Owen Pallett In Conflict


Domino/GoodToGo

Gibt es im Indie-Rock-Universum nur einen einzigen Menschen, der sich mit Streichinstrumenten auskennt? Die Frage drängt sich auf, wenn man sich durch den Schwarm von Bands scrollt, der die Dienste vom kanadischen Violinisten und Arrangeur Owen Pallett, ehemals und bis zu einem 2010er Rechtsstreit mit einem Spiele-Entwickler als Final Fantasy bekannt, in Anspruch genommen hat: Arcade Fire, The National, Franz Ferdinand, Pet Shop Boys und Fucked Up, um nur die bekanntesten zu nennen.

Auf seinem vierten Soloalbum reicht Pallett nun den Beweis ein, dass man ihn in Zukunft getrost auch als Songwriter einstellen kann. IN CONFLICT ist stringenter und weniger preziös als Palletts bisherige Alben, aber enthält genug falsche Fährten, um Fans des Experimentellen bei Laune zuhalten. Die dissonanten, dronigen Streicher im Bettgeflüster von „The Passions“ etwa oder die Found Sounds im knisternden Kammer-Pop von „Chorale“.

Palletts Melodien sind gefällig – der Titeltrack ist vielleicht der größte „Hit“, den Pallett je geschrieben hat –, aber nie anbiedernd, und die elektronischen Elemente greifen größtenteils reibungsfrei in die orchestralen Versatzstücke. Sein Gesang erinnert stark an den seines Landsmanns und Queer-Pop-Kameraden Joel Gibb von The Hidden Cameras, und im Hintergrund erklingt immer wieder die Stimme des legendären Klang-Innovators Brian Eno (am effektivsten eingesetzt im treibenden „Infernal Fantasy“). Man möchte Owen Pallett zwar immer noch nicht rund um die Uhr hören – Pallett selbst bezeichnet sein neues Album als „eine Annäherung an den Wahnsinn“ –, aber einmal alle paar Tage sollte man sich die Zeit für IN CONFLICT nehmen.

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