Lambchop Trip


City Slang/Universal (VÖ: 13.11.)

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Jeden Tag einen neuen Song aufnehmen, das Programm des neuen Lambchop-Albums lässt sich auch so zusammenfassen, es wurden sechs Tage, also sechs Songs. Aber neu waren sie gewissermaßen auch wieder nicht; Kurt Wagner, Matt Swanson, Paul Niehaus, Tony Crow, Matt McCaughan und Andy Stack wählten jeweils einen Song, den die Band covern sollte. Raus aus dem Zentrum der Lambchop- Erzählung, für die Kurt Wagner als Songwriter einen so maßgeblichen Anteil hat, den Blick auf die Ränder gerichtet, an denen sich persönliche Liebhabereien, Erinnerungen und bislang übersehene Verbindungen auftun würden.

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Seinen Ausgangspunkt findet dieser TRIP in einer fulminanten, der Stille huldigenden 13-minütigen Version von Wilcos „Reservations“. Das hier ist eigentlich gar kein Song mehr, eher eine Fata Morgana in Piano und Gesang, mit Verlangsamungen und Beats, die vereinzelt und zufällig in die bisweilen wegtretende Musik ziehen.

Lambchop sind angekommen in der Unwirklichkeit des Musikmachens (Hinweis: das Album entstand vor dem Corona-Lockdown), in dieser Situation fällt ihre Kunst fast vom Rand der Welt. Und kehrt dann mit Soul-Songs wieder auf diese zurück, mit einer poppig-elektronischen Neuaufnahme von „Love Is Here And Now You’re Gone“ – in Zuneigung zu den Supremes und Little Michael Jackson – und stilvollen Huldigungen an Stevie Wonder („Golden Lady“) und Nashville-Songwriter Earl Montgomery („Where Grass Won’t Grow“). Haken dran, alles Auto-Tune-frei.

Am Ende steht ein bislang unveröffentlichter Song von Yo-La-Tengo-Bassist und Lambchop-Freund James McNew. Das melancholische Lied hätte irgendwie auch von Wagner stammen können. Seine Erinnerung spielt ihm den „Weather Blues“ auch immer zu, wenn er an eine Begegnung mit seiner schwer kranken Mutter denkt, die nicht mehr komplett bei Bewusstsein war. In diesem Moment bekam ihr Gesicht ein Leuchten und sie sah aus wie ein Baby.

„TRIP“ im Stream hören:


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