Im Bett mit Breitner

Auch wenn der Ball nicht im Spiel ist, sind die Positionen klar definiert: In der rechten Hälfte des Doppelbetts liegt Uli Hoeneß, in der linken Paul Breitner. Die Szene – aufgenommen im Trainingslager des FC Bayern macht schon nach ein paar Minuten zweierlei klar: Erstens: Die beiden Kicker gehen miteinander um wie ein altes Ehepaar. Zweitens: Auf der Brust hat Uli Hoeneß eindeutig mehr Haare als Paul Breitner. Bestaunen kann man diese und viele weitere Szenen voller Skurrilitäten,7Oer-Jahre-Chicund Zeitkolorit in der Dokumentation PROFIS – EIN JAHR FUSSBALL MIT PAUL BREIT-NER und ULI hoeness (Diggler Films, Sony BMG 5 gedreht haben ihn Christian Weisenborn und Michael Wulfes. Die beiden Regisseure waren, lange vor Sönke Wortmanns SOM-MERMÄRCHEN, wirklich beinhart dran am Arbeitsalltag von Profi-Fußballern – und begleiteten Breitner und Hoeneß während der kompletten Saison 1978/79. Ausgegraben haben dieses Kleinod dokumentarischer Filmkunst zwei, die sich mit dem Aufstöbern solcher Schätze auskennen. Seit Jahren schon bringen die leidenschaftlichen Jäger und Sammler Sascha Bretz und Alexander lmiela schön-schaurige und schaurig-schöne Tonträger (u.a. die Soundtracks zu TIMM THALER und MANNI, DER LIBE-RO) wieder ans Licht, und auch die erste DVD -Veröffentlichung der Kölner hat es in sich. PROFIS zeigt die Hochs und Tiefs, die Uli Hoeneß während der Saison erlebte, an deren Ende er der Manager des FC Bayern wurde (ein Amt, das er heute noch innehat); wir sehen die unnachgiebige Fehde, die Paul Breitner mit dem damaligen Trainer Gyula Lorant führt und am Ende gewinnt – und wir sehen schließlich, wie Paul Breitner die letzten 90 Minuten der Saison gegen den bereits feststehenden Meister HSV mit einem – Achtung: revolutionär! -Funkmikrofon absolviert. Wie Breitner flucht, stöhnt, schreit, schwitzt und ackert, das gehört zu den eindrucksvollsten Szenen von PROFIS. Erhellend sind auch die Interviews, die Sascha Bretz im Sommer dieses Jahres mit den Protagonisten führte: Während Uli Hoeneß ein Feuerwerk neoliberaler Manager-Phrasen abfackelt, suhlt sich Paul Breitner ausgiebig in den eigenen Erinnerungen. Was mitunter ein wenigzu selbstverliebt wirkt, letztlich aber so rüberkommt, wie Fußball (auch in der Retrospektive) sein soll: leidenschaftlich. Kick it like Breitnerman! >>>

www.diggler.de