Album der Woche

Neneh Cherry Broken Politics 


Smalltown Supersound/ Rough Trade (VÖ: 19.10.) 

„Another song, this is nothing new“, singt Neneh Cherry in der ersten Strophe von „Kong“, dieser ruhigen, fast beruhigend meditativ dahinwogenden Dub-Soul-Single. Was sie damit meint, erfährt man in den folgenden Zeilen, in denen sie ihre bitterböse Kritik über Europas Kolonialgeschichte und seine neuere Migrationspolitik ausschüttet.

Der Sound mag soft sein, aber die politische Agenda ist steinhart in ihrer Entschlossenheit: BROKEN POLITICS ist eine Protestplatte, die ihren inhaltlichen Faden vom Flüchtlingscamp in Calais über Fake News bis zur amerikanischen Waffengewalt webt. Das ist „nothing new“, aber auch auf die Frage, ob wir 2018 noch eine weitere Protestplatte brauchen (tun wir!), hat Neneh eine kluge Antwort: „Still my world will always be a little risk worth taking.“

Auch musikalisch fügt sich alles zusammen: Nenehs Form der Protestmusik – weniger wütend als leise, intim und entschlossen – passt zu ihrer schönen, gelassenen Art zu Singen, zu ihrer ernsten und ehrlichen Stimme und zu dem dubbigen, von Pianotupfern, minimalistischem Jazz und neblig verschleppten Beats durchzogenen Endzeit-Soul, der wieder in Zusammenarbeit mit Four Tet entstanden ist (wie schon der Vorgänger BLANK PROJECT) und diesmal auch mit 3D von Massive Attack (wie ihr Klassiker RAW LIKE SUSHI von 1989).

„We clearly let us down“, singt Neneh, die Weise, einmal über die Unmöglichkeit einer friedvollen Existenz in unserer Gegenwart. Wir haben uns selbst im Stich gelassen. Wir müssen es besser machen.  

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