Jupiter Jones Die Sonne ist ein Zwergstern


Mathilas und Titus Tonträger/Rough Trade (VÖ: 30.12.)

von

Seit 20 Jahren besteht die Band Jupiter Jones nun schon. Gut, eine Unterbrechung gab es zwischen 2018 und 2021, nachdem Sänger Nicholas Müller schon 2014 aus gesundheitlichen Gründen die Gruppe verließ, die anderen Mitglieder mit neuem Sänger Sven Lauer ein weiteres Album aufnahmen und sie sich danach auflösten. Vergangenes Jahr dann eine kleine Reunion, bestehend aus altem Sänger und einem weiteren Originalmitglied, Gitarrist Sascha Eigner, sodass uns nun eine neue Platte vorliegt,Ächz.

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DIE SONNE IST EIN ZWERGSTERN lautet ihr Titel – und in der Tat, das Zwergige scheint auf diesem Album Programm zu sein. Wir haben es hier mit einer Musik zu tun, die von und für die deutsche Mittelschicht und Studiums-Durchzieher*innen geschrieben wurde. Hymnisch aufbereitete Allgemeinplätze ziehen sich musikalisch und textlich durch das Album und schreien, mal rockig, mal elektro-poppig, ununterbrochen in Ikea-Einrichtungen hinein: Radiotauglich! Emotional! Fußgängerzone!

Radiotauglich! Emotional! Fußgängerzone!

Gesanglich orientiert sich der Sänger, zugegebenermaßen virtuos, an einer Mischung aus Casper, Johannes Oerding und Klaus Lage, während die Arrangements partout alles richtig machen wollen, jedenfalls im Schema zurückgenommene Strophe/große Entladung im Refrain. Nicht der kleinste Fehler, keine Irritation bleibt stehen, in diesem gepflegten Schottergarten, in dem Satzkübel aufgestellt werden, in die jeder einfüllen kann, was ihm behagt: „Ich glaub’, wir bräuchten Herzen aus Asbest, still und beständig und feuerfest“ („Mein Viel und dein Vielleicht“).

In „Vielleicht“ heißt es: „Die Zeiten ändern sich, die Richtung schnall‘ ich nicht.“ Und hier zeigt sich das Problem dieses Albums: Es ist das große „Vielleicht“ in der first world, das ewige Klein-Klein, das Positionslose hinter Pseudothemen wie „Wir“ und „Zusammen“ und „Trotzdem“. Und dass die Musik so wenig stört, stört fast am meisten.


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