s the beauty of it – mit ihren interaktiven, die Grenze zum Publikum auflösenden Liveshows und ihrem Willen zur Innnovation, die dem Rock die entsprechenden Impulse geben, den er zu seiner Selbstrettung so bitter nötig hat.

Ihr schwer auszusprechender Bandname – zur Kurz­form des Vorgängers Happy Meal Ltd. wurde ihnen von einem McDonald’s-Anwalt stark geraten – dürfte ihnen zwar im Weg stehen, stellt aber auch das furchtlose Selbstverständnis dieser Band dar, nicht den einfachen Weg zu nehmen.


ÄHNLICHE KRITIKEN

Jehnny Beth :: To Love Is To Live

Die Savages-Sängerin bietet dunklen Elektro-Rock abseits der Komfortzone.

Die Wilde Jagd :: Haut

Kosmische Musik aus dem Wald der verzauberten Pilze.

Destroyer :: Have We Met

Diese Songkollektion ist ein weiteres Beweisstück für die kreativen Crashkünste des Kanadiers und seiner Mitstreiter.


ÄHNLICHE ARTIKEL

David Bowie kritisierte MTV schon 1983 für ungerechte Behandlung Schwarzer Musiker*innen

Während eines Interviews im Jahr 1983 wendete sich David Bowie mit einer interessanten Beobachtung an VJ Mark Goodman. So sei ihm aufgefallen, dass MTV fast ausschließlich Videos weißer Interpret*innen spiele. Goodmans Antwort fiel wenig befriedigend aus.

Nine Inch Nails: Trent Reznor fokussiert sich während Corona auf neue Musik

Für Herbst 2020 war auch eine Tour geplant, die nun nicht stattfinden kann. Den Merch gibt es jetzt trotzdem auf der Seite der Band zu kaufen und dazu noch die Info, dass Reznor in der Quarantäne-Zeit neue NIN-Musik angeht.

Queen streamen legendäres Freddie-Mercury-Tributkonzert für 48 Stunden auf YouTube

Mit dem Konzert-Livestream sollen Spendengelder für den COVID-19-Solidaritäts-Fonds der Weltgesundheitsorganisation generiert werden.


Queen streamen legendäres Freddie-Mercury-Tributkonzert für 48 Stunden auf YouTube
Weiterlesen